powered by Motorsport.com
  • 19.03.2022 · 15:09

  • von M. Fritzsche, Co-Autoren: M. Nugnes, L. D'Adderio

Ducati dank 2018er-Reifen im Vorteil? Bagnaia und Zarco nehmen Stellung

Francesco Bagnaia und Johann Zarco reagieren auf Pol Espargaros "Unfair"-Vorwürfe in Richtung Michelin und einen möglichen Ducati-Vorteil deswegen

(Motorsport-Total.com) - Die von MotoGP-Reifenlieferant Michelin für den Grand Prix von Indonesien 2022 in Mandalika mitgebrachten Hinterreifen stellen einige Hersteller im Feld vor Probleme. Andere hingegen kommen mit den Reifen, die von der Konstruktion her aus dem Jahr 2018 stammen, besser zurecht.

Francesco Bagnaia

Profitiert Ducati in Mandalika von Michelins Hintereifen aus der Saison 2018? Zoom

Honda-Werkspilot Pol Espargaro reagierte am Samstag geladen und sprach von einem "unfairem" Verhalten Michelins, das Honda um die harte Arbeit des Winters gebracht habe. War Espargaro beim Mandalika-Test im Februar mit den 2022er-Reifen Schnellster gewesen, so beendete er das Qualifying am Samstag mit den 2018er-Reifen nur als 16. Ducati-Werkspilot Francesco "Pecco" Bagnaia will Espargaros Vorwürfe in Richtung Michelin so nicht stehenlassen.

"Ich weiß nicht, warum er so etwas sagt. Klar, es ist ein anderer Reifen. Er bietet weniger Grip als jener, der beim Test eingesetzt wurde", sagt Bagnaia. Den Grund dafür, dass in der Startaufstellung alle acht Ducati-Fahrer vor den beiden Honda-Werkspiloten stehen, sieht zumindest der Ducati-Werkspilot aber nicht zwingend in den Reifen.

"Ich kann nur für mich sprechen", so Bagnaia, "und sagen, dass ich beim Test alles Mögliche ausprobiert habe, um alles zu verstehen. Jetzt, da ich mich wirklich auf das reine Fahren konzentriere, fühle ich mich wohler auf dem Bike. Ob das am Reifen liegt, weiß ich nicht. Mit dem anderen Reifen war ich sogar schneller als heute. Und [Espargaro] war ja im FT1 sogar der Schnellste."

Derweil räumt Pramac-Ducati-Pilot Johann Zarco, der genau wie sein Teamkollege Jorge Martin in die erste Startreihe gefahren ist, ein: "Der Hinterreifen mit der anderen Karkasse stört uns vielleicht weniger als er die anderen Hersteller stört. Das könnte ein Grund sein, weshalb wir besser zurechtkommen. Es ist schwer zu sagen. Vielleicht liegt es am neuen Asphalt, der guten Grip bietet. Vielleicht liegt es aber auch am Reifen."

Jorge Martin und Johann Zarco in erster Startreihe

Wie erging es den Ducati-Fahrern am Samstag im Detail? "Das Qualifying war gar nicht so einfach. Es war heißer als gedacht und ich hatte Probleme mit dem Vorderreifen", bemerkt Jorge Martin, der auf seiner schnellsten Runde in Q2 um ein Haar in Kurve 1 gestürzt wäre.

"Nach diesem Moment", so Martin, "überlegte ich kurz, ob ich weiter attackieren sollte oder aber die Runde aufgeben sollte. Ich habe mich dazu entscheiden, weiter zu pushen. Und obwohl mir das Vorderrad auch in Kurve 16 weggerutscht ist, habe ich die Runde noch einigermaßen gut zu Ende gebracht."

Letzten Endes fehlten Martin, der beim Saisonauftakt in Katar auf die Pole gefahren war, diesmal 0,213 Sekunden auf Titelverteidiger Fabio Quartararo, der es mit seiner Yamaha erstmals seit Juni 2001 wieder auf die Pole geschafft hat.

Ob es für Martin ohne seine beiden Schrecksekunden zur Pole gereicht hätte, will er weder bestätigen noch dementieren. Er sagt nur: "Der zweite Startplatz ist gut. Das Ziel war die erste Reihe. Das haben wir erreicht. Über die Pole habe ich nicht nachgedacht. Vielleicht hätte es enger sein können. Ich bin jedenfalls zufrieden und glaube, morgen mit den Schnellsten mithalten zu können."

Jorge Martin, Johann Zarco

Die Pramac-Ducati-Piloten Jorge Martin und Johann Zarco starten von P2 und P3 Zoom

Martins Teamkollege Johann Zarco war im Q2 knapp eine Zehntelsekunde langsamer und geht vom dritten Startplatz ins Rennen. Auch der Franzose ist happy, war er doch im letzten Freien Training vor dem Qualifying, dem FT4 mit Rennabstimmung, unverschuldet gestürzt.

"Ich bin wohl auf das Öl von Rins gekommen", verweist Zarco auf die Szene, als der Motor der Suzuki von Alex Rins zu Beginn von FT4 abfackelte. Zarcos Sturz passierte in Kurve 11, während Rins seine brennende Suzuki noch bis Kurve 13 schleppte und dort dann buchstäblich wegwarf.

"Ich hatte Glück, dass es eine rote Flagge gab", bemerkt Zarco, der so genügend Zeit hatte, um an die Box zurückzukehren und das Training anschließend direkt wieder aufnehmen zu können. "Die Schlussphase im FT4 war dann richtig gut, denn ich konnte auch die härtere Reifenmischung noch ausprobieren. Die hat gut funktioniert und könnten eine gute Option für mich sein, sollte es im Rennen sehr heiß sein."

Enea Bastianini und "Pecco" Bagnaia in Reihe zwei

Auch in der zweiten Startreihe finden sich am Sonntag zwei Ducati-Fahrer. WM-Spitzenreiter Enea Bastianini (Gresini-Ducati) startet von P5. "Pecco" Bagnaia als der im Qualifying bestplatzierte Ducati-Werkspilot, startet von P6, nachdem er den Q2-Einzug mittels Q1-Bestzeit noch geschafft hatte.

Bastianini, der den Saisonauftakt in Katar gewonnen hatte und daher die Gesamtwertung anführt, ärgert sich ein wenig über seinen fünften Startplatz: "Ich dachte, die erste Startreihe wäre möglich gewesen. Die zweite ist aber auch gut. Wichtig wird es sein, morgen einen guten Start hinzulegen. Was die Pace angeht, sind wir mit der Ducati glaube ich nicht so schlecht aufgestellt."

Enea Bastianini

WM-Spitzenreiter Enea Bastianini geht von P5 in den Indonesien-Grand-Prix Zoom

Und Bagnaia, der mit seiner GP22 nur 0,003 Sekunden langsamer war als Bastianini mit der GP21, hat eine Erklärung: "Ich brauchte heute zunächst einmal eine Zeitattacke. Gestern konnte ich keine setzen, heute Vormittag war die Strecke feucht. Also musste ich im FT4, im Q1 und im Q2 heute vier Zeitattacken hintereinander reiten. Das ist nicht einfach."

Gegenüber 'MotoGP.com' verrät Bagnaia in diesem Zusammenhang noch: "Meine letzte Runde im Q2 war nicht schlecht, aber in Kurve 11 ist mir das Hinterrad weggerutscht. Alles in allem bin ich happy, denn das Gefühl ist gut. Wir müssen nur auf den Hinterreifen aufpassen."

Abgesehen vom Reifen sieht Bagnaia genau wie Bastianini den Schlüssel für ein gutes Rennergebnis nicht zuletzt auch in einem guten Start. Genau so einer war den Ducati-Fahrern beim Saisonauftakt in Katar - mit Ausnahme von Bastianini - nicht gelungen. Von einem möglichen Sieg will Bagnaia aber nicht sprechen.

"Der Sieg ist für uns momentan ein zu hohes Ziel. Wir haben ein schwieriges Katar-Wochenende hinter uns. Es stimmt zwar, dass wir hier einen Schritt nach vorne gemacht haben und auch mein Gefühl von Runde zu Runde besser wird. Für einen Sieg brauchen wir aber noch ein bisschen mehr. Wenn ich im Rennen in die Top 5 komme, dann bin ich zufrieden", sagt Bagnaia.

Jack Miller auf dem neunten Startplatz ist der fünfte von insgesamt acht Ducati-Fahrern, die sich für den Grand Prix von Indonesien in den Top 10 qualifiziert haben. Dass es für ihn auf der zweiten Werks-Ducati am Samstag nicht für mehr gereicht hat, lag auch an den Umständen. Millers erste Q2-Runde wurde aufgrund Überschreitung der Tracklimits gestrichen, später kam ihm noch eine gelbe Flagge in die Quere.

Nur knapp die Top 10 verpasst hat Fabio Di Giannantonio auf der zweiten Gresini-Ducati. Er kam wie Bagnaia über den Umweg Q1 ins Q2. Indes hatten die beiden VR46-Ducati-Piloten Luca Marini und Marco Bezzecchi als Dritt- beziehungsweise Viertschnellster im Q1 nur knapp den Q2-Einzug verpasst. Sie starten am Sonntag von P12 und P13, weil Franco Morbidelli (Yamaha) drei Plätze nach hinten rückt.

Neueste Kommentare