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  • 21.07.2011 · 14:10

  • von Pete Fink

Paukenschlag: IndyCars bald wieder in Deutschland?

Randy Bernard wünscht sich eine IndyCar-Rückkehr nach Europa und hat dabei den Lausitzring ganz oben auf seiner Prioritätenliste

(Motorsport-Total.com) - IndyCar-Chef Randy Bernard setzte in dieser Woche ein kräftiges Ausrufezeichen. In einem Interview mit dem 'Indianapolis Business Journal' betont er, dass er für die mittelfristige Zukunft auch ein Auge auf Europa werfen wolle. Es ist bekannt, dass sich der IndyCar-Boss einen gesunden Mix aus US-Events und dem internationalem Markt wünscht, doch Deutschland stand auf dieser Liste bisher nicht ganz oben.

Tri-Oval Lausitzring

Randy Bernards Wunschstrecke: Das zwei Meilen lange Trioval auf dem Lausitzring

Das hat sich geändert. "In den kommenden fünf Jahren glaube ich, dass die IndyCar-Serie wieder mehr internationale Märkte erreichen wird", sagt Bernard. "Ich würde es zum Beispiel gerne sehen, wenn wir auf dem Oval in Deutschland fahren würden." Also auf dem Lausitzring, wo in den Jahren 2001 und 2003 schon zweimal das German 500 ausgetragen wurde. Damals natürlich noch in der ChampCar-Ära.

Schon im vergangenen September wollte der IndyCar-Boss eine Rückkehr nach Deutschland "grundsätzlich nicht ausschließen", wie er damals im Interview mit 'Motorsport-Total.com' betonte. "Wie vielleicht nachvollziehbar ist, liegt unsere Priorität derzeit gerade darauf, in Amerika ein Top-Produkt zu gestalten. Wir erleben gerade einen bemerkenswerten Aufschwung und wir wollen zunächst sicherstellen, dass das so weitergeht."

Schon im Herbst 2010 sprach Bernard davon, dass sein Mix aus "13 rein amerikanischen Rennen und vier internationalen Rennen" bestehe. "Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir den internationalen Anteil irgendwann vielleicht um drei oder vier Rennen erhöhen. Wenn Deutschland dann eines dieser Rennen haben möchte, dann werden wir sicher nicht 'Nein' sagen."

Bauliche Maßnahmen erforderlich

Randy Bernard IndyCar-Chef

IndyCar-Chef Randy Bernard wünscht sich den Lausitzring Zoom

Fast ein Jahr später legt er etwas überraschend nach. Denn eigentlich kümmert sich Bernard gerade intensiv um eine Ausweitung auf dem brasilianischen Markt, wo nach Sao Paulo ein zweites Rennen kommen soll. Auch China steht mit einem Dauerabonnement auf der IndyCar-Prioritätenliste weit oben. Vor allem seitdem das Japan-Rennen in Motegi in der Saison 2011 zum letzten Mal durchgeführt werden wird.

Aber ist eine IndyCar-Rückkehr an den Lausitzring überhaupt realistisch? Auch in einem sehr langen Zeitfenster bis 2016 gerechnet? "Mehr als ein Traum oder eine Vision kann dies zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht sein", erklärt Lausitzring-Geschäftsführer Bert Poensgen gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Selbstverständlich wären wir über eine IndyCar-Rückkehr mehr als glücklich, aber bei der praktischen Durchführung gibt es einige Probleme."

In erster Linie müsste das zwei Meilen lange Trioval "baulich auf den neuesten Stand gebracht werden", rechnet Poensgen vor. "Dabei reden wir von einem komplett neuen Streckenbelag und der Safer-Barrier, den vorgeschriebenen Streckenbegrenzungen, die unser zehn Jahre altes Oval natürlich noch nicht hat. Allein dies wäre eine millionenschwere Investition, die wir alleine natürlich nicht tragen können."

Attraktives Rennen

Die IndyCars könnten bis zu 80.000 Zuschauer in die Lausitz locken Zoom

Zum anderen stellt sich natürlich die Frage nach den Transportkosten. "Es ist schon mit einem erheblichen Aufwand verbunden, eine komplette IndyCar-Serie über den großen Teich zu transportieren", weiß Poensgen. "Auch in dieser Hinsicht ist der finanzielle Aufwand enorm und auch dabei müsste das Risiko für uns sehr wohl kalkulierbar bleiben."

Einen direkten Kontakt nach Indianapolis hat es übrigens noch nicht gegeben. "Wir hatten in den vergangenen Jahren immer wieder lose Kontakte mit der NASCAR", bestätigt Poensgen. "Aber mit Randy Bernard selbst haben wir noch nicht gesprochen." Was aber noch kommen kann, denn grundsätzlich findet der Geschäftsführer durchaus Gefallen an der Bernardschen Idee.

"Ich kann schon nachvollziehen, wenn die IndyCars ihr Geschäft irgendwann auch nach Europa ausweiten wollen", betont Poensgen. "Und ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass ein IndyCar-Rennen bei uns 60.000 bis 80.000 Zuschauer anziehen würde. Doch in der momentanen Situation fehlt mir dazu leider der Glaube daran."