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  • 09.09.2014 · 09:11

  • von Rencken, Sharaf & Wittemeier

Zwischen Ebbe und Ertrinken: Fanschwund im Fahnenmeer

Mit 144.000 Zuschauern säumten Monza weniger Besucher als 2013 - Es tobt der Kampf um einen neuen Vertrag: Frisches Geld aus dem Verkauf des Parks?

(Motorsport-Total.com) - Wer am vergangenen Wochenende am Vormittag ins Monza-Paddock wollte, der musste eine laute Stimme und ausfahrbare Ellenbogen beweisen. Tausende Zuschauer lauerten vor den Kontrollen zum Fahrerlager, um einen Blick, ein Foto oder ein Autogramm eines Stars zu erhaschen. Rauschte einer der Helden an, war die Meute nicht mehr zu bändigen. Szenen, die an die "alte" italienienische Begeisterung, insbesondere für Ferrari, erinnerten. Allerdings bleibt sie von der aktuellen Formel-1-Kritik nicht unberührt.

italienische Fans

Die Galngenfrist dauert noch zwei Jahre, dann muss der neue Vertrag stehen Zoom

Am gesamten Rennwochenenden säumten offiziellen Angeben zufolge 144.000 Zuschauer das Autodromo Nazionale bei bestem Wetter. 80.000 kamen am Sonntag, 40.000 zum Qualifying. Am Donnerstag und Freitag gaben sich 4.000 respektive 20.000 Fans die Ehre. Unter dem Strich bedeutet das einen Rückgang von knapp zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was auf dem Niveau anderer europäischer Events liegt. Trotzdem wünscht sich Ivan Capelli, dass die Zahlen wieder steigen.

Der Ex-Formel-1-Pilot und neue Präsident des für die Rennstrecke mitverantwortlichen Mailänder Automobilclubs sagt gegenüber 'Motorsport-Total.com': "Ich erinnere mich an Monza vor ein paar Jahren, als es noch fast unmöglich war, sein Auto zu parken. Ich bin überzeugt, dass es diese Wiederauferstehung braucht." Fraglich ist nur, ob es überhaupt die Chance dazu gibt. Der Vertrag mit Bernie Ecclestone läuft nach 2016 aus. Weil das Geld knapp ist, gestalten sich Gespräche über eine Verlängerung schwierig.

Ecclestone: Keine weitere Sonderbehandlung für Monza

Der Zampano ist offenbar nicht bereit, zugunsten der Tradition der Highspeed-Strecke in Monza auf Einnahmen zu verzichten, die er sich andernorts deutlich einfacher besorgen könnte. "Unter dem Strich ist es simpel", erklärt der 83-Jährige. "Alles, was wir wollen, sind gleiche Voraussetzungen wie sie alle anderen europäischen Rennen haben. Ich würde aus jedem anderen Vertrag den Namen streichen und 'Monza' reinschreiben." Capelli und Co. arbeiten daran, sich das nötige Kleingeld zu besorgen. Erste Anlaufstelle: die Politik.


Fotos: Großer Preis von Italien


Beispiel: Der berühmte Park um die Anlage herum gehört den Gemeinden Monza und Mailand zu identischen Teilen. Die Region Lombardei will mit einem Drittel einsteigen, sodass es bald drei gleichgroße Teilhaber gibt - und Geld für die nötigen Investitionen in die Kassen fließt, um den Vertrag bis 2020 zu verlängern. "Es sind italienische Politiker gekommen, um die Situation in Augenschein zu nehmen", erklärt Capelli. "Klar ist ihre Situation auch schwierig, aber nur zusammen können wir Bernie Ecclestone das bestmögliche Angebot unterbreiten."

"Wie Tennis ohne Wimbledon"

Dazu zählt für den früheren Ferrari-Star auch, kleine Dinge zu verbessern. Am Wochenende war im Media Centre der Internetzugang anders als in den Jahren zuvor schnell und kostenfrei, am Sonntag lag auf jedem Arbeitsplatz ein Journalisten-Bewertungsbogen: "Ich mache Dinge, die einen Präsidenten eigentlich gar nicht betreffen", meint Capelli, der als TV-Experte für 'RAI' arbeitet. "Das ist meine Art - wenn ich etwas sehe, dann packe ich es an." Dafür verließ er jeden Tag um kurz vor sechs Uhr das Haus.

Ivan Capelli

Ivan Capelli: Auf dem Milanesen ruhen die Hoffnungen der Tifosi Zoom

Die Unterstützung der Formel-1-Legenden hat der Grand Prix jedenfalls. "Monza ist immer gut, seit vielen Jahrzehnten. Wir wollen alle spannende Rennen sehen, und genau so etwas liefert uns Monza regelmäßig", erläutert Jackie Stewart im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Die Fans sind dermaßen leidenschaftlich, es sind wohl die verrücktesten der Welt."

Auch Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo will das Heimspiel nicht missen: "Monza ist einzigartig. Die Atmosphäre ist unvergleichbar und ich kann mir nicht vorstellen, dass es künftig Probleme geben wird." Stewarts Sorgenfalten sind deutlich tiefer, schließlich wackelt eines der letzten Monumente des Motorsport: "Ich mache mir wirklich Sorgen. Man muss diese Klassiker um jeden Preis halten. Die Formel 1 ohne Monza, das wäre wie Golfsport ohne St. Andrews oder Tennis ohne Wimbledon."

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