powered by Motorsport.com

Zweimal in Mauer: Verstappen gewinnt Regendrama vor unglücklichem Alonso

Regen in den letzten 25 Runden hat den Grand Prix in Monte Carlo 2023 auf den Kopf gestellt - Ferrari verpatzt einmal mehr die Strategie und verliert Positionen

(Motorsport-Total.com) - Max Verstappen (Red Bull) hat den Grand Prix von Monaco 2023 gewonnen. Aber was 50 Runden lang nach einer beschaulichen Sonntagsfahrt bei Schönwetter an der Cote d'Azur aussah, wurde im Finish noch zu einem echten Regendrama. Letztendlich siegte Verstappen vor Fernando Alonso (Aston Martin) und Esteban Ocon (Alpine).

Max Verstappen, Oscar Piastri

Max Verstappen behielt bei schwierigen Bedingungen in Monaco kühlen Kopf Zoom

"Eine unglaubliche Leistung", schwärmt Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko. "Egal, wie die Witterungsverhältnisse waren - trocken, halbnass, völlig nass -, er hatte das immer unter Kontrolle. Einmal hat er wieder die Mauer küssen müssen, aber es ist Gott sei Dank gut ausgegangen."

Lewis Hamilton (Mercedes) wurde Vierter, sein Teamkollege George Russell Fünfter, gefolgt von Charles Leclerc (Ferrari), Pierre Gasly (Alpine) und Carlos Sainz (Ferrari). Lando Norris und Oscar Piastri (beide McLaren) rundeten die Top 10 ab.

Lance Stroll (Aston Martin) war an einem turbulenten Sonntagnachmittag erstaunlicherweise der einzige Ausfall, bis kurz vor Schluss auch noch Kevin Magnussen (Haas) abstellte. Doch als die Strecke nass war, kam es zu einer ganzen Reihe Abflüge, die nur allesamt nicht rennbeendend waren.

Nico Hülkenberg (Haas) lieferte eine starke erste Runde ab und gewann vier Positionen. Danach lief für ihn aber nicht mehr viel zusammen. Er beendete den Grand Prix mit zwei Runden Rückstand auf dem 16. Rang.

Zum Thema:
Rennergebnis
WM-Stand
Paddock live: Der ganze Samstag im Ticker
Analyse live: Ab 21:30 Uhr auf YouTube
Fahrernoten-Voting: Jetzt abstimmen!

Wie lief der erste Teil des Rennens?

Obwohl Alonso (auf Hard gestartet) einen etwas besseren Start erwischte, behauptete sich Verstappen (Medium) sicher durch die Sainte Devote. Bereits nach der ersten Runde hatte er Alonso aus dem DRS-Fenster abgeschüttelt. Und von da an gab's kein Halten mehr: Nach 25 Runden betrug sein Vorsprung 11,7 Sekunden auf Alonso und 28,9 auf Ocon.

In Runde 31, Verstappen hatte jetzt nur noch 9,4 Sekunden Vorsprung auf Alonso, lief er auf Stroll und Sergio Perez (Red Bull) auf, die gerade um Platz 15 kämpften. An Perez war Verstappen schnell vorbei, doch jetzt begann sein Vorsprung im Überrundungsverkehr zu schmelzen.

Dazu kam: Einige Teams erwarteten Regen gegen Rennende. Gut für Alonso, weil der mit den harten Reifen warten konnte, bis der Regen kommt, um sich einen Reifenwechsel zu sparen. Als Verstappen anfing, über seine abbauenden Reifen zu jammern, wurde ihm gesagt, er soll draußen bleiben, weil er sonst Gefahr laufen würde, hinter Alonso zurückzufallen.

"Ich weiß nicht, wie lang ich das Tempo noch halten kann", funkte Verstappen in Runde 43, als sein Vorsprung 8,8 Sekunden betrug. Sowohl er als auch Alonso hatten jetzt freie Fahrt, und trotz des schlechten Gefühls war Verstappen sogar etwas schneller als sein Verfolger.

Was passierte, als es zu regnen begann?

"Es war schwierig, denn wir waren auf Medium gestartet und Fernando auf Hard", sagt Verstappen. "Ich wollte keinen langen Stint fahren, aber wir mussten draußen bleiben. Dann kam der Regen, und wir wussten nicht wirklich, was wir tun sollten. Die Reifen hatten schon starkes Graining. Es dauerte ein paar Runden, das durchzustehen. Dann wurde die Pace wieder besser. Aber es war unheimlich schwierig zu fahren."

Die ersten Tropfen fielen im Bereich Mirabeau-Loews. Es dauerte nicht lang, bis der Regen zunahm. Jetzt brach totales Chaos aus: Verstappen küsste bei Portier zum ersten Mal die Mauer, Sainz rutschte in Mirabeau in den Notausgang, Stroll crashte den Aston Martin, konnte aber weiterfahren.

Verstappen gibt zu, "dass ich die Hinterräder blockiert habe, und dann musste ich das driftend kontrollieren. Zum Glück war dann die Mauer da, sonst wäre ich noch weiter gerutscht!"

Alonso wollte jetzt besonders schlau sein. Als die ersten Regentropfen fielen, schlug er seinem Team vor, auf Medium zu wechseln, denn dann sei man auf den gleichen Reifen wie Verstappen, habe aber die frischeren Reifen. Eine totale Fehleinschätzung. Denn der Regen nahm zu, und eine Runde später musste Alonso doch auf Intermediates wechseln.

Der Vorsprung von Verstappen und Alonso nach hinten war groß genug, dass all das keine Konsequenzen hatte. Zwischendurch war Alonso ein paar Runden schneller als Verstappen, doch je trockener es gegen Rennende wurde, desto sicherer wurde Verstappen wieder, sodass es am Ende zu keinem ernsthaften Duell mehr kam.

Die Herausforderung war, bei abtrocknender Strecke auf den Intermediates die Konzentration nicht zu verlieren. Verstappen zitterte ein weiteres Mal, als er in die Mauer rutschte und sein Team bitten musste, die Felge zu untersuchen. Er zog sich bei der Situation aber keinen nennenswerten Schaden zu und fuhr den Sieg letztendlich sicher nach Hause.

"Max ist mit dem Medium super gefahren und hat den ersten Stint lang ausgehalten, daher hatten wir keine Chance", sagt Alonso. "Am Ende im Regen war es schwierig. Du konntest kein Vollgas geben, das Bremsen war extrem fragil, besonders in den Kurven 5 und 10. Ich bin überrascht, dass es kein einziges Safety-Car gegeben hat."

Wie verlief der Kampf um Platz 3?

Durch Leclercs Gridstrafe lag Ocon von Anfang an vor Sainz an dritter Stelle. In Runde 11 kündigte Sainz erst an, dass er jetzt pushen werde, und dann fuhr er Ocon beim Anbremsen der Hafenschikane mit einem Harakirimanöver hinten rein, wobei er sich den Frontflügel beschädigte.

Sainz fuhr aber ohne Reparatur weiter und folgte dem Alpine im Windschatten. Mehrmals täuschte Ferrari einen Boxenstopp an, kam aber nicht wirklich rein. Und obwohl Ocon länger stand als nötig, als es endlich so weit war, reichte es für Sainz nicht, am Franzosen vorbeizugehen.

Anschließend machte er seinem Unmut am Boxenfunk Luft: "Das ist genau, was ich euch gesagt hatte!" Und er regte sich drüber auf, dass er eine Sekunde schneller sei als Leclerc. Also schon wieder ein Ferrari-Rennen, bei dem die Stimmung beim Strategiebriefing nicht allzu gut sein wird.

Als es zu regnen begann, drehte sich Sainz dann im Regen weg. Ferrari reagierte und holte beide gleichzeitig zum Wechsel auf Intermediates rein. Aber später als die Konkurrenz, sodass Ocon als Dritter plötzlich die beiden Mercedes im Schlepptau hatte, die früh Reifen gewechselt hatten.

Irgendwann mitten im Chaos rutschte Russell hinter Stroll in den Notausgang bei Mirabeau und fuhr Perez vor die Nase, wofür er eine Fünfsekundenstrafe kassierte. Perez seinerseits schlug in jener Phase am Hafen erst auf der einen, dann auf der anderen Seite ein, und wechselte daraufhin als einer der Ersten auf Full-Wets.

Der große Verlierer des Regens war wieder mal Ferrari. Kaum hatten Leclerc und Sainz auf ihren zweiten Satz Trockenreifen gewechselt, setzte der Regen ein. Dann kamen andere früher zum Wechsel auf Intermediates. Und Sainz drehte sich auch noch von der Strecke. So fielen die beiden auf P6 (Leclerc) und P8 (Sainz zurück).

Besser lief es für Mercedes: Hamilton verbesserte sich auf Rang 4, Russell auf P5. Russell, mit fünf Sekunden Strafe belegt, appellierte am Boxenfunk für einen teaminternen Platztausch, zumindest auf der Strecke, um nach hinten absichern zu können. Darauf ließ sich Mercedes aber nicht ein. Für das Ergebnis machte das keinen Unterschied.

Warum kam Perez in Runde 1 an die Box?

Nach seinem Crash in Q1 am Samstag stand der Mexikaner auf dem 20. und letzten Startplatz. Es musste also eine originelle Strategie her. Und die sah so aus: Bereits nach der ersten Runde kam er an die Box, um von Medium auf Hard zu wechseln - ein Reifen, mit dem man theoretisch das komplette Rennen durchfahren kann.

An der Spitze setzen sich zwar Verstappen und Alonso ein wenig von allen anderen ab, der Rest des Feldes blieb aber dicht beisammen. Perez fuhr hingegen Rundenzeiten, die phasenweise sogar um zwei Sekunden schneller waren als die von Verstappen, und hatte in Runde 10, an 18. Stelle liegend, schon wieder zu Stroll aufgeschlossen.

Doch die Strategie, dass Verstappen das Feld einbremst und Perez davon profitiert, trat so nicht ein. Perez steckte hinter Stroll fest, lädierte sich später den Frontflügel, als Magnussens Haas in der Hafenschikane einen Aussetzer hatte, und fiel durch den notwendigen Reparaturstopp wieder auf Platz 19 zurück.


Verstappen siegt: Hat's Alonso selbst verbockt?

Dass Alonso und Aston mit dem Reifenwechsel ins Klo gegriffen haben, steht fest. Aber war das die Rennentscheidung in Monte Carlo 2023? Weitere Formel-1-Videos

Perez spielte danach keine Rolle mehr. Nach mehreren Zwischenfällen und Boxenstopps kam er weit außerhalb der Punkteränge als 17. ins Ziel. Ein Jahr nach seinem Sieg in Monte Carlo ein schwerer Dämpfer für seine WM-Ambitionen.

Wie lief Hülkenbergs Rennen?

Für Hülkenberg begann das Rennen mit gemischten Emotionen. Zuerst erwischte er einen super Start und ging direkt an seinem Teamkollegen Magnussen vorbei (mit einer leichten Berührung in Sainte Devote). Bei Mirabeau hatte er sogar schon vier Positionen gewonnen.

Doch dann kam es zu einem Stau in der Loews-Haarnadel, und Hülkenberg rempelte den Williams von Logan Sargeant an - was ihm eine Fünfsekundenstrafe bescheren sollte, die er übrigens nicht korrekt antrat (was nochmal zehn Sekunden einbrachte).

Bereits am Ende der ersten Runde musste er wegen eines Reifenschadens die Box ansteuern. Kaum war er als Letzter wieder auf der Strecke, passierte das nächste Malheur: "Ich glaube, ich habe am Tunnel Gummiabrieb von einem Reifen getroffen, der mir auf den Frontflügel gefallen ist." Immerhin da gab sein Renningenieur Entwarnung: "Die Daten sind okay."

Von da an war sein Rennen gelaufen. Hülkenbergs Teamkollege Magnussen zeigte noch ein sehenswertes Manöver gegen Sargeant bei Mirabeau, aber in die Nähe der Punkte kam Haas diesmal nicht. Da half auch der Regenschauer am Ende nicht.

Wann und wo gibt's die Rennanalyse?

Wenn die TV-Broadcaster aus ihren Übertragungen aussteigen, stehen in Monaco die Medienrunden von Teamchefs und Fahrern an, die nicht live gezeigt werden. Was dort gesagt wurde, darüber sprechen am Sonntagabend ab 21:30 Uhr auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de Kevin Scheuren und Christian Nimmervoll, mit Einordnungen und Thesen zum Rennen. (Kanal jetzt kostenlos abonnieren, Benachrichtigungen aktivieren und Ping aufs Handy bekommen, wenn's losgeht!)

Wie geht's in der Formel-1-WM 2023 weiter?

Monaco war das sechste von 22 geplanten Rennwochenenenden der Saison 2023 (Hier geht's zum Formel-1-Kalender!). Das nächste steht bereits in einer Woche in Barcelona, Spanien auf dem Programm. Erst danach sind wieder zwei Wochen Pause bis zum Grand Prix von Kanada in Montreal.