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  • 24.11.2006 · 11:47

Zanardi kann Formel-1-Runden "kaum noch erwarten"

Am Donnerstag fuhr Alessandro Zanardi nur einen Funktionstest, ausgiebig wird der Italiener am Samstag in Valencia zum Fahren kommen

(Motorsport-Total.com/sid) - Alessandro Zanardi kann den Samstag kaum noch erwarten. Dann klettert der Italiener in Valencia als erster beinamputierter Rennfahrer in ein Formel-1-Auto und erfüllt sich damit fünf Jahre nach seinem Horror-Crash in der Lausitz einen großen Traum. "Ich freue mich wie ein kleines Kind. Dass ich die Chance habe, noch einmal ein Formel-1-Auto fahren zu dürfen, ist ganz einfach großartig, sensationell", sagte Zanardi dem 'Sport-Informations-Dienst'.

Alessandro Zanardi

Alessandro Zanardi fiebert seiner Ausfahrt am Samstag entgegen

Diese Möglichkeit eröffnet ihm der Münchner Automobilhersteller BMW, für den der 40-Jährige schon mit zwei Siegen 2005 und 2006 in der Tourenwagen-WM Motorsport-Geschichte geschrieben hat. Die Münchner haben einen aktuellen Formel-1-Boliden extra für Zanardi umgebaut.#w1#

Gas geben kann der frühere US-ChampCar-Champion mit einem umfunktionierten Kupplungshebel am Lenkrad, bremsen wird er mit einem Fußpedal, auf dem wie in seinem BMW-Tourenwagen die Fußprothese festgeschnallt wird. Einen ersten kurzen Funktionstest hat er am Donnerstag bereits erfolgreich absolviert.

"Schon vor meinem ersten Start in einem Tourenwagen vor zwei Jahren war ich sehr angespannt, denn ich wusste ja nicht, wie konkurrenzfähig ich sein würde. Obwohl ich schon Formel-1-Rennen gefahren bin, ist der Test im BMW Sauber für mich jetzt natürlich etwas ganz Besonderes", sagte Zanardi und fügte mit seinem unerschütterlichen Humor hinzu: "Mir ist natürlich klar, dass BMW mir keinen Fahrervertrag mehr anbieten wird."

Zanardi hat in seiner Karriere zwischen 1991 und 1994 sowie 1999 in der Formel 1 für Jordan, Lotus und Williams insgesamt 41 Grand Prix absolviert. Am 15. September 2001 verlor er bei einem Unfall während des ChampCar-Rennens auf dem EuroSpeedway Lausitz beide Beine, aber nicht seinen Lebensmut.

2003 fuhr er in einem ChampCar-Boliden in der Lausitz genau die 13 Runden, die ihm in seinem Schicksalsrennen 2001 noch bis ins Ziel fehlten. Doch das reichte ihm nicht, er wollte komplett zurück in den Rennsport-Zirkus. Trotz seiner Behinderung hat er beim Saisonfinale 2004 in Monza in der Tourenwagen-WM ein sensationelles Comeback gefeiert und am 28. August 2005 in Oschersleben als erster körperbehinderter Fahrer ein Rennen gewonnen. In diesem Jahr ließ er einen weiteren Sieg in Istanbul folgen, der ihm selbst noch mehr bedeutet als der erste, weil er ihn im direkten Kampf mit den Top-Fahrern holte.

Der Horrorunfall hat dem ehemaligen Formel-1-Fahrer eine besondere Popularität beschert. Mit einer Mischung aus Neugier, Mitleid und Respekt wird er von vielen Außenstehenden betrachtet. "Viele Gesunde wissen nicht, wie sie mit einem Behinderten umgehen sollen, ob sie die Tür aufhalten sollen oder nicht. Das ist oft peinlich für sie", sagt Zanardi: "Ich mache dann einen Witz, und die Situation entspannt sich."

Seine Erfahrungen im Kampf gegen seine Behinderung will Zanardi auch für andere Kranke und Behinderte einsetzen. Mit einer Stiftung unterstützt er ein Kinderkrankenhaus in Apulien, wo in einem historischen Gästehaus die Familien der kleinen Herzpatienten untergebracht werden. "Mein Schicksal ist nichts im Vergleich zu dem, was diese Kinder durchmachen", sagte er. Seinen "Ruf irgendwo zwischen einem Heiligen und einem Showgirl" (Zanardi) nutzt er daher ständig, um Geld zu sammeln.

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