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  • 25.07.2013 · 14:39

WM-Titel ein Wunschtraum? Sutil "rechnet am Ende ab"

Der Force-India-Pilot steckt sich vor seinem 100. Grand Prix die Formel-1-Krone als Ziel, sieht sich auf Vettel-Niveau und will "irgendwann einen Tapetenwechsel"

(Motorsport-Total.com/SID) - Adrian Sutils Karriere in der Formel 1 schien beendet. 2012 war der Gräfelfinger ohne Cockpit, wurde wegen Körperverletzung bei einem Disco-Streit in Schanghai zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Doch Sutil kehrte zurück zu Force India und startet am Sonntag in Ungarn in seinen 100. Grand Prix in der Königsklasse. Im Interview spricht der 30-Jährige über das Jubiläum in Budapest, seinen Traum vom Weltmeister-Titel und den Vergleich mit Champion Sebastian Vettel.

Adrian Sutil

Rückkehrer Adrian Sutil hat nich Träume und Ziele: Der WM-Titel gehört dazu Zoom

Frage:: "Adrian, im Motorsport bist du so etwas wie ein Spätstarter, hast erst mit 14 Jahren im Kart angefangen. Hättest du gedacht, dass es einmal zu 100 Rennen in der Formel 1 reicht?"
Adrian Sutil: "Darüber habe ich mir eigentlich nie Gedanken gemacht. Der Traum war einfach immer, in die Formel 1 zu kommen - und jetzt sind es schon 100 Grands Prix. Aber einfach nur mitzufahren, das macht es für mich nicht aus. Ich muss meine Ziele auch erreichen. Und deshalb muss ich weiter arbeiten."

Frage:: "Und wie sehen diese Ziele langfristig aus?"
Sutil: "Ich bin zurückgekommen, um irgendwann ganz vorne zu stehen. Nur dann macht es Spaß, wenn man ganz nach oben will. Meine Ziele sind deshalb Rennsiege und natürlich auch, Weltmeister zu werden. Ich weiß nicht, ob ich es schaffe. Aber am Ende der Karriere muss ich sicher sein, dass ich alles dafür gegeben habe. Dann werde ich ein zufriedenes Leben haben."

Viel Potenzial bei Force India

Frage: "Um alles für den Gewinn der WM zu geben, müsste man da nicht auch Force India verlassen?"
Sutil: "Ich bin ja erst seit einem halben Jahr wieder da. Natürlich ist die Frage: Schafft es Force India jemals ganz nach vorne? Man weiß es nicht. Aber es gibt nicht allzu viele Teams, die im Moment besser sind. Diese Entscheidung muss man also sorgfältig überdenken. Wenn ich irgendwann der Meinung bin, Force India ist Endstation, ich kann hier nicht mehr rausholen, dann muss ich das Team wechseln. Im Moment sehe ich aber noch sehr viel Potenzial."


Fotos: Großer Preis von Ungarn, Pre-Events


Frage: "Wenn ein Force-India-Pilot von der Weltmeisterschaft redet, klingt das für viele erstmal überraschend."
Sutil: "Das ist mir gar nicht so wichtig. Ich hoffe, dass jeder Fahrer in der Formel 1 diese Ziele hat und ganz nach oben will. Sonst ist er am falschen Platz. Die Besten der Besten sollen in der Formel 1 fahren, und jeder muss den Anspruch haben, zu gewinnen. Wenn der Siegeswille weg ist, bleibe ich lieber zuhause. Wenn manche Leute es für Wunschträume halten, ist mir das deshalb nicht wichtig. Am Ende wird abgerechnet."

Auf Augenhöhe mit Vettel

Adrian Sutil

Mit dem Force-India musss Sutil gegen die Mittelfeld-Konkurrenz kämpfen Zoom

Frage: "Würdest du zum Beispiel in einem Red Bull ständig um Siege fahren?"
Sutil: "Ich traue es mir zu. Ob es so ist, weiß ich nicht. Ich möchte nicht sagen, dass Sebastian Vettel alles nur dank seines Autos schafft. Er hat einen starken Teamkollegen (Mark Webber, Anm. d. Red.), den er extrem im Griff hat. Er ist ein ausgezeichneter Rennfahrer. Die Frage ist, ob ich das auch könnte - und ich traue es mir zu. Wenn ich irgendwann die Chance bekomme, muss ich es beweisen."

Frage:: "Mit Blick auf einen möglichen Teamwechsel in der Zukunft: Gibt es Rennställe, die einen besonderen Reiz für dich haben?"
Sutil: "Meine Lieblingsmarken sind eigentlich immer Ferrari und Mercedes gewesen. Aber ich möchte vor allem gewinnen, ob das in einem roten, silbernen oder orangen Auto passiert, ist erstmal nebensächlich."

Frage: "Bei welchem Team auch immer: Sehen wir noch den 200. Grand Prix von Adrian Sutil?"
Sutil: "Ich fände es schon schön, meine ganze Karriere nicht nur bei einem Team zu verbringen. Irgendwann kommt daher sicher die Zeit für einen Tapetenwechsel. Sollte ich also 200 Grands Prix schaffen und irgendwann auf meine Karriere zurückblicken, dann würde ich gerne von verschiedenen Teams berichten können."