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Williams und das kleine Wunder von Grove

Wie Phönix aus der Asche legt das Williams-Team 2014 einen tollen Auftritt hin - Eine Reise zum Ursprung des Erfolgs der weißen Renner aus Grove

(Motorsport-Total.com) - Das Williams-Team hat die Saison 2014 auf dem dritten Gesamtrang in der Konstrukteurs-WM abgeschlossen, und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr (Rang neun) deutlich gesteigert. Die stellvertretende Teamchefin Claire Williams bezeichnet die Veränderung als "phänomenal" und "eine der größten in der Motorsport-Geschichte". Die Verwandlung vom Hinterbänklerteam zum Podiumsgaranten ist keinem anderen Team so gut gelungen wie der Mannschaft aus Grove. Das Familienteam konnte in diesem Jahr 320 Punkte holen, und stellte beim letzten Rennen in Abu Dhabi mit den 66 Punkte in einem einzigen Rennen sogar einen Punkterekord auf, der ohne die doppelten Punkte ihm kommenden Jahr kaum zu knacken sein wird.

Claire Williams, Valtteri Bottas

So sieht Erfolg aus: Teamchefin Claire Williams umarmt Valtteri Bottas Zoom

Mit der Verpflichtung von Felipe Massa vor der Saison hat man sich einen Routinier an die Seite des jungen Talents Valtteri Bottas geholt. Massa ist überglücklich mit seiner Entscheidung - er alleine holte 2014 134 Punkte und drei Podestplatzierungen. "Manchmal ändern sich die Dinge aus einem guten Grund", spielt der Brasilianer gegenüber 'Sky Sports F1' auf seinen alten Arbeitgeber Ferrari an. "Vielleicht glauben wir manchmal nicht an solche Dinge, aber es ist von Zeit zu Zeit so. Das Team hat während dieser Meisterschaft einen fantastischen Job gemacht, sie haben es wirklich verdient."

Er geht von einer glorreichen Zukunft mit Williams aus: "Ich hoffe, wir können nächstes Jahr noch stärker sein. Ich hoffe, dass alles, was wir in diesem Jahr verbessert haben, bestehen bleibt, und dass wir gleichzeitig noch besser werden." Dabei spekuliert er auch auf einen Sieg, der dem Team in diesem Jahr noch verwehrt blieb: "Dann haben wir vielleicht ein Auto, mit dem wir viele Rennen gewinnen und vielleicht sogar um den Titel kämpfen können. Daran müssen wir glauben. Ich bin so dankbar, dass das Team an mich glaubt."

Massa: Dürfen uns nicht zurücklehnen

Der 33-Jährige ist überzeugt, dass man über den Winter einen großen Schritt nach vorne machen kann. "Ich denke, dass es möglich sein kann, an all den kleinen Dingen am Auto zu arbeiten, die einen besser machen können. Wir tun alles dafür, einen großen Fortschritt zu erzielen." Aber man könne eben noch nicht absehen, wie groß der Rückstand im Vergleich zum dominierenden Mercedes sein wird. Eins weiß Massa aber garantiert: "Wir können uns auf jeden Fall nicht zurücklehnen."

Valtteri Bottas, Felipe Massa

Beide Williams-Piloten auf dem Podium: Bottas und Massa in Abu Dhabi Zoom

Sein Teamkollege Bottas war einer der Aufsteiger des Jahres. Er feierte gleich sechs Podiumsplatzierungen, davon drei hintereinander. Der Finne beendete die Saison auf dem starken vierten Platz in der Gesamtwertung. Bottas resümiert bei 'Sky Sports F1' ähnlich positiv: "Wir sind wirklich im Aufschwung mit dem Team. Es fühlt sich toll an, ein Teil davon zu sein. Der vierte Platz ist für mich natürlich auch großartig." Trotzdem weiß der 25-Jährige, dass Erfolg Lust auf mehr macht: "Sobald du Teil dieser Welt hier bist, lebst du für diese Momente. Und sobald du etwas erreicht hast, willst du mehr. So läuft es nun mal."

Bottas ist sehr glücklich darüber, wie sich die gesamte Williams-Mannschaft verbessert hat. Der Finne weiß aber auch schon, wo noch Aufholbedarf besteht: "Wir müssen sicherlich in Zukunft noch im aerodynamischen Bereich zulegen, einfach mehr Abtrieb gewinnen. Das ist die Hauptsache. Aber auch was die Strategie und die Boxenstopps angeht, müssen wir noch beständiger werden."

Bottas: Der FW37 als gutes "Basisauto"

Es waren ein paar sehr gute Rennen dabei, bei denen alles gut gelaufen ist, aber dann waren auch wieder welche mit Problemen dabei: "Wir müssen einfach noch stärker und beständiger werden", betont Bottas. Da es vom Reglement her keine großen Änderungen an den Autos geben wird, glaubt er daran, dass der Williams FW37 ein gutes "Basisauto" sein wird. Darauf könne man aufbauen. "Ich glaube wirklich, dass wir im nächsten Jahr stärker sein können."

"Ich habe dieses Glücksgefühl bei Williams sehr lange nicht mehr gesehen." Claire Williams

Aufbauend wirkt auch die positive Stimmung innerhalb des gesamten Teams aufgrund der kürzlich erzielten Erfolge. Claire Williams, Tochter von Teamgründer Frank Williams und stellvertretende Teamchefin, ist überglücklich mit der Gesamtsituation. "Wir haben so ein fantastisches Team. Die Leute haben einen unglaublich gut gearbeitet. Ich habe dieses Glücksgefühl bei Williams sehr lange nicht mehr gesehen und denke, dass dies erst der Anfang einer spannenden Zukunft ist", so die Britin gegenüber 'Sky Sports F1'.

Sie hofft darauf, dass man auf der starken Leistung dieses Jahres aufbauen und den Rückstand auf Mercedes noch verkleinern kann. Natürlich weiß Williams aber auch, dass es auch an der Konkurrenz wie Red Bull oder Ferrari liegt, wo man 2015 im Endeffekt stehen wird. Trotzdem gibt sie sich kämpferisch: "Wir haben alles, das wir brauchen, um ein Top-Team zu sein." Das Ziel für die nächste Saison ist ebenfalls klar: "Wir wollen Rennen gewinnen. Jeder weiß, was er zu tun hat, um das zu erreichen", so Williams.

Rang fünf als ursprüngliches Ziel

Die 38-Jährige hat zusammen mit dem neuen Geschäftsführenden Mike O'Driscoll die Geschäfte übernommen. Das war für sie selbstverständlich: "Ich habe diese Rolle im Team angenommen, weil es ein Familienunternehmen ist. Es ging um Mama und Papa, sie haben das alles erschaffen. Das soll ich jetzt vielleicht nicht sagen, aber als meine Mutter starb, konnte sie den Erfolg des Teams nicht miterleben. Sie hat alles verpasst. Es ist Teil meines Jobs abzuliefern - für sie, auch wenn sie nicht mehr hier ist, und für Dad."

Die tiefe Verbundenheit mit der Mannschaft spürt man in ihrer Arbeit und ihrer Begeisterung. "Wir haben sehr gut gearbeitet. Es ist wichtig, dass das Team realisiert, was es geleistet hat, und dass wir feiern. Jeder hat hart gearbeitet, dafür dass wir dorthin kommen, wo wir heute sind. Aber wir haben noch nicht gewonnen." Die gute Stimmung möchte man in den Winter und die Entwicklungsarbeit mitnehmen.


Fotos: Williams, Großer Preis von Abu Dhabi


Ursprünglich habe man gehofft, auf Rang fünf in der Teamwertung zu kommen. Mit Platz drei habe niemand gerechnet, so Williams. Vielleicht gelingt den Briten auch in der kommenden Saison ein großer Wurf. Ob sie enttäuscht ist, dass man kein Rennen gewinnen konnte? "Natürlich will man in jeder Saison gewinnen, aber wie kann man mit so einer Saison enttäuscht sein? Nein, wir sind nicht enttäuscht." Das Ergebnis ist auch ein finanzieller Aufschwung für das Team, denn Platz drei bedeutet mehr Preisgeld und eine bessere Ausgangsposition im Gespräch mit potenziellen Sponsoren. Mit Martini hat Williams schon vor der Saison einen mehrjährigen Hauptsponsor an Land ziehen können.

Smedley: Fehler sind notwendig

Nicht nur eine neue Fahrerpaarung und ein neuer Sponsor machen den Erfolg der Williams-Truppe aus. Auch Techniker und Leute, die eher im Hintergrund agieren, sind zu dem Team gestoßen - wie auch Rob Smedley, der mit Massa von Ferrari ins Team wechselte. Der Brite meint, dass das gesamte Paket bei Williams einfach stimmig sei. "Die Resultate sprechen für sich. Jedes Mal, wenn wir rausfahren, verbessern wir uns."

Rob Smedley

Rob Smedley kam zusammen mit Felipe Massa zum Williams-Team Zoom

Seine Philosophie beinhaltet aber auch das Machen von Fehlern, was auch ein Aspekt des Erfolgs sei, so Smedley. "Wir erlauben es uns auch Fehler zu machen. Das ist meine Botschaft an das Team, dass wir Fehler machen müssen und dass wir die Freiheit haben, welche zu machen. Dann müssen wir die Gründe verstehen. Wir zeigen auf keinen mit dem Finger und sagen, dass es ihre oder seine Schuld war. Was wir machen, ist, dass wir unsere Köpfe zusammenstecken. Ich übernehme die komplette Verantwortung für das, was an der Rennstrecke passiert. Wir kommen dann zurück und sagen, das war gut oder das war nicht gut. Und genau das ist der Grund, warum wir uns jedes Mal verbessern - so entwickeln wir das Auto."

Smedleys Hauptziel im Leben sei derzeit, den Williams schneller zu machen und jedes Wochenende zu punkten. Der Mercedes-Antrieb sei natürlich viel wert: "Ich bin glücklich, weil wir den besten Antrieb haben." Doch Smedley ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass sich Dinge sehr schnell ändern können: "Mercedes ist der Maßstab. Sie haben den besten Job gemacht, die meisten Punkte gesammelt und die WM gewonnen. Aber das ist nicht viel anders wie in den vergangenen Jahren. Red Bull hat auch die vergangenen fünf Jahre dominiert."

Symonds: Williams ist ein großartiger Ort

Er weiß, wie man Weltmeisterschaften gewinnt: "Von meinem technischen Standpunkt aus bedeutet das, dass wir besser sein müssen, um die anderen zu schlagen, egal ob das Red Bull oder Ferrari oder wer auch immer ist." Es liegt am Team sie zu schlagen. "Du musst besser sein, nur so gewinnt man Weltmeisterschaften. Du gewinnst keine, indem du Regeln änderst."

"Du musst besser sein, nur so gewinnt man Weltmeisterschaften. Du gewinnst keine, indem du Regeln änderst." Rob Smedley

Aus technischer Sicht stimmt der Brite, der für die Fahrzeugperformance zuständig ist, seinem Fahrer Bottas zu: "Wir müssen mehr Abtrieb erzeugen. Wir gehen nun durch diesen Prozess, wir versuchen das Auto in allen Bereichen zu verbessern. Abtrieb ist eine Priorität. Wir wollen sichergehen, dass unser Niveau auf der Rennstrecke konstant bleibt."

Pat Symonds

Williams-Technikchef Pat Symonds fühlt sich wohl in seinem neuen Team Zoom

Ein weiterer Neuankömmling, der Mitte 2013 zum Team stieß, ist Pat Symonds. Der neue Technikchef erinnert sich noch gut an seinen ersten Tag beim Team: "Du machst es nicht in der ersten Woche. Ich habe mir angesehen, was da war. In meiner ersten Woche fand der Belgien-Grand-Prix statt. Es war eine fundamentale Erfahrung. Und es gab sehr viel zu tun. Wir hatten ein Team mit wirklich guten Leuten, wirklich erstaunlich gute Leute." Aber es gab ein Manko: "Es gab keinen Fokus. Leute brauchten einfach ein bisschen eine Führung, und genau das passierte in diesem Jahr."

Vor allem in der Zusammenarbeit von O'Driscoll und Claire Williams sieht Symonds den Wendepunkt und den Erfolgsfaktor für das Team: "Es war ein Neuanfang. Mike wurde Geschäftsführer, Claire wurde stellvertretende Teamchefin. Es hat diese Veränderung gebraucht, die Mike und Claire eingeleitet haben." Man habe wieder Selbstvertrauen gefunden und man wisse wieder, wie man ein Rennen gewinnt. "Sie glauben ans Gewinnen, an die Leistung des Autos und es ist im Moment ein großartiger Ort."

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