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"Werden rasch Lösungen finden": Teams zweifeln an Überhol-Regeln 2019

Warum die Teams skeptisch sind, dass die Reglementänderungen für 2019 greifen und Zweikämpfe erleichtern werden und man sie dennoch für den richtigen Weg hält

(Motorsport-Total.com) - Die FIA legt große Hoffnungen in die Reglementänderungen für die kommende Saison: Der neue breitere, aber deutlich vereinfachte Frontflügel soll dafür sorgen, dass die Ingenieure die Luft nicht mehr außen um die Vorderräder herumlenken können und somit für Turbulenzen für den Hinterherfahrenden sorgen. Dadurch sollte man ab 2019 bis auf 0,8 Sekunden an den Vordermann heranfahren können, ohne von der verwirbelten Luft gestört zu werden und entscheidend Abtrieb zu verlieren. Diese Saison leidet man mit einer Sekunde Rückstand schon unter heftigen Verwirbelungen.

Max Verstappen

Das Reglement für 2019 soll die Überhol-Action deutlich verbessern Zoom

Aber wird das Experiment - schließlich handelt es sich um den ersten Schritt zu den großen Reglementänderungen 2021 - auch gelingen? Klar ist schon jetzt, dass sich die Teams keine großen Verbesserungen erhoffen. "Die Richtung stimmt", meint Ferraris Chefingenieur Jock Clear. "Wie es sich aber wirklich auswirken wird, werden wir erst nächstes Jahr sehen, denn zehn Teams werden mit zehn Lösungen auftauchen, von denen wir manche vermutlich nicht einmal in Betracht ziehen. Das wird die Spielregeln möglicherweise noch einmal verändern."

Was er damit meint? Ein Team kommt mit einer genialen Idee, an die kein anderer gedacht hat. Und verschafft sich damit nicht nur einen gravierenden Vorteil, sondern durchkreuzt auch den Plan der FIA, das Heranfahren zu erleichtern. Und wenn es tatsächlich gelingt, den Luftstrom trotz der Einschränkungen an den Vorderrädern vorbeizulenken, dann ist der breitere Frontflügel, zum dem man sich hinreißen ließ, damit die Rundenzeiten nicht zu stark einbrechen, eher ein Nachteil als ein Vorteil.

Ingenieure fürchten: Überholerleichterung wird rasch verpuffen

"Vermutlich wird zu Saisonbeginn alles ein bisschen besser sein", glaubt Williams-Chefingenieur Rob Smedley. "Dann werden wir aber alle zu Lösungen zurückkehren, durch die wir den Status quo wieder herstellen." Der Brite hält die Änderungen für "groß" - vor allem im Bereich der Vorderachse. "Die ganzen Anbauten am Frontflügel kommen weg, der Flügel wird breiter, Die Flügel an den Bremsbelüftungen kommen weg und auch der Bereich um die Bargeboards wird sich stark verändern."

Es sei aber relativ klar, wo die Designer Hand anlegen müssen, um den verlorenen Abtrieb wieder zurückzugewinnen: "Wir haben da eine sehr klare Richtung gefunden." Und selbst wenn manche Teams zu Saisonbeginn einen Geniestreich übersehen haben, rechnet Smedley mit einem raschen Aufschließen: "Es wird sich rasch ein richtiger Weg herauskristallisieren. Und das wird dann dafür sorgen, dass sich alle Autos ähnlich sehen."

Während man von einigen Teams hört, man habe bei den Simulationen für 2019 schon jetzt wieder die Abtriebswerte der aktuellen Saison erreicht, stellt Renaults für das Chassis verantwortlicher Technikchef Nick Chester klar: "Wir haben unser Windkanalprogramm noch nicht zur Gänze durchgebracht, und für uns sind die neuen Regeln schon ein Rückschlag. Die nächsten Monate werden also entscheidend."

Teams: FIA wählt endlich den richtigen Ansatz

Clear will nicht so viel in den aktuellen Entwicklungsstand hineininterpretieren: "Wie die aktuellen Rundenzeiten aussehen würden, ist derzeit irrelevant, weil alles relativ ist. Da diese Autos so hochentwickelt sind, wirft einen jede Änderung zurück - das gilt für uns alle. Und wir wissen schlicht nicht, ob unsere Lösungen ausreichen werden, um vorne zu sein."

Dafür sind die Ingenieure der Teams der Meinung, dass die FIA zumindest endlich das Kernproblem angeht, anstatt wie bei DRS nur das Symptom zu bekämpfen. "Spannender Rennsport bedeutet nicht unbedingt, dass es einfach ist, zu überholen, sondern dass die Autos einander folgen können und man Druck auf den anderen ausüben kann", erklärt Ferrari-Chefingenieur Clear seine Sicht der Dinge. "Und das ist auch das Ziel dieser Änderungen."

Noch-Williams-Mann Smedley betont, dass es durch die Aerodynamik der Formel-1-Boliden und die enormen Geschwindigkeiten in der Natur der Sache liege, dass man mit einem Formel-1-Auto nicht wie mit einem Tourenwagen überholen könne: "Das ist eine Frage der Physik. Wir müssen also akzeptieren, dass es mit diesen Autos schwierig ist, dem anderen zu folgen." Das gelte vor allem für die Bolidengeneration seit dem Vorjahr, als der Abtrieb und die Breite der Autos vergrößert wurden.

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