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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Das Momentum und warum es Lewis Hamilton 2016 unschlagbar machen könnte: Neun Punkte sind ein Polster, auf dem Nico Rosberg nicht mehr gut schlafen kann

Liebe Leser,

bis zur vierten Kurve in Barcelona war sie noch in Ordnung, die Welt von Nico Rosberg. Seither ist sie es nicht mehr.

Kaum jemand hatte dem Mercedes-Fahrer nach der WM-Entscheidung in Austin 2015 zugetraut, doch noch Formel-1-Weltmeister zu werden. Aber dann gewann er plötzlich sieben Rennen am Stück, und sein Nemesis Lewis Hamilton schien zu wackeln. War öfter auf Partys als auf Siegerehrungen. Viele hatten das Gefühl: 2016 ist Rosberg dran.

Auch ich hatte meine in Austin 2014 aufgestellte Theorie, dass Nico Rosberg nie mehr einen WM-Titel gewinnen wird, bezweifelt. Aber seit der Karambolage in Barcelona, für die er selbst nichts konnte, hat das Momentum wieder die Seiten gewechselt. Und wir wissen: Wenn Hamilton das Momentum auf seiner Seite hat, ist er nicht zu schlagen. Zumindest nicht von Rosberg im gleichen Auto.

Nach dem Grand Prix von Kanada beträgt Hamiltons Rückstand in der Fahrerwertung nur noch neun Punkte. Gewinnt er in Aserbaidschan und Österreich, kommt er auf jeden Fall als WM-Leader zu seinem Heimrennen in Silverstone, selbst wenn Rosberg zweimal Zweiter werden sollte. Und mit so einem Lauf wäre er wohl nur sehr, sehr schwer davon abzuhalten, zum dritten Mal hintereinander die Formel-1-Krone zu erobern.

Entscheidet der Killerinstinkt die WM?

Während Hamilton zu seiner alten Form zurückgefunden hat, schleichen sich bei Rosberg alte Fehler ein. In Monte Carlo sah er blass aus - das Schneckentempo konnte weder er selbst noch das Team plausibel erklären. Und in der ersten Kurve in Montreal hat sich gezeigt, dass Hamilton in den entscheidenden Situationen jenen Killerinstinkt abrufen kann, der Rosberg immer noch fehlt.

Es mag noch nicht einmal Absicht gewesen sein, dass Hamilton so weit nach außen getragen wurde, dass für den Teamkollegen kein Platz mehr war. Die Version mit dem "massiven Untersteuern" nehme ich ihm trotzdem nicht ab. In den "Big Moments" strahlt er einfach ein Selbstbewusstsein aus, das solche Duelle entscheidet. Und Rennen. Und Weltmeisterschaften.


Nico Rosberg nach dem Grand Prix von Kanada

Rosberg mag - sicher nur unterbewusst - durch den Kopf gegangen sein: "Wenn ich es jetzt drauf ankommen lasse, kracht's. Und dann bin ich bei Toto und Niki unten durch." Gedanken, die einem Killer wie Hamilton scheißegal sind. Selbst nach der Vorgeschichte von Barcelona. Das macht mir Rosberg persönlich sympathischer, aber Hamilton erfolgreicher.

Der Zeitpunkt für eine von Rosberg provozierte Karambolage wäre denkbar schlecht gewesen. Er hat Gerhard Berger damit beauftragt, aus dem neuen Mercedes-Vertrag mehr Geld rauszuholen. Am besten genauso viel wie Hamilton.

Nico Rosberg, Lewis Hamilton

Nico Rosberg gratuliert Lewis Hamilton zur Pole-Position in Montreal Zoom

Der Haken daran ist: Wenn Rosberg jetzt eine Dummheit macht, kann ihn das seine Zukunft im besten Auto der Formel 1 kosten. Denn wenn es hart auf hart kommen sollte und nur einer übrig bleiben kann, würden sich die Herren Wolff und Lauda wahrscheinlich für Hamilton entscheiden.

Nico Rosberg hat in dieser Saison noch nicht viel falsch gemacht. Aber die kleinen Nachlässigkeiten waren genug, um Hamilton aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken.

Und wenn Hamilton einmal hellwach ist, im besten Auto, dann ist er unter normalen Umständen unschlagbar.

Grund genug für eine schlaflose Nacht...

Wer sonst noch schlecht geschlafen hat:

Daniel Ricciardo: In Barcelona und Monte Carlo hat ihm das Red-Bull-Team den Sieg gekostet, die Stimmung war danach vergiftet. Zu einer Besserung hat Montreal kaum beigetragen. Dass Max Verstappen die Stallorder ignoriert hat und dafür von Teamchef Christian Horner noch nicht einmal gerüffelt wurde, sagt Ricciardo, für wen bei Red Bull die Herzen schlagen. Dass obendrein auch noch sein Boxenstopp verpatzt wurde (schon wieder), war da nur ein ins Bild passender Randaspekt.

Felipe Massa: Der Ausfall wegen zu hoher Motortemperaturen wird dem 35-Jährigen keine schlaflosen Nächte bereiten. Der Unfall wegen DRS-Versagens am Freitag ebenso nicht. Der Blick in die Zukunft aber schon. Denn während Teamkollege Valtteri Bottas über das erste Williams-Podium 2016 jubeln durfte, verdichteten sich Gerüchte, dass Frank Williams 2017 lieber mit Jenson Button statt mit Massa weitermachen möchte.

Romain Grosjean: Der Glanz der ersten Rennen ist beim Haas-Team verblasst, die Euphorie bei Grosjean längst Ernüchterung gewichen. Das Auto ist nicht schnell genug, wird im Saisonverlauf nicht groß weiterentwickelt. Damit rückt der Traum, sich mit überragenden Ergebnissen für ein Ferrari-Cockpit zu empfehlen, in weite Ferne. Vielleicht wäre Grosjean doch bei Renault besser bedient gewesen. Dort ist zumindest die langfristige Perspektive aussichtsreich.

Ihr

Christian Nimmervoll

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