powered by Motorsport.com

Verhindern Schikanen das Überholen in der Formel 1?

Sam Michael sieht in den Schikanen der Rennstrecken die Ursache für die wenigen Überholmanöver in der Formel 1 - "Und gerade das ist ein Witz"

(Motorsport-Total.com) - Schon seit geraumer Zeit ist den Verantwortlichen der Formel 1 ein Dorn im Auge, dass ihrer Meinung nach zu wenig überholt wird. Aus diesem Grund versucht man mit immer neuen Regeln, eben genau solche Manöver zu fördern und die Zweikampf-Situation zu erleichtern. Die Ergebnisse sind meist nicht wirklich überzeugend, was laut Sam Michael allerdings eine ganz besondere Ursache hat.

Fernando Alonso

Gerade an Schikanen kommt es in der Startphase immer zum Getümmel

Für den Technischen Direktor des Williams-Teams sind nämlich nicht die komplexen Fahrzeuge die Wurzel allen Übels, sondern vielmehr die Rennstrecken und deren Kurvenfolgen. "Den Leuten ist klar, dass man an Rennplätzen wie Monaco nicht wirklich viele Überholmanöver sehen wird - und das akzeptieren sie auch", sagt Michael bei 'Autosport'. Andernorts sei die Erwartungshaltung anders.

"Bei Strecken wie Barcelona geht man davon aus, durchaus einige Überholversuche zu sehen. Und gerade das ist ein Witz - und so offensichtlich", findet der Australier und erläutert seine Sicht der Dinge: "Am Circuit de Catalunya gibt es eine lange Gerade, auf die eine schnelle Schikane folgt. Solange diese Passage so bleibt, wird man in Barcelona nicht überholen können", meint Michael.

"In Abu Dhabi ist es ähnlich, wenn man sich die Schikane am Ende der Gegengeraden in Erinnerung ruft. Schikanen sind der Ruin der Formel 1", stellt der langjährige Technikchef des Williams-Teams heraus und begründet seine Meinung: "Sie zerstören jede Überholchance, denn der Vordermann kann am Scheitelpunkt zumachen und die Linie decken, ohne sich am Kurvenausgang selbst weh zu tun."

"Bei einer Haarnadel ist das nicht möglich. Wer sich in einer solchen Kurve verteidigt, verliert am Ausgang an Boden", gibt Michael zu Protokoll. "Bei einer Schikane kann er seinen Verfolger einfach aufhalten, sich wieder sammeln und von Neuem vorneweg fahren. Man sollte Schikanen schlichtweg über Bord werfen", sagt Michael. Ob man sich darauf verständigen kann, darf bezweifelt werden...