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Trotz möglichen Verbots ab 2030: Aston Martin plant Bau von Windkanal

Obwohl die Formel 1 aktuell über ein Verbot von Windkanälen diskutiert, möchte Aston Martin einen neuen bauen - Teamchef Otmar Szafnauer über die Hintergründe

(Motorsport-Total.com) - Ab 2030 könnten Windkanäle in der Formel 1 verboten werden. Da mutet es etwas seltsam an, wenn Aston-Martin-Teamchef Otmar Szafnauer erklärt: "Aktuell denken wir ernsthaft über den Bau eines Windkanals nach." Aktuell verwendet der Rennstall aus Silverstone noch den Mercedes-Windkanal in Brackley.

Otmar Szafnauer

Otmar Szafnauer erklärt, warum Aston Martin einen Windkanal bauen will Zoom

"Die Aerodynamik macht in unserem Sport noch immer einen großen Unterschied", erinnert Szafnauer, weshalb es auf jeden Fall ein "Nachteil" sei, keinen eigenen Windkanal zu haben. Das wolle man daher womöglich schon "bald" ändern. Doch welchen Sinn ergibt das angesichts des möglichen Verbots ab 2030?

Szafnauer rechnet vor: "Jetzt ist 2021. Sagen wir mal, dass unser neuer Windkanal Mitte 2023 läuft. Dann kann man ihn noch immer sieben, siebeneinhalb Jahre [...] benutzen. Das wäre es wert." Ohnehin steht zudem noch gar nicht fest, ob das Verbot wirklich kommt. Und zwischen den Zeilen wird deutlich, dass Szafnauer etwas skeptisch ist.

"Aktuell kann CFD den Windkanal nicht ersetzten", stellt er klar. CFD-Simulationen am Computer seien nach aktuellem Stand der Technik lediglich für "simple" Dinge geeignet, erklärt Szafnauer. Ein komplettes Formel-1-Auto sei aber so komplex, dass CFD momentan noch "nicht in der Lage" sei, einen Windkanal zu ersetzen.


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Das könnte bis 2030 natürlich anders aussehen. Dann könnten die Teams durch die Abschaltung der Windkanäle bares Geld sparen. Szafnauer erklärt in diesem Zusammenhang: "Es kostet gar nicht so viel, einen Windkanal zu betreiben. Es geht nur um die Elektrizität und die Wartung hin und wieder."

Das mache lediglich 20 Prozent der eigentlichen Kosten aus. Wirklich teuer sei vor allem die Herstellung der Modelle für den Windkanal. Diese verursachen laut Szafnauer nämlich 80 Prozent der Kosten. "Wenn man die Windkanaltests verbietet, dann kann man ganz sicher etwas Geld sparen", räumt der Teamchef ein.


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Gleichzeitig warnt er aber auch davor, dass man die Teile dann in Zukunft direkt auf der Strecke testen müsse. Und dort bestehe die Gefahr, dass sie dann am Auto nicht funktionieren. "Dann bringt man sie zum ersten Mal ans Auto, und sie sind nicht gut, und dann wirft man diese Teile sofort wieder weg", warnt Szafnauer.

Das wäre für die Teams dann ebenfalls mit hohen Kosten verbunden, weil Teile am echten Auto natürlich "teurer" als kleinere Modelle für den Windkanal seien. Es bleibt daher abzuwarten, ob die Windkanäle in Zukunft tatsächlich verboten werden. Darauf verlassen will man sich bei Aston Martin offenbar nicht.

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