powered by Motorsport.com

Toto Wolff: Warum die Formel 1 für Mercedes wichtig ist

Toto Wolff unterstreicht das historische Erbe von Mercedes im Rennsport - Die Formel 1 ist auch eine Bühne, um der Marke ein sportliches Image zu verpassen

(Motorsport-Total.com) - Seit 2010 betreibt Mercedes wieder ein eigenes Werksteam in der Formel 1 und seit 2014 stellten sich die großen Erfolge ein. Von den großen Automobilherstellern leisten sich sonst nur Renault beziehungsweise Ferrari ein eigenes Werksteam. Diese Namen sind eng mit der Geschichte des Rennsports verbunden. 1906 gewann Ferenc Szisz mit einem Renault die erste als Grand Prix betitelte Rennveranstaltung in Frankreich. Und auch Mercedes zählte Anfang des vergangenen Jahrhunderts neben den Renault-Brüdern zu den Pionieren im Rennsport.

Lewis Hamilton

Seit 2014 feiert Mercedes die ganz großen Erfolge in der Formel 1 Zoom

"Ich weiß nicht ob es alle wissen, aber das erste Mercedes-Auto war 1901 ein Rennauto", verweist Motorsportchef Toto Wolff auf die Geschichte. "Damals wurde ein Mercedes gebaut, um auf der Rennstrecke zu fahren, und nicht auf der Straße." 1900 regte der Geschäftsmann Emil Jelinek bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft den Bau eines komplett neuen Fahrzeugs an, das vom damaligen Kutschenprinzip komplett abwich.

Der Wagen hatte 35 PS und ebnete mit dem Bienenwabenkühler den Grundstein für Hochleistungsautos. Jelinek gab diesem Projekt den Namen seiner damals zehnjährigen Tochter: Mercedes. Ein Mythos war geboren. "Es gibt bei Mercedes ein großes Erbe", sagt Wolff deshalb. "Jeder kennt die Silberpfeile der 1930er und 1950er. Wir versuchen darauf aufzubauen. Wir sind nicht kurzfristig in der Formel 1. Es geht nicht um Sponsoring oder Marketing. Es ist, was wir tun. Wir bauen Straßenautos und Rennautos. Das ist unsere fundamentale Basis für unser Formel-1-Engagement."

Mercedes 35 PS 1901

1901 begann die Erfolgsgeschichte des ersten Mercedes-Modells mit 35 PS Zoom

Trotzdem kann Mercedes die Formel 1 als ideale Bühne nutzen, um die Marke zu promoten und ihr ein sportliches Image zu verpassen. "Teil dieser Plattform zu sein, gibt uns eine große Aufmerksamkeit in diesem Markt. Wir generieren an jedem Rennwochenende Millionen von Zuschauern", unterstreicht Wolff die Bedeutung der Formel 1 weltweit. "Wenn wir am Sonntag gewinnen, verkaufen wir vielleicht am Montag mehr Autos. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das auch der Fall ist."

Wichtig ist vor allem das Image, wie Wolff an einem Beispiel erläutert: "Wenn man vor zehn Jahren jemanden gefragt hat, was ein Mercedes ist, dann hätte er wahrscheinlich geantwortet, es ist ein Taxi. Durch unsere Erfolge auf der Strecke und unsere großartigen Straßenmodelle beginnen wir, die Wahrnehmung der Marke zu verändern. Wir werden jünger und dynamischer. Leute, die früher darüber nachgedacht haben, einen Audi zu kaufen, denken jetzt über einen Mercedes nach. Das zeigt, wie kraftvoll die Formel 1 als Plattform ist."

"Der zweite wichtige Punkt ist der Technologietransfer. Es ist nicht einfach zu erklären, aber wir probieren mit der Formel 1 Dinge aus, die wir bei einem Straßenauto nie ausprobieren könnten. Der Austausch zwischen Stuttgart, Brackley und Brixworth funktioniert auf täglicher Basis. Stuttgart hilft uns, Performance zu finden und Probleme zu lösen. Gleichzeitig sind sie auch an unseren Lösungen für die Formel 1 interessiert, denn sie könnten eines Tages in einem Straßenmodell zu finden sein."