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Öl-Debatte: Renault überzeugt, dass etwas Wahres dran ist

Zweite Direktive der FIA: Remy Taffin glaubt, dass die Konkurrenz getrickst hat - Beim eigenen Antrieb sieht sich Renault auf Kurs, den Rückstand aufzuholen

(Motorsport-Total.com) - Beim Formel-1-Wochenende in Aserbaidschan kamen plötzlich wieder Diskussionen über die Zugabe von Öl ins Benzin auf. Vor Saisonbeginn wurde erstmals über dieses Thema gesprochen, als Red Bull Mercedes verdächtigte, mit diesem Trick die Performance des Verbrennungsmotors im Qualifying zu steigern. Die FIA verschickte an alle Teams eine Direktive, dass dieser Vorgang nicht dem Reglement entsprach. Vor Baku gab es vom Automobilweltverband eine weitere Direktive dazu. Ferrari soll im Verdacht gestanden haben, diesen Trick zu verwenden. Öffentlich spielten alle das Unschuldslamm.

Bob Bell

Die schlauen Köpfe bei Renault: Bob Bell (li.) im Gespräch mit Remy Taffin (re.) Zoom

Wo Rauch ist, ist auch immer Feuer. Zumindest ist man bei Renault dieser Meinung. "Es würde diese Diskussionen und Klarstellungen von der FIA nicht geben, wenn nicht etwas gemacht wurde", wird Renault-Motorenchef Remi Taffin von 'Autosport' zitiert. "Was uns betrifft, kann ich sagen, dass wir das nicht beachtet haben. Wir haben viel mehr zu tun, als das letzte Bisschen mit solchen Dingen herauszukitzeln."

Auffällig war im Baku-Qualifying der große Rückstand von Ferrari zu Mercedes. Mehr als eine Sekunde lag die Scuderia bisher nie in Q3 zurück. Allerdings ist der Stadtkurs eine besondere Strecke im Kalender. Der Power-Kurs in Spielberg wird zeigen, ob das ein allgemeiner Trend ist. "Meines Wissens nach musste Ferrari etwas vom Auto nehmen - und das könnte ein zusätzlicher Öltank gewesen sein", so Martin Brundle, Experte bei 'Sky Sports F1', im Rahmen des Baku-Wochenendes.

Renault glaubt: Jetzt ist es ein richtiger Vergleich

Von Renault-Seite ist man sicher, dass die zweite FIA-Direktive dafür gesorgt hat, dass niemand mehr mit Öl im Benzin trickst: "Wir verstehen, was gemacht wurde und wir stimmen zu, dass man nur Benzin verbrennen darf. Ich glaube nicht, dass noch jemand etwas anderes macht. Man muss sich nur ansehen, wie es jetzt läuft. Es ist ein richtiger Vergleich." Und im Baku-Qualifying war Red Bull mit dem Renault-Motor fast auf Augenhöhe mit Ferrari. Ein deutlicher Unterschied zu den bisherigen Q3s.


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Laut Taffin zeigt das auch die Fortschritte, die Renault gemacht hat: "Unser klares Ziel für 2018 ist es, auf das gleiche Level wie der Maßstab zu kommen. Und der Maßstab ist immer noch Mercedes. Einen Teil dieser Arbeit haben wir erledigt. Den Rest können wir über den Winter schaffen. Wir sehen auf den Prüfständen klare Fortschritte und wir wissen, dass wir je nach Strecke 0,3 bis 0,5 Sekunden zurückliegen. Wenn Mercedes über den Winter eine oder zwei Zehntel findet, dann haben wir die Voraussetzungen, die Lücke zu schließen."

Renault kopiert Mercedes-Konzept nicht

Renault verfolgt dabei in Viry-Chatillon den eigenen Entwicklungsweg und orientiert sich nicht an Mercedes. Die Silberpfeile setzen seit 2014 auf einen gesplitteten Turbo-Kompressor. Der Luftkompressor sitzt vor dem Motorblock, die Turbine dahinter. Sie sind durch eine Welle verbunden. Da die Turbine deutlich heißer wird, konnte mit dieser Anordnung das Turboloch verringert und die Kühlung verbessert werden. Diese Anordnung soll mit ausschlaggebend für die Mercedes-Überlegenheit sein.

Nico Hülkenberg

Renault sieht sich beim Hybridantrieb auf einem guten Weg nach vorne Zoom

Honda kopierte im Winter diese Konfiguration. Bisher hatte Honda die Turbo-Komponenten im V-Block untergebracht. Renault blieb dem bisherigen Konzept treu und platziert die Turbo-Komponenten hinter dem Motorblock. "Unser Motor ist, wie er ist. Wir haben uns für den Turbo hinter dem Motor aus guten Gründen entschieden", so Taffin. "Es gibt auch keinen Grund daran etwas zu ändern, weil wir dadurch keinen Zeitgewinn sehen. Wir haben unsere Komponenten dort, wo wir sie haben wollen."

Trotzdem glaubt Taffin, dass sich das Entwicklungsrennen hauptsächlich um den Verbrennungsmotor und den Turbo dreht: "Daran arbeiten wir und ich schätze, das macht auch Mercedes. Sie verwenden nicht viel Zeit mit dem ERS-System, sie entwickeln den Verbrennungsmotor." Deswegen glaubt der Technikchef, dass Renault langfristig zu Mercedes aufschließen wird: "Ob wir Ende nächsten Jahres vorne sind, werden wir sehen, aber es ist machbar. Wir erzielen mehr Fortschritte als sie, aber wir mussten unser Konzept von 2014 überdenken. Diese Antriebe sind sehr komplex. Wir machten im ersten Jahr Fehler und mussten alles neu aufbauen."

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