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  • 11.05.2013 · 13:42

  • von Timo Pape

Teams wünschen sich mehr Gelegenheiten für junge Testfahrer

Aller Anfang ist schwer: Als Formel-1-Testfahrer darf man höchstens mal im freien Training ran - und das auch nur, wenn das Team Kompromisse eingeht

(Motorsport-Total.com) - Freitags während des freien Trainings bekommen immer wieder Nachwuchs- und Testfahrer ihre Chancen auf der Strecke. Da es den Teams oftmals mehr um Testfahrten für die Fahrzeugabstimmung als um Topzeiten geht, kann man die Rookies auf diese Weise bedenkenlos auf die Strecke schicken, um Erfahrung zu sammeln. Allerdings ist es auch eine der wenigen Chancen für Teams und Neulinge, gleichzeitig muss man Kompromisse eingehen.

Pastor Maldonado

Williams hat es vorgemacht: Testfahrer Bottas hat sich als Stammfahrer etabliert Zoom

Nikolas Tombazis, Chefdesigner bei Ferrari, pocht auf eine neue Regelung: "Ich glaube, dass es die aktuellen Testvorgaben sehr schwer für junge Fahrer machen, so richtig Fuß zu fassen. Eine neue Lösung zu finden, wäre eine gute Idee. Ich weiß nicht, ob das während eines Wochenendes funktioniert, solang es nicht beispielsweise der Montag nach dem Rennen ist."

Auch bei Red Bull ist man der Meinung, Rookies brauchen mehr Zeit auf der Strecke. Chefdesigner Adrian Newey sieht die Schwierigkeiten nicht nur in der Formel 1: "Das eigentliche Problem kommt aus den niedrigeren Formelserien, etwa der GP2, wo Erfahrung extrem viel zählt. Da kann können Fahrer meist erst in ihrer dritten oder vierten Saison einen Titel holen, was mir sehr unglücklich erscheint." Vor allem die aktuelle Reifensituation mache es schwierig für junge Fahrer: "Die Reifen halten nur drei oder vier Runden, aber die Jungs müssen Erfahrung sammeln, das verstehen die anderen Formelserien einfach nicht."

" Die jungen Kerle brauchen mehr Zeit im Auto - das ist kurzsichtig." Andrew Green

Die Top-Teams wünschen sich also mehr Spielraum, um ihren Nachwuchs zu testen. Im Mittelfeld sieht es laut Andrew Green, Technikchef bei Force India, nicht viel anders aus: "Wir hätten gern die Möglichkeit, mehr in dieser Richtung zu tun, deshalb hoffen wir auf eine Regeländerung, um junge Fahrer ranzulassen, ohne Kompromisse fürs Wochenende einzugehen. Wir haben im Meeting gestern einen Antrag gestellt, aber ich bin sicher, es wird weiterhin Diskussionen geben. Es ist etwas kurzsichtig, nicht zu merken, dass die jungen Kerle mehr Zeit im Auto brauchen." Green bestätigt darüber hinaus stolz, dass Force India demnächst einen neuen Fahrer vorstellen wird: "Ja, da kommt bald einer durch. Wir haben einen Streckenrekord, wenn es darum geht, junge Fahrer zu bringen - darauf sind wir sehr stolz."


Fotos: Großer Preis von Spanien, Freitag


Auch die Schlusslichter der Formel 1 haben die gleichen Probleme mit den Regularien: "Wir versuchen immer, junge Fahrer im ersten freien Training ranzulassen, aber die Reifen sind momentan das Problem. Für die Jungs ist ein Satz Reifen pro Session vielleicht nicht ausreichend, wir müssten ihnen womöglich mehrere Sätze zur Verfügung stellen", so die Meinung des Marussia-Technikchefs Dave Greenwood. Mark Smith von Caterham stimmt überein: "Wenn wir die Gelegenheit dazu haben, geben wir jungen Fahrern die Chance im ersten freien Training. Es gibt aber zu wenige solcher Gelegenheiten für Neulinge in der Formel 1, um sich einzugewöhnen.

Williams testet aktuell keine neuen Fahrer: "Momentan machen wir das nicht. Bruno (Senna; Anm. d. Red.) hat darunter im letzten Jahr wahrscheinlich ein bisschen gelitten. Gleichzeitig hat es Valtteri (Bottas; Anm. d. Red.) aber unheimlich viel stärker gemacht. Es ist ein schwieriges Thema, ich habe nicht wirklich eine Antwort darauf", gesteht Technikchef Mike Coughlan. Es zeigt sich durch alle Teams hindurch, dass man gern mehr Freiraum für Testfahrer hätte. Besonders für die finanzschwächeren Teams ist der Nachwuchs sehr wichtig. Ob Herr Ecclestone sich die Sache nun noch einmal durch den Kopf gehen lässt, bleibt trotzdem abzuwarten.