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Sepang: Vergnes Melbourne-Show macht Mut

Auch wenn es in Australien nicht für Punkte reichte, sorgte Jean-Eric Vergne für Highlights - In Sepang will Toro Rosso nun mit Ergebnissen glänzen

(Motorsport-Total.com) - Im Toro-Rosso-Duell zwischen Jean-Eric Vergne und Daniel Ricciardo, die beide um das möglicherweise frei werdende Red-Bull-Cockpit an der Seite von Sebastian Vettel 2014 buhlen, steht es nach dem Saisonauftakt in Melbourne 1:0 für den Franzosen. Vergne besiegte den Lokalmatador im Qualifying-Duell um einen Platz und war auch im Rennen der schnellere Mann. Ricciardo hatte zwar das Pech, bei seinem Heimspiel mit kaputtem Auspuff aufgeben zu müssen, doch sein Teamkollege, der als Zwölfter außerhalb der Punkteränge blieb, nützte die Chance für eine tolle Talentprobe: Er fuhr hinter Kimi Räikkönen die zweitschnellste Rennrunde.

Daniel Ricciardo

Toro Rosso will in Sepang zeigen, welches Potenzial im STR8 steckt Zoom

Red-Bull-Juniorteamchef Helmut Marko - ein bekennender Vergne-Fan - zeigte sich gegenüber 'ServusTV' enthusiastisch: "Er war die große Überraschung, denn er war bei seinem letzten Stint hinter Räikkönen der zweitschnellste Mann. Da kann man sich für die Zukunft einiges erwarten."

Vergne: Selbstkritik nach Melbourne-Fehler

Die Zukunft beginnt jetzt - mit dem Grand Prix von Malaysia in Sepang. Doch zuerst analysiert Vergne den zurückliegenden Saisonstart. "Ich habe Australien mit gemischten Gefühlen verlassen", sagt er. "Fangen wir mit den negativen Aspekten an: Wir haben im Laufe des Wochenendes ein paar kleine Fehler gemacht, die unseren Rennausgang etwas beeinträchtigt haben. Ich will niemanden beschuldigen, aber das sind jene Dinge, die wir in den Griff kriegen müssen, wenn wir in dieser Saison unsere Gelegenheiten nutzen wollen."

In Melbourne ging dieser Plan nicht auf: "Ich war am Ende lange Schnellster und hatte die Chance auf Punkte. Ich habe Romain Grosjean überholt, machte später in der Runde aber einen Fehler, und die Chance ist mir entglitten. Ich habe mich sehr über mich geärgert. Die Tatsache, dass ich gegen Romain im schnellen Lotus und gegen Jenson Buttons McLaren gekämpft habe, sagt mir aber, dass wir aus diesem Wochenende durchaus einiges mitnehmen können."

Vergnes große Regen-Show

Vor allem im Regen sorgte Vergne für Begeisterung: "Auf den Regenreifen war ich immer der Schnellste - im dritten Freien Training und in Q1. Als wir auf Intermediates wechselten, war ich immer in den Top-5. So gesehen haben wir bei Regen alle Chancen, fantastische Ergebnisse einzufahren."

Jean-Eric Vergne

Bei Regen eine Macht: Jean-Eric Vergne zeigte in Melbourne auf Zoom

Auf trockener Strecke benötigt der Franzose noch mehr Erfahrungswerte, um ein klares Bild zu erhalten: "Es war in Melbourne etwas schwierig, das richtig einzuschätzen. Wir hatten einen schwachen Freitag, was sich ausgewirkt hat. Ich hoffe wirklich, dass das Auto bei trockener Strecke gut ist, denn sind wir doch ehrlich - es wird nicht die ganze Saison lang regnen."

Doch was ist Vergnes Geheimnis im Regen? "Einige Leute haben gesagt, dass meine Zeiten bei Regen gut waren, und das ist sehr schmeichelhaft", sagt er. "Ich kann aber kaum erklären, warum mein Tempo bei Regen so gut ist. Ich habe mich immer wohlgefühlt. Ein entscheidender Faktor ist es, die Strecke zu lesen, die Bedingungen zu verstehen und zu spüren, wo das Limit ist. Darüber hinaus ist es aber vor allem wichtig, das Auto zu spüren. Ich will nicht geschmacklos sein, aber es geht absolut um den Hintern. Man muss spüren, wie das Auto unter dir rutscht, und dann darauf reagieren. Man muss es spüren, sich einstellen und dann das Tempo finden."

Malaysia-Vorbereitung laut Vergne unmöglich

Vergne sieht sein Team auf dem richtigen Weg: "Wir haben in vielen Bereichen im Vergleich zum Vorjahr einen Schritt nach vorne gemacht, es liegt aber noch Arbeit vor uns. Wir wollen kein gutes Mittelfeldteam sein, sondern das beste, und bei außergewöhnlichen Bedingungen gegen die Topteams kämpfen. Jetzt müssen wir fokussiert bleiben, härter arbeiten, rascher Updates bringen und das Auto verbessern."


Fotos: Toro Rosso, Großer Preis von Malaysia


Mit Malaysia steht nun eine besondere Herausforderung auf dem Programm - der Grand Prix auf dem Sepang International Circuit ist vor allem für sein feucht-heißes Klima gefürchtet, das die Piloten besonders fordert. Der Toro-Rosso-Youngster sieht aber keine Möglichkeiten, sich als Fahrer speziell vorzubereiten: "Ich glaube, dass es irrelevant ist, sich an die Hitze zu gewöhnen. Dafür ist einfach nicht genügend Zeit vorhanden. Es ist hart, aber man muss damit zurechtkommen."

Außerdem glaubt er, dass die wahren Opfer der Hitze nicht die Fahrer, sondern die Mechaniker sind: "Zumindest haben wir den Fahrtwind, der uns etwas kühlt. In der Box ist es aber wirklich heiß. Es ist verdammt heiß, und sie sind bereits seit Dienstag hier und bauen die Autos auf, arbeiten Tag und Nacht. Da haben wir es im Vergleich doch relativ einfach."

Ricciardo weiß, was ihn erwartet

Teamkollege Ricciardo blickt auf ein sehr ereignisreiches Wochenende bei seinem Heimrennen zurück: "Als Australier hatte ich viele Verpflichtungen und war von Dienstag bis Sonntagnacht im Formel-1-Modus. Ich schätze aber, dass alle viel zu tun hatten. Diese Woche ist nun ein totaler Kontrast, denn in Kuala Lumpur ist es ziemlich ruhig."

Daniel Ricciardo

Daniel Ricciardo hat Lachen trotz der Schlappe beim Heimspiel nicht verlernt Zoom

Der "Aussie" weiß, welche Herausforderungen der Sepang International Circuit mit sich bringt: "Ich bin hier mit 16 zum ersten Mal gefahren. Die Formel BMW veranstaltete damals einen Viertagestest, und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich perfekt vorbereitet war. Wenn man die Hitze im Cockpit nicht selbst erlebt hat, weiß man nicht, was es bedeutet, ganz egal, was die Leute sagen. Ich habe sechs Liter am Tag getrunken und war trotzdem fertig."

Die Routine hilft ihm nun: "Wenn man öfter hierher kommt, dann weiß man schon, wie man sich besser vorbereiten kann, es handelt sich aus physischer Sicht dennoch um eines der anstrengendsten Rennen. Man wird hier geprüft - und wenn man nicht vorbereitet ist, dann können die letzten 20 Runden des Grand Prix schwierig werden. Bei unserer aktuellen Rennlänge lässt die Konzentration am Ende nach, wenn man aus physischer Sicht nicht top vorbereitet ist. Das will man um jeden Preis vermeiden, und deshalb hilft nur trainieren, trainieren und trainieren."

Wie Ricciardo Sepang lieben lernte

Wie sein Teamkollege weiß auch Ricciardo, dass eine optimale Vorbereitung aufgrund des engen Zeitplans nicht möglich ist: "Im Idealfall verbringt man vor der Anreise ein paar Tage in der Hitzekammer, aber jetzt müssen wir es halt so nehmen, wie es ist. Ich habe das Glück, dass ich einen Großteil meiner Saisonvorbereitungen in Australien verbracht habe - teilweise bei über 40 Grad. Wir haben zwar nicht die Luftfeuchtigkeit, aber die Hitze kann mich jetzt nicht mehr überraschen. Ich bin mehr als bereit für dieses Rennen."

Ricciardos Meinung über den Kurs hat sich zuletzt geändert: "Da ich so oft hier gefahren bin, muss ich zugeben, dass mich Sepang gelangweilt hat. Das lag aber vor allem daran, dass ich so oft hier war. Jetzt komme ich seltener hier her, und die Begeisterung wird jetzt wieder größer. Im Mittelsektor ist ziemlich viel los - von Kurve 4 bis Kurve 8. Gegen Ende der Runde wird es ziemlich technisch. Es handelt sich vielleicht um den komplettesten 'neuen' Kurs in der Formel 1 - es gibt von allem etwas, und die Strecke ist gar nicht übel."

Jetzt hofft er auf ein besseres Wochenende als in seiner Heimat: "Wir haben in Melbourne keine Punkte geholt, aber positiv war, dass das Renntempo gut war und wir es in die Top 10 schaffen hätten können. Wenn wir auch hier dieses Tempo fahren können und ein besseres Qualifying erleben, dann können wir Punkte holen. Trotzdem hüte ich mich vor Prophezeiungen: Der Albert Park ist einzigartig, und obwohl wir hier nur ein paar Tage später mit den gleichen Autos fahren, heißt das nicht, dass wir hier das gleiche Bild sehen werden. Ich bin aber froh, dass diese zwei Rennen nur durch wenige Tage getrennt sind, denn ich will jetzt endlich in die Gänge kommen."

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