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  • 15.06.2003 · 23:36

Schumacher: "Es war ein hartes Rennen"

Der Montreal-Sieger über seine heutigen Bremsprobleme, die eroberte WM-Führung, das McLaren-Debakel und weitere Themen

(Motorsport-Total.com) - Frage: "Michael, 4,4 Sekunden trennten die ersten vier Fahrzeuge auf der Ziellinie, da war eine Menge Druck, hervorragende Boxenstopps. Kann es noch besser werden?"
Michael Schumacher: "Nein. Das ist das ideale Resultat. Es war ein enges Rennen, sehr hart. Wir mussten sehr sorgfältig mit den Bremsen haushalten und ich konnte nicht durchgehend attackieren. Nur in der Phase der Boxenstopps legte ich ein wenig zu, um mir einen kleinen Vorsprung herauszuarbeiten. Es war wie gesagt ein sehr schwieriges und knappes Rennen mit vier Autos so eng beisammen."

Michael Schumacher

Michael Schumacher hat heute erstmals 2003 die WM-Führung übernommen

Frage: "Du legst keinen großen Wert auf die Statistik, aber du hast jetzt 999 Punkte und führst in der Weltmeisterschaft..."
Schumacher: "Das ist eine schöne Zahl! In Deutschland handhaben wir es so, dass man bei so einer Zahl eine Runde spendieren muss. Mal schauen, was sich da heute Abend ergibt."

Eine Runde mehr Benzin entschied den Grand Prix

Frage: "Gestern hast du gesagt, du möchtest abwarten und schauen, was heute passiert. Ich finde es interessant, dass du praktisch auf derselben Benzinlast warst wie die BMW-Williams-Piloten."
Schumacher: "Ja, beinahe, aber wir hatten ein bisschen mehr drin, was das Rennen zu unseren Gunsten entschieden hat. Es kommt ohnehin nicht drauf an, denn schlussendlich haben wir gewonnen. Auch der Start war sehr gut, denn darüber habe ich mir nach Monaco Sorgen gemacht. Ich kam gut weg, konnte dran bleiben und hatte zum richtigen Zeitpunkt den nötigen Speed. Das hat uns die Führung gebracht. Die Crew, die Mechaniker haben einen tollen Job gemacht und mir beim Boxenstopp die Führung geschenkt."

Frage: "Ralf hing zwei Drittel des Rennens in deinem Heck. Wie schwierig war das für dich?"
Schumacher: "Ich habe im ersten Stint Druck auf Ralf ausgeübt, als seine Reifen ein bisschen körnten. Ich war so nahe, dass ich mich schon auf ein Überholmanöver vorbereitet habe. Es war nur eine kurze Phase, aber in einer Runde hatte er wirklich arge Probleme und da dachte ich, okay, nächste Runde muss ich es versuchen. Dann erholten sich seine Reifen aber wieder und ausgangs der zehnten Kurve war er schnell genug, um vorne zu bleiben. Dann kam ich mit den Bremsen ein bisschen in Probleme und ich konnte nicht mehr voll attackieren, aber aus irgendeinem Grund legten sie während des Rennens wieder zu und deshalb blieb es sehr eng. Schwer zu sagen, wie schnell sie hätten fahren können oder wir, wenn die Bremsen optimal funktioniert hätten. Unterm Strich zählt das Resultat und das spricht für uns, also sind wir sehr glücklich."

WM noch nicht gegessen, noch lange Saison

Frage: "Ist es wichtig, in der Weltmeisterschaft zu führen, wo gerade die zweite Saisonhälfte beginnt?"
Schumacher: "Ja, es ist immer wichtig, in Führung zu liegen und so viele Punkte zu holen, wie man nur kann. Die Saison dauert noch lange, aber das wussten wir von Anfang an und jetzt ist es offensichtlich bestätigt. Es wird ein harter Fight bis zum Ende."

Frage: "Nach dem Qualifying hast du nicht so gewirkt, als könntest du heute das Rennen gewinnen..."
Schumacher: "Naja, weil wir ja nicht wussten, in welche Richtung es sich entwickeln würde. In Monaco waren wir am Donnerstag meilenweit vorne, am Samstag war es dann plötzlich umgekehrt. Auf schmutziger Strecke hatten wir gestern einen Nachteil, aber im ersten Stint des Rennens sah es schon wieder ganz anders aus. Darauf hatte ich gehofft. Ich war schon pessimistisch, hoffte aber natürlich das Beste."

Frage: "Du hast gesagt, du magst diese Strecke nicht unbedingt, hast aber schon sechsmal hier gewonnen. Warum gewinnst du trotzdem hier immer wieder?"
Schumacher: "Es überrascht mich, dass gesagt wird, ich mag diese Strecke nicht. Das habe ich nicht gesagt und ich finde sogar, zum Überholen ist es eine sehr gute Strecke. Ich weiß nicht, wo diese Statements herkommen. Andererseits glaube ich aber, dass es größere Herausforderungen gibt, zum Beispiel Suzuka und Spa. Was der Grund dafür ist, warum ich hier verglichen mit anderen Strecken immer gut abschneide? Ich habe keinen Schimmer. Normalerweise sind eher schnelle Kurven mein Terrain, Strecken wie Suzuka und nicht solche Stop-and-Go-Kurse. Wahrscheinlich hängt es mit meinem guten Auto zusammen."

999 Punkte: "Das wird teuer für mich!"

Frage: "Weil du heute Abend wegen der 999 Punkte einen ausgibst, wollte ich dich daran erinnern, dass es viele Journalisten gibt, die auch am Abend unterwegs sein werden..."
Schumacher: "Die sehen aus, als würden sie eine Menge trinken ? das wird teuer für mich!"

Frage: "Das kann sein. Es hieß immer wieder, dass die Formel 1 nicht mehr umkämpft genug ist, aber heute haben wir ein sehr spannendes Rennen gesehen, nicht wahr?"
Schumacher: "Es liegt in der Natur des Sports, dass er nicht vorhersehbar ist. In all den Jahren haben wir das in vielen, vielen Sportarten miterlebt. In der Formel 1 ist das nicht anders. Manchmal gibt es ganz eindeutige, manchmal sehr umkämpfte Rennen, aber wie gesagt, das ist eben Sport."

Frage: "Wie siehst du das McLaren-Desaster an diesem Wochenende?"
Schumacher: "Ich habe Kimi aus der Box fahren sehen, er hatte angeblich ein Problem mit dem Reifen. Dass er trotzdem Sechster geworden ist, ist ehrlich gesagt gar nicht schlecht. Nachdem sie mir gesagt haben, dass er ein Problem mit dem Reifen hatte, hätte ich ihn nicht mehr in den Punkten erwartet."

Schumacher fürchtet Räikkönen als schärfsten Gegner

Frage: "Siehst du nach den letzten beiden Rennen Williams als Hauptkonkurrenz oder weiterhin McLaren?"
Schumacher: "Wenn man die Saison analysiert, gibt es Strecken, die dem einen Team besser liegen als dem anderen, aber es ist mit beiden Teams sehr knapp. Hinsichtlich der Punktesituation ist Kimi natürlich näher an uns dran."

Frage: "Heute waren am Ende vier Autos knapp beisammen, aber niemand konnte überholen. Ist das ein spezifisches Problem dieser Strecke oder ein genereller Trend in der Formel 1?"
Schumacher: "Diese Autos sind so konkurrenzfähig und so ähnlich schnell, da war es nicht möglich, jemanden zu überholen."