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Saubers Talentschuppen: "Wir sind anders"

Peter Sauber fragt sich, was Fernando Alonso in einem seiner Autos anstellen würde, und spricht über seine Gabe, junge Formel-1-Talente auszubilden

(Motorsport-Total.com) - Kimi Räikkönen (2001), Felipe Massa (2002), Kamui Kobayashi (2010) und Sergio Perez (2011): Die Liste der Talente, die Peter Sauber in die Formel 1 gebracht hat oder die ohne ihn keine Zukunft gehabt hätten, ist lang. "Das machen wir nicht mit Absicht, aber es macht Freude", sagt der Teamchef über den langjährigen Ruf seines Rennstalls, ein ideales Pflaster für junge Fahrer zu sein (Datenbank: Alle bisherigen Sauber-Piloten in der Übersicht!).

Peter Sauber und Sergio Perez

Teamchef Peter Sauber umarmt sein neues Supertalent Sergio Perez Zoom

Dabei sieht er sich selbst "überhaupt nicht" als Scout, der aktiv auf die Suche nach Talenten geht: "Wir haben nie Fahrer gesucht", stellt Sauber klar. "Auch bei Sergio nicht. Telmex kam zu uns, weil sie für Sergio einen Platz gesucht haben. Die waren bei allen Teams hier. Dann kamen sie zu uns, weil wir diesbezüglich einen guten Namen haben. Wo der Unterschied zu anderen Teams sicher da ist: Ein junger Fahrer findet bei uns ein anderes Umfeld als in einem anderen Team. Das hilft ihm ganz sicher, sich besser zu entwickeln."

Sauber war einmal ein Siegerteam

"Wir sind schon anders als die englischen Teams", räumt der Schweizer ein. "Man macht uns ab und zu den Vorwurf, dass wir gar nicht gewinnen wollen. Man vergisst dann gern, wie viel wir früher gewonnen haben. Bei Mercedes war man nicht glücklich, wenn man nicht alle Rennen gewonnen hat. Eins pro Jahr durften wir verlieren. Wir wissen schon, wie gewinnen ist - wir haben das nicht vergessen."

Peter Sauber, Michael Schumacher, Karl Wendlinger und Heinz-Harald Frentzen

Peter Sauber mit seinem legendären Juniorteam in der Sportwagen-WM Zoom

Was viele übersehen: Sauber war in der damaligen Sportwagen-WM als Mercedes-Werksteam mit dem legendären Juniorteam Schumacher/Frentzen/Wendlinger das Maß aller Dinge und konnte 2008 beim Grand Prix von Kanada unter der Eigentümerschaft von BMW auch in der Formel 1 einen Doppelsieg erringen. Es sei also durchaus eine Siegermentalität vorhanden: "Dieser Wille ist da, nur wird er einfach nicht so demonstrativ gezeigt. Das ist ja auch nicht nötig", findet der 68-Jährige.

"Es gibt natürlich erfolgreiche englische Teams, die wollen keine Rookies", zeigt er einen Unterschied auf. "Ron Dennis hat ein einziges Mal diesen Schritt gemacht. Hamilton wurde von ihm groß gezogen - und das hat funktioniert. Ob das dann auch immer funktioniert, das wird die Zukunft zeigen, aber damals hat es funktioniert. Früher haben die nur die Besten genommen, am liebsten zwei zusammen, wie mit Prost und Senna."

Button: Kein Verständnis für Frank Williams

"Bei Frank Williams war es genau das Gleiche", erinnert sich Sauber. "Williams hatte einmal ein großes Talent, aber das hat er nach einem Jahr wieder weggeschoben (Jenson Button nach der Saison 2000; Anm. d. Red.). Da habe ich nur den Kopf geschüttelt. Diese zwei Teams waren sehr erfolgsverwöhnt. Bei denen haben die guten Fahrer angeklopft. Das tun sie ja bei uns nicht. Von daher waren wir gezwungen, Talente zu finden."


Nur viermal nahm Sauber Grand-Prix-Sieger (Johnny Herbert 1996, Jean Alesi 1998, Heinz-Harald Frentzen 2003 und Giancarlo Fisichella 2004) unter Vertrag, einmal sogar einen Weltmeister (2005): "Einen Star hatten wir mal bei uns, Jacques Villeneuve", blickt er zurück. "Der ist für das gefahren, was wir ihm offeriert haben. Aber das war der einzige Weltmeister, der bei uns gefahren ist - und das im fortgeschrittenen Alter. Es sind nicht einmal primär die Kosten, sondern es ist einfach so, dass ein Alonso nicht bei uns anklopft."

Was könnte Alonso im Sauber anstellen?

Wie gut Sauber mit einem Megastar wie Fernando Alonso aussehen würde, der in Malaysia sogar im hoffnungslos unterlegenen Ferrari vor Sauber-Pilot Sergio Perez gewonnen hat? "Keine Ahnung, aber diese Frage mussten wir uns in der Vergangenheit immer wieder stellen: Wo wäre unser Auto mit einem Topfahrer? Das ist keine Kritik an unseren Fahrern, denn bei Sergio und Kamui ist das Talent vorhanden. Aber sie sind noch sehr jung und es fehlt ihnen natürlich an Erfahrung."

Jacques Villeneuve (Sauber-Petronas C24)

Jacques Villeneuve war 2005 der einzige Weltmeister im Sauber-Stammcockpit Zoom

"Schwer zu sagen, wie gut die Fahrer sind, aber die Frage stellt man sich immer", gesteht der Schweizer. "Wenn ich zum Beispiel sehe, was Alonso mit dem Ferrari macht: Ich glaube nicht, dass Felipe so schlecht ist, sondern Alonso ist einfach sehr gut. Er kämpft bis zur letzten Runde." Allerdings scheint sich gerade Perez als neues Supertalent herauszukristallisieren - also ein junger Fahrer, dem trotz der Telmex-Millionen kaum jemand eine Chance gegeben hätte.

Sauber schon - und er ist stolz darauf: "Es ist ja kein Zufall, dass das immer wieder funktioniert", betont er. "Auch Kamui hätte kein Mensch eine Chance gegeben. Kamui habe ich ausgesucht, aber die anderen wurden uns angeboten. Aber da musste man natürlich ja sagen. Bei Perez hat man immer über einen Paydriver gesprochen. Das ist natürlich ein Witz. Wir hätten ihn nicht genommen, wenn wir nicht von ihm überzeugt gewesen wären."

Sauber: Perez kein Ferrari-Fahrer

Jetzt scheint auch Ferrari von Perez überzeugt zu sein - angeblich hat die Scuderia schon bei Monisha Kaltenborn angefragt. Perez hat bekanntlich im vergangenen Jahr schon einen Formel-1-Ferrari getestet und ist Mitglied der Ferrari-Nachwuchskademie unter der Leitung von Luca Baldisserri. Aber: "Wir haben seit 15 Jahren ein exzellentes Verhältnis zu Ferrari, aber das hat mit Sergio nichts zu tun. Sergios Status bei Ferrari wird maßlos überbewertet", sagt Sauber.


Fotos: Sauber, Großer Preis von Malaysia, Sonntag


Dass die Fahrer in der Formel 1 heutzutage immer jünger werden, obwohl sie vielleicht besser noch ein paar Jahre Erfahrungen sammeln sollten, stört ihn indes nicht: "Ich habe mir diese Frage nie gestellt, denn in allen Sportarten werden die Sportler immer jünger. Die können ja nicht alle vier oder fünf Jahre GP2 fahren. Wenn ich an Kimi zurückdenke, war er auch sehr jung, aber er hat von Anfang an funktioniert", gibt Sauber zu Protokoll.

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