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Roland Ratzenberger: Eine bislang unveröffentlichte Momentaufnahme

27 Jahre nach seinem Tod ist ein unveröffentlichtes Foto von Roland Ratzenberger aufgetaucht - Peter Levay erzählt in einem Gastbeitrag die Geschichte dazu

(Motorsport-Total.com) - 27 Jahre sind bereits vergangen, seit Imola 1994, dem schwärzesten Wochenende in der neueren Geschichte der Formel 1. Neben Ayrton Senna starb am Tag zuvor der Österreicher Roland Ratzenberger. Immer noch tauchen - auch nach so vielen Jahren - bislang unveröffentlichte Bilder im Internet auf. So auch eines des Journalisten Tomas Hyan.

Roland Ratzenberger in Imola 1994

Dieses Foto von Roland Ratzenberger hat Peter Levay im Internet gefunden Zoom

Es war eher zufällig, dass ich dieses Foto auf Facebook gefunden habe. Hin und wieder gebe ich den Namen "Roland Ratzenberger" ein und mache mich auf die Suche nach Beiträgen von Fans aus aller Welt, und berichte dem Vater Rudolf Ratzenberger über deren ungebrochene Bewunderung für seinen Sohn.

Seit fast sieben Jahren sind wir eng befreundet, und ich helfe ihm, das Andenken an Roland in Ehren zu halten.

Ich habe dieses Bild entdeckt. Es erzählt wahrlich viel über das Rennwochenende von Imola und über die Hoffnung, die Roland Ratzenberger hatte, sich in der Formel 1 zu etablieren.

Das Foto entstand am Donnerstag um die Mittagszeit. Roland Ratzenberger steigt gerade aus seinem Porsche aus, der rechte Fuß ist noch im Auto, den Schlüssel hält er in seiner Hand und er schaut grimmig. Eher untypisch für ihn.

Die meisten Weggefährten erinnern sich an Roland als einen freundlichen, immer lächelnden Menschen. Auf dem Foto ist das ist wohl der Tatsache geschuldet, dass er nicht darauf vorbereitet war, dass ihn jemand fotografiert.

Es war Tomas Hyan aus Tschechien, der seinen ersten Arbeitstag als Formel-1-Journalist genau an diesem Donnerstag, genau in Imola 1994, hatte und - so hat er es mir erzählt - einfach fotografiert hat, was ihm vor die Linse kam. "Ich wusste nur, dass Ratzenberger ein Neuling war und bei Simtek fuhr, mehr auch nicht."

Doch wer Roland und seine Geschichte kennt, dem erzählt das Foto weitaus mehr.

Beginnen wir mit dem Auto, aus dem Roland aussteigt. Es ist ein Porsche 964, Baujahr 1990, mit monegassischem Kennzeichen. Roland Ratzenberger fuhr vor seinem Einstieg in die Formel 1 sehr erfolgreich Sportwagen in Japan. Dort verdiente er gutes Geld. Von seinem ersten großen Sieg bei einem Langstreckenrennen in Fuji kaufte er sich dieses Traumauto. Die Erfüllung eines seiner drei großen Lebensträume.

Der zweite war die Formel 1 und der dritte eine Wohnung in seiner Heimatstadt Salzburg. Auch diesen hat er sich erfüllen können. Eine Woche vor diesem Foto bekam Roland die Schlüssel für diese Wohnung in Salzburg, in der heute seine Eltern leben. Im Keller sind Erinnerungsstücke. Auch das Polohemd, welches er auf dem Foto trägt.

Dass Roland zuletzt in Monaco gelebt hat, führte dazu, dass er nicht alleine nach Imola gefahren ist. Auf dem Foto verdeckt er seinen Beifahrer, den damaligen Teamkollegen von Michael Schumacher, J.J. Lehto. Er war ein guter Freund, den er aus Formel-Ford-Zeiten kannte.

Lange fuhr Roland Ratzenberger dort. Er schraubte bei Walter Lechners Rennfahrerschule, um die Möglichkeit zu bekommen, Rennen zu fahren. Ein langer, beschwerlicher Weg, der nun für ihn begann. Ohne Geld, ohne Sponsoren, aber eben mit einer freundlichen Art. Immer ein Lächeln auf den Lippen, das ihm viele Türen öffnete. Der Gesichtsausdruck auf dem Foto ist deshalb untypisch für den Österreicher.

Ich möchte noch einmal auf das Polohemd zurückkommen. Das M-TV-Logo verrät noch ein Detail: Roland Ratzenberger war eine Zeit lang in England und gewann eines der wichtigsten Rennen in der Nachwuchsklasse: Das Formel-Ford-Festival 1986. Durch seinen Spitznamen "Roland RAT", war er in England sehr beliebt, und so wollte der britische Musiksender M-TV das Simtek-Team sponsern. Ein Sympathiebeweis für Ratzenberger.


Ratzenberger: Emotionales Video zum 27. Todestag

Filmemacher Peter Levay hat zum 27. Todestag von Roland Ratzenberger ein emotionales Video gestaltet und Weggefährten zu Wort kommen lassen. Weitere Formel-1-Videos

Über viele Umwege führte sein Weg doch in die Formel 1, wo er im Paddock von Imola seinen Porsche an jenem Donnerstag parkte. Im Hintergrund erkennt man rechts eine Tribüne, an der Agip-Flaggen im italienischen Frühlingswind wehen. Dort saßen an jenem Wochenende Zuschauer, die unmittelbare Zeugen des Unfalls von Rubens Barrichello waren.

Der erste (glimpflich verlaufene) Horrorunfall des Wochenendes. Da war die Formel-1-Welt noch in Ordnung. Der weitere, tragische Verlauf des Rennwochenendes ist nicht nur Motorsportfans bekannt ...

Die grüne Absperrung, an der Roland Ratzenberger seinen Porsche parkte, zäunte den Landeplatz des Erste-Hilfe-Hubschraubers der Rennstrecke ein. Man erkennt deutlich das Heck und ein Rotorblatt. Daneben stand damals das Medical Center.

Dies ist der Grund, weshalb mich dieses Foto von Tomas Hyan sehr nachdenklich stimmt. Denn es zeigt Roland Ratzenberger an jenem Ort, an dem sein Imola-Wochenende voller Hoffnung begann. Und leider auf tragische Weise endete.

Hinweis der Redaktion: Peter Levay hat anlässlich des 27. Todestages von Roland Ratzenberger auch ein emotionales Video gestaltet, das auf seinem YouTube-Kanal erstveröffentlicht wurde. Seinen Dokufilm "Roland Ratzenberger - Der lange Weg zum kurzen Glück" gibt's weiterhin auf Amazon Prime Video zu sehen.

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