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Rente in Sicht: Für diese Topfahrer schlägt es fünf vor zwölf

Wird Jenson Button zum Rekordjäger, Fernando Alonso zur Lachnummer oder Kimi Räikkönen zum Alleinunterhalter? Oder gehen alle Top-Fahrer auf einmal...

Liebe Leser,

Fernando Alonso, Jenson Button, Felipe Massa, Kimi Räikkönen

Fernando Alonso, Jenson Button und Co. müssen sich demnächst warm anziehen Zoom

Fernando Alonso bevorzugt den Feierabend im Campingstuhl. Kimi Räikkönen wechselt Windeln, statt im Gorilla-Kostüm Schneemobil zu fahren. Und Jenson Button steht vor der Strafversetzung zurück auf den Heiratsmarkt. Die Formel-1-Dinosaurier werden immer trauriger und stehen permanent vor dem Rücktritt. Vor der Saison 2016 stellt sich die Frage: Wie lange kann die Generation Ü30 ihre Fahne vor der jüngeren Konkurrenz noch hoch halten?

"Wir stehen vor einer Situation, die es so schon lange nicht mehr gegeben hat", wittert der bei McLaren abgesägte Kevin Magnussen gegenüber dem dänischen 'Ekstra Bladet' seine Chance. "Mehrere Fahrer könnten die Formel 1 verlassen. Da ist es wahrscheinlich ratsam, nah dran zu bleiben." Der Nachwuchs scharrt bereits mit den Hufen, während diese Altfahrer über ihren Rentenanträgen brüten:

Kimi Räikkönen: Von der Ikone zum Wasserträger

Der Mythos um den "Iceman" schmilzt. Der Weltmeister von 2007 konnte nach seiner Rallye-Pause mit Lotus noch Akzente setzen. Bei Ferrari ist er nun zum Nummer-2-Fahrer verkommen. Damit hat er sich einem Schicksal ergeben, das schon vielen nach der Vertragsunterzeichnung in Maranello widerfahren ist und das die wenigsten umkehren konnten. Was er gegen Alonso nicht geschafft hat, wird ihm in naher Zukunft auch gegen Sebastian Vettel nicht gelingen.


Fotostrecke: Karriere-Meilensteine: Kimi Räikkönen

Schon seine Vertragsverlängerung für die bevorstehende Saison überraschte. Ein weiteres Jahr in der Rolle des Wasserträgers, der nur noch in der Funkverkehr-Unterhaltung für regelmäßige Spitzenplätze sorgen kann, scheint noch unwahrscheinlicher.

Jenson Button: Im dritten Rosenkrieg zur endgültigen Scheidung?

Auf ein undankbares Geduldsspiel 2014 folgte ein Verhandlungsmarathon 2015. Die Klärung der Frage, ob Button noch ein Jahr an seine jetzt schon lange Formel-1-Karriere hängt, zieht sich von Jahr zu Jahr länger hin. Da kann man ruhig auch schon jetzt damit beginnen.

Jenson Button

Jenson Buttons Titel-Triumpf liegt bereits sechs Jahre zurück Zoom

Button sind schwierige Zeiten aus seiner BAR-Honda-Ära durchaus bekannt. Nachdem er aber zehn Jahre auf seinen Durchbruch mit dem Titel 2009 gewartet hat, dürfte auch der seit 2012 sieglose Brite die Rechentafel rausholen. In diesem Monat feierte er seinen 36. Geburtstag. Womöglich schielt er noch auf den Rekord von 324 Grands Prix, der derzeit noch von Rubens Barrichello gehalten wird. Dazu müsste er die Saison 2017 aber noch mitnehmen.

Dafür spricht: So schnell sich Button zu einer Scheidung entschließen konnte, so schwer fällt ihm der Abschied von der Königsklasse. Bleibt nur zu hoffen, dass er den Fans ein erneutes "Bleibt er oder geht er"-Drama erspart.

Felipe Massa: Schon jetzt für Nachwuchs gesorgt

Auch der Brasilianer ist im besten Austrittsalter und steht vor seiner 14. Formel-1-Saison. Ob er dem Titeltraum noch einmal so nah kommt wie 2008 vor heimischem Publikum, ist zu bezweifeln. Immerhin hat er nicht nur mit seinem Comeback nach dem Sprungfeder-Drama 2009 beeindrucken können, sondern es auch aus der Wasserträger-Rolle bei Ferrari wieder auf eigene Füße geschafft - er könnte erhobenen Hauptes gehen.

Für seine Nachfolge hat er auch bereits gesorgt. Felipe Junior ist mit seinen fünf Jahren zwar gerade erst ins Kart gestiegen, im Fahrerlager ist er aber bereits zum Medien-Profi ausgewachsen - Paraden-Winken und Interviews geben inklusive. Die 13 Jahre bis zum Formel-1-Einstieg-fähigen Alter seines Sprösslings wird Massa höchstwahrscheinlich nicht mehr warten. Über einen Abschied Ende dieses Jahres hat er bereits selbst nachgedacht.

Fernando Alonso: Lieber in die GP2 als noch eine Blamage

Für einen zweimaligen Weltmeister, dem der Kragen schon beim ersten McLaren-Versuch platzte und der auch Ferrari nicht nur mit blütenreiner Wäsche verlassen hat, ist Alonso im vergangenen Jahr noch verhältnismäßig ruhig geblieben - einmal abgesehen von provokanten Funksprüchen und in Szene gesetzten Sonnenbädern. Aber vom temperamentvollen Spanier erwartete man 2015 nicht ohne Grund eine plötzliche Flucht oder mindestens ein Jahr Pause.


Fotostrecke: #PlacesAlonsoWouldRatherBe

Sollte auch in der bevorstehenden Saison kein Siegertreppchen in Sicht sein, muss schon Mercedes locken, um den 34-Jährigen bei Laune zu halten. Auf einen Ruf als Altweltmeister, der den Großteil seiner Karriere seiner dritten Chance hinterherjagt, wird er nicht hinarbeiten.

In den Startlöchern

Kevin Magnussen achtlos rausgeworfen, Stoffel Vandoorne nur auf der Ersatzbank, Jolyon Palmer erst nach langem Anlauf im Stammcockpit... die Liste der Talente, die sich längst um einen festen Platz in der Formel 1 verdient gemacht haben, ist lang. Die Plätze unter den vermeintlich besten Rennfahrern der Welt sind begrenzt. In naher Zukunft könnten sich die Reihen jedoch lichten. Für die bevorstehende Saison sind nur die Cockpits bei Manor noch nicht vergeben. 2017 könnte das große Rotieren aber bereits beginnen.

Ihre,

Rebecca Friese