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Rennvorschau Monaco: Mercedes muss auf die Angststrecke

Warum Mercedes nach vier Monaco-Siegen in Serie droht, unter die Räder zu kommen, Ferrari klarer Favorit ist und für Daniel Ricciardo ein Triumph gerade recht käme

(Motorsport-Total.com) - Zwei Siege hintereinander im Rücken, vier Erfolge in Serie bei den vergangenen Grands Prix in Monaco: Eine bessere Ausgangssituation könnte sich Mercedes vor dem Klassiker schlechthin kaum wünschen. Dennoch geht beim Weltmeisterteam die Angst um. Grund dafür ist der Radstand des F1 W08, der in den engen Häuserschluchten des Fürstentums zum Spielverderber werden könnte.

Lewis Hamilton

Der lange Randstand könnte Mercedes einen Strich durch die Rechnung machen Zoom

"Unser Auto ist länger, also weiß ich nicht, wie ich es in Monaco durch einige dieser sehr engen Kurven kriegen werde", meint Lewis Hamilton, der an der Cote d'Azur bereits zwei Mal siegte. Wie wichtig ihm ein dritter Triumph ist? "Klar möchte ich gewinnen", sagt er. Vor allem gehe es aber darum, in der WM konstant Topleistungen zu bringen - derzeit fehlen ihm im WM-Klassement nur sechs Punkte auf Leader Sebastian Vettel.

Tatsächlich ist der Mercedes mit seinen 3,76 Metern Radstand der längste Bolide im kompletten Feld. Hauptkonkurrent Ferrari befindet sich diesbezüglich im Durchschnitt: Der Radstand des SF70H ist 166 Millimeter kürzer als der des F1 W08. Warum es sich die Italiener leisten konnten, kürzer zu bauen? Weil sie durch ihren Trick, die vom Reglement vorgegeben V-Form der Seitenkästen zu umgehen, Platz sparen und trotzdem genügend Spielraum zwischen Vorderachse und Seitenkästen haben, um die für eine optimale Anströmung des Hecks nötigen Wirbel zu produzieren.

Mercedes schöpft aus Sektor 3 in Barcelona Hoffnung

"Unser Auto ist länger, also weiß ich nicht, wie ich es in Monaco durch einige dieser sehr engen Kurven kriegen werde." Lewis Hamilton

Auch Toro-Rosso-Technikchef James Key sieht im langen Radstand einen Nachteil: "Kürzere Autos sind in langsamen Passagen etwas wendiger und daher wünscht man sich auf Strecken wie Singapur, Ungarn und vor allem Monaco ein kürzeres Auto." Dass auch der Force India so lang ist, dürfte unter anderem am Mercedes-Getriebe liegen, das auch die indische Truppe einsetzt. Denn der Williams ist mit seinen 3,554 Metern Radstand das kürzeste Auto im Feld - er verfügt zwar auch über die Antriebseinheit aus Brixworth, aber über ein eigenes Williams-Getriebe.

Trotz der schwierigen Ausgangssituation gibt es für Mercedes einen Hoffnungsschimmer: In Barcelona waren Hamilton und Bottas im dritten Sektor, der von der engen Schikane geprägt wird, durchaus konkurrenzfähig. Ob dies auch in Monaco gelingen wird, muss sich aber erst zeigen.

Vorteil Ferrari: Pirelli korrigiert Reifendruck

Sebastian Vettel, Lewis Hamilton

Die Ausgangssituation im Spitzenduell spricht diesmal klar für Vettel Zoom

Zumal man auch noch einen weiteren Dämpfer hinnehmen muss: Pirelli korrigierte den erlaubten Reifendruck dieses Mal schon vor dem Wochenende nach unten - und zwar von 19/18 psi vorne und hinten auf 17/16,5 psi. Mercedes stand im Verdacht, die Werte zu beeinflussen, indem man Pirelli im Vorfeld des Wochenendes falsche Daten lieferte. Der Mercedes kommt bekanntlich mit höheren Reifendrücken besser zurecht als der Ferrari.

Hochspannung wird es in Monaco wie jedes Jahr bereits am Samstag im Qualifying geben: Bei keinem Rennen ist die Startaufstellung so wichtig wie im Fürstentum. Dieses Jahr vielleicht sogar noch eine Spur wichtiger als sonst, denn Überholmanöver werden durch die breiteren Autos noch schwieriger sein als in den vergangenen Jahren. Schon vor der Saison prophezeite Renault-Pilot Nico Hülkenberg gegenüber 'auto motor und sport': "In Monte Carlo wirst du jetzt gar nicht mehr überholen können. Du fährst mit den breiten Autos einfach mitten in der Straße, und das war?s."

Überholen noch schwieriger als sonst

Und auch die Reifen werden vermutlich ihren Beitrag dazu leisten, dass kaum überholt wird: Man darf davon ausgehen, dass es theoretisch sogar mit den Mischungen Ultrasoft und Supersoft möglich sein würde, die komplette Renndistanz zurückzulegen, müsste man keine zweite Reifenmischung einsetzen. "Für Monaco ist wohl selbst der Ultrasoft-Reifen zu hart", bestätigt Haas-Pilot Kevin Magnussen. "Den Soft werden wir wohl nicht mehr brauchen und selbst der Supersoft dürfte zu hart sein."

Das zeigt sich auch in der Reifennominierung der Piloten, die von der Ultrasoft-Mischung geprägt wird und ab Monaco von Pirelli freigegeben wurde. Ein Stopp gilt als logische Strategie - durch den geringen Reifenabbau dürfte der Unterschied zwischen den Mischungen sehr gering ausfallen, was Zweikämpfe noch schwieriger macht. Die Position auf der Strecke ist somit Trumpf.

Auch mit Regenchaos ist aus aktueller Sicht nicht zu rechnen: Die Prognose besagt, dass die Quecksilbersäule an allen Tagen bis zur 23-Grad-Marke nach oben klettern wird, die Regenwahrscheinlichkeit ist gleich Null. Nicht unwahrscheinlich sind allerdings Safety-Car-Phasen: Bei den vergangenen fünf Ausgaben in Monaco musste Bernd Mayländer noch jedes Mal ausrücken.

Red Bull will Rechnung aus Vorjahr begleichen

Interessant wird, ob ein Überraschungsteam in den Kampf zwischen Mercedes und Ferrari eingreifen kann. Heißester Tipp dafür ist Red Bull. Das Leistungsdefizit, das auf 50 PS geschätzt wird, zählt in Monaco nicht mehr, da es ohnehin kaum Geraden gibt. Und mit dem Barcelona-Update verkürzte die österreichische Mannschaft mit Sitz in Milton Keynes auf etwas mehr als eine halbe Sekunde. Weitere Teile folgen in Monaco.

Lewis Hamilton, Daniel Ricciardo

Im Vorjahr verpasste Daniel Ricciardo einen sicher geglaubten Sieg Zoom

Im Vorjahr hinderte nur ein verpatzter Boxenstopp Daniel Ricciardo an seinem ersten Saisonsieg. Kein Wunder, dass der "Aussie" top-motiviert ist: "Ich bin alt und reif genug, das Vorjahr hinter mir zu lassen und nach vorne zu schauen. Und um mir zu holen, was ich im vergangenen Jahr verloren habe", stellt er Siegansprüche. Und ist zu Scherzen aufgelegt: "Wir müssen vielleicht Boxenstopps vermeiden." Ein Erfolg wäre auch in Sachen Timing optimal, denn bei den vergangenen Rennen erwies sich Teamkollege Max Verstappen als stärker.

Auch der Niederländer hat mit Monaco eine Rechnung offen. Im Vorjahr war er zwar schnell, aber vor allem fehleranfällig, was in den engen Häuserschluchten besonders heikel ist. Und auch bei seiner Premiere vor zwei Jahren im Toro Rosso beendete er sein Rennen vorzeitig mit einem wilden Abflug in der ersten Kurve. Laut eigenen Angaben hat er aus den Fehlern gelernt und will vor allem ins Ziel kommen: "Das ist mein Masterplan."

Williams droht erneut Monaco-Debakel

Während der Force India in Monaco möglicherweise unter dem langen Radstand leidet, ist der Williams zwar das kürzeste Auto, es mangelt allerdings wegen der Aerodynamik-Philosophie, die eher auf schnelle Kurse ausgerichtet ist, an Abtrieb. Aus diesem Grunde grenzten Leistungen in den vergangenen Jahren manchmal an ein Debakel. "Monaco war in der Vergangenheit oft keine gute Strecke für Williams", bestätigt Felipe Massa. "Die Autos mögen jetzt ganz andere sein, aber in den Vorjahren war es für uns dort immer furchtbar, einfach wird es aber bestimmt auch dieses Jahr nicht."


Fotostrecke: Triumphe & Tragödien in Monaco

Und für Rookie Lance Stroll, der schon auf dem Straßenkurs in Melbourne laut eigenen Angaben bewusst nicht ganz ans Limit ging, werden die Mauern in Monaco noch eine viel größere Bedrohung und sicher die größte Herausforderung der Saison.

McLaren auch ohne PS-Nachteil chancenlos?

Jenson Button

Button ersetzt Alonso, ohne einen Meter im neuen McLaren gefahren zu sein Zoom

Nicht unterschätzen sollte man Nico Hülkenbergs Renault in Monaco: Der gehört zwar auch zu den längeren Autos im Feld, ist aber tendenziell im Qualifying stark, was im Fürstentum besonders wichtig ist, außerdem kommt der Bolide mit den weichsten Reifenmischungen am besten zurecht - und die werden nun eingesetzt. Aber auch Toro Rosso macht sich für Monaco Hoffnungen, weil der Motor keine so große Rolle spielt. "In Monaco haben wir definitiv die Chance auf Q3", glaubt Carlos Sainz.

Für Spannung sorgt auch das überraschende Formel-1-Comeback von Jenson Button, der bei McLaren Indy-500-Tourist Fernando Alonso ersetzt. Der Papierform nach hat McLaren wohl auf keiner anderen Strecke in diesem Jahr so gute Chancen, für eine Überraschung zu sorgen. Startplatz sieben in Barcelona durch Alonso gibt Hoffnung, zumal in Barcelona der zweite Teil des großen Updates kommt.

Doch es gibt auch Gewitterwolken bei McLaren - und die kommen wenig überraschenderweise aus Japan: Button droht beim nächsten Wechsel von Turbolader und MGU-H eine Gridstrafe, die in Monaco besonders bitter ist. Und Teamkollege Stoffel Vandoorne wird wegen seiner Kollision mit Massa sowieso um drei Startplätze zurückversetzt.

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