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  • 18.07.2014 · 21:17

  • von Dieter Rencken & Roman Wittemeier

Renault legt nach: Strafen drohen

Renault arbeitet an der Verbesserung der Leistung der Antriebe, gleichzeitig drohen für zwei Partnerteams erste Strafen aufgrund des Verlusts von Komponenten

(Motorsport-Total.com) - Die Renault-Verantwortlichen haben die Trainings zum Grand Prix von Deutschland in Hockenheim am Freitag mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet. Einerseits stellte sich heraus, dass das neueste Software-Update den gewünschten Effekt bringen könnte, auf der anderen Seite verlor man im Fahrzeug von Kamui Kobayashi (Caterham) vermutlich wichtige Komponenten wegen eines Feuers. Dem Japaner drohen nun erste Strafversetzungen, weil er sein Kontingent an Antriebsteilen bald verbraucht hat.

Kamui Kobayashi

Der Caterham von Kamui Kobayashi musste am Freitag gelöscht werden Zoom

"Es war ein Leck im Treibstoffsystem. Wir müssen uns das genau anschauen. Weil so ziemlich alles gebrannt hat, ist es aber schwierig, das Problem genau zu lokalisieren", schildert Renault-Einsatzleiter Remi Taffin nach einem Blick auf den Ausfall des Japaners. "Einige Komponenten werden wir noch verwenden können, aber einige andere sind zu sehr verschmort. Zum Glück war es ein Motor, der ohnehin am Ende der Laufzeit war."

"Er wird den Motor aus Silverstone im Auto haben. Der ist noch nicht alt", sagt Taffin über die Umbauten am Kobayashi-Caterham. Womöglich kommt der Japaner um eine Strafe noch einmal herum. Lange wird es aber nicht mehr gut gehen. "Sehr wahrscheinlich. Es wird bestimmt Strafen geben", sagt der Renault-Verantwortliche. Bei Kobayashi ist die Situation noch überschaubar. Er hat von nahezu allen Komponenten der "Power Unit" noch zwei neue Bauteile als Ersatz. Dramatisch stellt es sich bei den Autos von Lotus und Toro Rosso dar.

Manche Fahrer stehen vor Strafversetzungen

Vor allem Pastor Maldonado agiert am Rande einer Strafversetzung. Der fünfte Turbolader ist im Einsatz, der fünfte V6-Motor, der jeweils fünfte Generator (MGU-H und MGU-K). Einzig auf Elektronikseite hat der Venezolaner noch etwas Spielraum. Bei Teamkollege Romain Grosjean ist derzeit der letzte frische Turbolader im Einsatz, bei Jean-Eric Vergne die fünfte MGU-K und bei dessen Toro-Rosso-Teamkollegen Daniil Kwjat zusätzlich auch noch der fünfte Verbrennungsmotor.

Remi Taffin

Remi Taffin erwartet große Fortschritte mit den Renault-Formel-1-Antrieben Zoom

Der nächste Wechsel des V6-Motors bedeutet beispielsweise im Falle von Kwjat nicht zwangsläufig eine Strafversetzung, denn das Team des Russen könnte theoretisch ein gebrauchtes Triebwerk aus dem erlaubten Kontingent einbauen. Aber irgendwann kommt das sechste Bauteil - früher oder später. "Man wird nicht taktieren und einfach so eine Strafe hinnehmen, ab er man wird natürlich versuchen, die Auswirkungen einer bevorstehenden Strafe so gering wie möglich zu halten", vermutet Taffin. Also doch Taktik.

Der Franzose weiß um die bislang mangelnde Zuverlässigkeit der Renault-Antriebe. Im Fokus der aktuellen Entwicklungen steht aber die Performance. Über immer wieder neue Software soll das gesamte Potenzial aus dem vorhandenen Paket abgerufen werden. "Wir bringen zu jedem Wochenende eine neue Software. Es ist immer die Sache, wie viel das letztlich in Bezug auf die Rundenzeit bringt - manchmal ist es viel, manchmal wenig. Es kommt aber immer etwas Neues", sagt Taffin.

Neue Software soll Leistung optimieren

"Wir haben die neueste Version in Silverstone getestet, konnten dort aber nicht wie gewünscht fahren. Wir haben es heute noch einmal probiert. Die Eindrücke sind positiv, aber wir brauchen weitere Kilometer zum Anpassen", erklärt er. "Das dritte Freie Training am Samstag ist eine kurze Session, wir haben leider nicht noch einmal drei Stunden Zeit, aber wir arbeiten daran, die Einstellungen zu optimieren. Wenn uns das gelingt, dann sollten wir einen ordentlichen Schritt voran machen."

"Wir sprechen da nicht über Hundertstel, sondern über Zehntelsekunden", stellt Taffin erhebliche Schritte in Aussicht. "Es geht darum, den Motor effizienter zu machen. Die Benzinmenge ist limitiert, was auch die Leistung begrenzt. Wenn man also an der Effizienz arbeitet, dann bedeutet dies, dass man mehr Power herauskitzelt, weil man mehr aus dem Treibstoff macht. Das ist eigentlich simpel, allerdings nicht immer ganz so einfach umzusetzen."

"Der Trick ist, mehr aus dem zur Verfügung stehenden Benzin zu machen. Da geht es natürlich auch darum, was so alles im Brennraum passiert", verrät der Franzose keine Details der neuesten Optimierung. "Eine solche Software kann man problemlos auf dem Prüfstand ausprobieren. Schwierigkeiten können im Auto entstehen, weil diese Software dann mit den Programmen der Teams und der FIA zusammenspielen muss. In diesem Zusammenspiel muss immer noch alles in der nötigen Geschwindigkeit ablaufen. Das ist nicht immer der Fall. Dieses Problem hatten wir beim Silverstone-Test. Das ist aber nun aussortiert."