powered by Motorsport.com

Reifenschlamassel kam für Renault überraschend

Dass der Wechsel der Intermediates bei Fernando Alonso den Sieg in China kosten würde, hätte Renault-Chefingenieur Pat Symonds nicht erwartet

(Motorsport-Total.com) - Die Entscheidung beim Grand Prix von China fiel faktisch bereits in der 22. der insgesamt 56 Runden: Fernando Alonso hatte sich bei seinem Team via Funk über stark abbauende Intermediates beklagt, forderte zumindest an der Vorderachse zwei neue Pneus - ein folgenschwerer Fehler, der den Sieg kosten sollte, wie sich später herausstellte.

Renault-Kommandostand

Der Renault-Kommandostand lag in China beim ersten Boxenstopp daneben

Das Phänomen der Intermediates ist nämlich, dass sie aufgrund der im Regen in der Regel sehr kühlen Asphalttemperaturen nicht durch und durch warm werden, wodurch die Gummimischung auf der Lauffläche abrubbelt, was man in Fachkreisen als Graining bezeichnet. Die meisten Fahrer - interessanterweise übrigens auch Alonsos Teamkollege Giancarlo Fisichella, der in der 23. Runde hereinkam - tauschten ihren ersten Satz Intermediates eben deswegen nicht aus.#w1#

Renault musste das geringere Übel wählen

"Bei 20 Sekunden Vorsprung machte ich mir deswegen keine Sorgen." Pat Symonds

Bei Renault stand man vor Alonsos erstem Service vor der großen Frage, was sich schlimmer auswirken würde: ein Weiterfahren auf dem nicht mehr optimalen Satz erster Intermediates oder ein Reifenwechsel. Als Kompromiss entschloss sich der ansonsten geniale Chefstratege Pat Symonds am Kommandostand gemeinsam mit dem Fahrer im Cockpit dazu, nur die Vorderpneus auszuwechseln und die hinteren Intermediates zu belassen.

"Wir wussten", so Symonds, "dass es mit neuen Reifen nicht so gut sein würde, aber wir dachten, nur für ein paar Runden. Bei 20 Sekunden Vorsprung machte ich mir deswegen keine Sorgen. Mehr Sorgen machte ich mir darüber, bis Runde 40 mit angeschlagenen Reifen fahren zu müssen. Also entschieden wir, nur die Vorderreifen zu wechseln. Dann rechneten wir mit vier oder fünf schwierigen Runden, aber was macht das schon, wenn man 20 Sekunden Vorsprung hat?"

Ein Irrglaube: "Die Wahrheit war", fuhr der Brite gegenüber 'autosport.com' fort, "dass der Leistungsverlust wegen des Grainings viel schlimmer als erwartet war, aber noch schlimmer war, dass diese Phase länger als erwartet andauerte." Man habe anschließend die Bedingungen genau beobachtet, um zum frühestmöglichen Zeitpunkt auf Trockenreifen wechseln zu können, doch die Strecke trocknete nur langsam ab.

Kubicas Experiment wurde genau beobachtet

"Ich denke, dass wir genau den richtigen Zeitpunkt zum Wechsel erwischt haben." Pat Symonds

In Runde 24 war Robert Kubica der Erste, der Trockenreifen aufziehen ließ - und der BMW Sauber F1 Team Pilot stand dabei natürlich unter genauer Beobachtung durch Renault: "Es war eine mutige Entscheidung von ihm", gab Symonds zu Protokoll. "Optimistisch denkend hatte ich gehofft, dass es für ihn funktionieren würde, denn dann hätten wir auch wechseln können. Ich denke aber, dass wir später dann genau den richtigen Zeitpunkt zum Wechsel erwischt haben."

Alonso könne man aufgrund seiner Forderung nach neuen Intermediates jedenfalls keinen Vorwurf machen: "Fernando trifft normalerweise gute Entscheidungen. In solchen Situationen habe ich vollstes Vertrauen zu ihm, so dass wir meistens seine Anweisungen befolgen. Diesmal lag er daneben, aber das bedeutet nicht, dass wir ihm dafür die Schuld geben, denn es liegt in unserer Verantwortung, es hinzubekommen", meinte der 53-Jährige abschließend.