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  • 20.09.2015 · 21:30

  • von Dieter Rencken & Dominik Sharaf

Red Bull schwärmt: Volkswagen-Einstieg wäre "großartig"

Christian Horners Rundumschlag in Sachen Antrieb: Lobpreisungen für Volkswagen, Schelte für Renault und ein klares Bekenntnis zu den Ferrari-Zukunftsplänen

(Motorsport-Total.com) - Die Verhandlungen sind längst offiziell und die Absage von Mercedes eine Tatsache: Red Bull setzt die Segel für eine Zukunft mit Ferrari-Motoren oder einem Plan B in Form eines abweichenden Antriebskonzeptes. Das und Dementis der Gegenseite halten Christian Horner nicht davon ab, die Gerüchte um einen Einstieg des vermeintlichen Dietrich-Mateschitz-Wunschpartners zu befeuern: "Wenn Volkswagen in die Formel 1 käme, wäre das großartig für die Serie", sagt der Teamchef im Gespräch mit der 'BBC'.

Christian Horner, Dietrich Mateschitz

Fans von Volkswagen: Red Bull würde den Konzern gerne in der Formel 1 sehen Zoom

Trotzdem glaubt Horner nicht an eine Zukunft an der Seite der Wolfsburger, weil bei Red Bull die Zeit drängt: "Sie haben ihre Klasse im Motorsport demonstriert, aber es bräuchte zwei oder drei Jahre." Er räumt auch ein, das das Interesse bei Volkswagen eher vager Natur war und skizziert stattdessen eine Perspektive mit Motoren aus Maranello: "Ferrari wäre die beste Möglichkeit, einen konkurrenzfähigen Antrieb für die kommenden Jahre zu erhalten", weiß Horner und bekennt sich zu Gesprächen.

Auf der anderen Seite des Verhandlungstisches saß der FIAT-Boss persönlich, der offenbar keine Angst hat, dem Ferrari-Werksteam einen Gegner mit identischem Material gegenüberzustellen: "Herr Marchionne ist ein Wettkämpfer und ein Sportsmann. Er hat klargemacht, dass er eingreifen möchte. Wir haben unser Interesse verdeutlicht, und Sergio auch. Jetzt muss er das mit seinen Leuten besprechen." Sollte die Sache doch noch scheitern, bestätigt Horner indirekt Aussagen Helmut Markos.

Der Motorsportberater hatte davon gesprochen, ohne konkurrenzfähigen Antrieb aus der Serie auszusteigen: "Dann haben wir ein gewaltiges Problem. Red Bull und die Formel 1", unterstreicht Horner. Der Brauseriesen befindet sich außerdem in Verhandlungen mit Renault bezüglich einer Vertragsauflösung. Horner spricht in diesem Kontext von einer "einvernehmlichen Scheidung" und zeigt sich optimistisch: "Es sieht so aus, als sollte es passieren. Unsere Situation klärt sich immer mehr auf."


Fotos: Großer Preis von Singapur


Das Ende ist allerdings offen. Dabei dürfte es insbesondere um 2016 gehen, wenn Red Bull noch vertraglich an Renault gebunden ist: "Wir haben in der vergangenen Woche gute Gespräche geführt, aber es ist längst noch nicht klar, welche Auswirkungen das für die Zukunft hat", meint Horner und drängt auf ein Ende mit Schrecken: "Wir hatten in der V8-Ära viel Erfolg, aber sie sind deutlich zurückgefallen. Engagement und Hingabe erkennen wir nicht mehr. Als Kundenteam können wir nicht so lange warten."

Zurück zu Volkswagen und den Spekulationen über eine Übernahme, die Ex-Teamchef Jordan in Umlauf gebracht hatte - für gewöhnlich immer gut informiert. Horner scherzt: "Eddie lag doch in seiner gesamten Formel-1-Karriere nie falsch. Es muss offenbar die Heilsbotschaft sein." Er wünscht sich aber mehr Vielfalt und Ausgeglichenheit auf dem Antriebsmarkt: "Es wäre toll für die Formel 1, konkurrenzfähige Motorenzulieferer zu haben. Früher gab es vier oder fünf, mit denen man Titel holen konnte. Heute kann man nur mit zwei Rennen gewinnen. Das ist nicht gesund."