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  • 26.08.2001 · 16:50

Räikkönen: "Plötzlich war am Ferrari der Heckflügel weg"

Erst nachdem Kimi Räikkönen als Augenzeuge verriet, warum Schumacher crashte, gab Ferrari den Unfallgrund bekannt

(Motorsport-Total.com/sid) - Ein prominenter Augenzeuge hat das Geheimnis um Michael Schumachers vierten schweren Unfall in diesem Jahr gelüftet. "Es muss so bei Tempo 310 gewesen sein. Plötzlich war am Ferrari der Heckflügel weg", schilderte Kimi Räikkönen (Finnland) den Crash des viermaligen Weltmeisters am Donnerstag bei Testfahrten in Mugello. Der Sauber-Pilot fuhr direkt hinter Schumacher, als das Unglück passierte. Der Deutsche war danach mit 150 Stundenkilometern in einen Reifenstapel gekracht. Er entstieg dem völlig zerstörten Drei-Millionen-Mark-Auto unverletzt, sagte aber alle weiteren Testfahrten vor dem Großen Preis von Belgien am Sonntag in Spa vorsorglich ab.

Michael Schumachers Ferrari

Michael Schumachers beschädigter Ferrari bei der Ankunft an der Box Zoom

Die Ferrari-Chefstrategen hatten bis zur Räikkönen-Aussage wie immer in solchen Fällen beharrlich geschwiegen. "Die Unfallursache ist noch nicht geklärt", hieß es lapidar aus der Presseabteilung. Kein Wunder, schließlich ist ein Heckflügelbruch das Gefährlichste, was es in der Formel 1 gibt - der Albtraum schlechthin für jeden Fahrer. "Wenn sich der Heckflügel löst, verliert das Auto etwa 50 Prozent des Abtriebs auf der Hinterachse. Es ist absolut unfahrbar. Häufig treten die Brüche beim Anbremsen auf, dann dreht sich der Wagen sofort", erläuterte Formel-1-Konstrukteur Gustav Brunner in der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)'.

Erst nach Räikkönens Ausführungen ging auch Ferrari endlich an die Öffentlichkeit. Technikchef Ross Brawn sprach im italienischen Radio von einem Bruch einer Hinterradaufhängung, die wiederum zur Zerstörung der Heckflügelverankerung geführt hätte. Das Monocoque - die mindstens 150.000 Mark teure Sicherheitszelle aus Kevlar - rettete Schumacher das Leben. Wieder einmal: Trotzdem sorgt der
Kerpener vor und zahlt angeblich 1,65 Millionen Mark im Jahr für Versicherungen.

Schumachers "Altersvorsorge" ist allerdings Ferrari: Präsident Luca di Montezemolo will den 32-jährigen Deutschen auch nach dessen Karriereende bei den "Roten" halten. Das wäre 2004, dann läuft der Vertrag des Weltmeisters aus. "Ich denke, er wird - sicher in anderen Position - in der Ferrari-Familie ein festes und hoch geehrtes Mitglied bleiben", sagte der Italiener der 'Welt am Sonntag'.

Mugello war Schumachers vierter schwerer Unfall in diesem Jahr: Beim Training zum Großen Preis von Australien überschlug er sich bei Tempo 200 zweimal, bei Testfahrten in Monza am 17. Juli kam er wegen eines aufgerissenen Unterbodens mit 310 Stundenkilometern von der Strecke ab, beim Großen Preis von Deutschland raste Luciano Burti mit Tempo 200 frontal ins Heck von Schumachers Ferrari.

"Es wird immer ein Restrisiko geben. Aber jeder Mensch, der in ein Flugzeug steigt, weiß doch auch, dass er mal abstürzen kann. Und trotzdem nimmt er den Flieger. Aber ich danke Gott jedesmal, wenn ich es heil überstanden habe", sagt Schumacher der 'FAZ'. Laut "Stern" hat der Rennfahrer bei Lloyds in London ein "Rundum-Sorglos-Paket" mit Krankentransport, Spezialärzten, Entschädigung für entgangene Rennen und Verdienstausfall abgeschlossen. So erhielt er nach seinem Beinbruch von Silverstone 1999 angeblich 250.000 Mark pro Tag, im Todesfall wäre ein Jahresverdienst von etwa 120 Millionen Mark fällig.

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