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Pirelli wünscht sich starkes Testfahrzeug

Warum Pirelli einen neuen Testträger benötigt, wieso die Teams nicht helfen wollen und wo der Reifenhersteller 2012 überall testen möchte

(Motorsport-Total.com) - Gerade mal zwölf Testtage stehen den Teams vor Beginn der neuen Formel-1-Saison zur Verfügung, um ihre Autos auf das erste Rennen in Melbourne vorzubereiten. Die eigenen Neuentwicklungen und Fahrer stehen dabei im Mittelpunkt, Reifentests werden quasi im Vorbeigehen mit erledigt. Zwar evaluieren die Teams Eigenschaften wie Grip, Verschleiß und Crossover-Punkte ganz genau, aber tatsächliche Entwicklungsarbeit wird nicht geleistet.

Nick Heidfeld

Nick Heidfeld bei den ersten Tests mit dem Pirelli-Toyota TF109 im Jahr 2010 Zoom

Daher wünscht sich Pirelli einen eigenen Testträger, um mit einem separaten Testteam eigene Ziele verfolgen zu können. Bisher wurde dafür ein Toyota TF109 aus der Saison 2009 verwendet, mit Testfahrern wie Nick Heidfeld, Pedro de la Rosa, Romain Grosjean und Lucas di Grassi am Steuer. Doch das Chassis ist in die Jahre gekommen und liefert - nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Regeländerungen - keine zuverlässigen Daten mehr.

2010er-Auto als anvisiertes Ziel

Im Bestreben, einen neuen Testträger zu finden, gibt es "Fortschritte", wie Paul Hembery gegenüber 'Motorsport-Total.com' berichtet, "ich kann aber nicht darüber sprechen. Wir versuchen, eine Lösung zu finden. Ich denke, dass man ein 2010er-Auto einsetzen kann, ohne irgendwelche Regeln zu brechen." Ein 2010er-Auto würde auch brauchbarere Daten liefern als ein 2009er-Modell - und: "Es stehen viele zum Verkauf", grinst der Pirelli-Sportchef.

Am allerliebsten wäre ihm natürlich ein 2011er- oder gar ein 2012er-Fahrzeug, doch das ist unrealistisch. Die Teams befürchten, dass jenes Team, das ein dermaßen aktuelles Auto zur Verfügung stellen würde, von der Arbeit von Pirelli profitieren könnte. Daher zieren sich die Teams auch, Pirelli zu unterstützen - sehr zum Leidwesen von Hembery: "Wir wollen keinem bestimmten Team helfen, aber wir wollen unsere Arbeit machen."


"Ein eigenes Testauto würde uns dabei helfen, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen, wie wir vorgehen wollen, ohne von irgendeinem Team unter Druck gesetzt werden zu können. Wir wollen unsere Sache gut machen. Wenn mit den Reifen etwas nicht stimmt, fällt es auf uns zurück", begründet er und ergänzt: "Wir wollen auf jeden Fall im Juni testen, aber ich hätte gerne auch Ende März oder April einen Test. Wir müssen also in den nächsten Wochen eine Lösung finden."

"Ich finde, wir haben mehrere gute Lösungen angeboten, aber langsam läuft uns die Zeit davon", kritisiert Hembery und stellt klar, dass man nicht zwingend beim billigsten Angebot zuschlagen würde: "Wir benötigen ein Auto, das einigermaßen an der Spitze war. Wir müssen die Reifen so stark wie möglich belasten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass alle zwölf Teams eine funktionierende Lösung anbieten könnten, aber wir müssen sicherstellen, dass wir einen optimalen Testträger finden."

Die Auswahl ist groß

"Wenn uns ein Team ein Auto zu einem guten Preis und mit guter technischer Unterstützung verkaufen will, dann sind wir interessiert. Wir könnten ein Auto kaufen, es leasen, es durch ein semi-unabhängiges Team einsetzen lassen. Es gibt einige externe Gruppen, die frühere Autos betreiben. Einige verkaufen diese Autos, andere nicht. Es gibt auch die Mitarbeiter der früheren Testteams, die heute häufig mit PR-Fahrzeugen zu tun haben", erklärt er.

Paul Hembery

Paul Hembery hofft, dass Pirelli von den Teams unterstützt wird Zoom

Als Kunde der Toyota Motorsport GmbH war Pirelli auch nach dem Formel-1-Ausstieg des japanischen Herstellers hochzufrieden, doch der bisherige Testträger wurde nun ins Museum geschoben und das 2010er-Modell, das nie einen Grand Prix gesehen hat, scheint ebenfalls kein Thema zu sein. Seit Ende 2009 sind aber keine Teams mehr ausgestiegen, sodass es sonst keine offensichtlich in Frage kommenden Autos aus der Saison 2010 oder 2011 gibt.

Ob man ein oder zwei Autos kaufen oder leasen würde, ist ebenfalls offen und hängt vom angebotenen Paket ab. Pirelli ist nur wichtig, die Testzeit zu maximieren, denn die Ingenieure haben wenig davon, extra nach Abu Dhabi zu reisen, dort dann aber nur in der Garage zu stehen. Bei Toyota war aber auch ein Chassis genug: "Bei Toyota hatten wir nur ein Auto, aber dafür ein gutes Ersatzteil-Supportpaket", lobt Hembery den bisherigen Dienstleister.

Maximierung der Testzeit wichtig

"Du brauchst auch eine gewisse Qualität. Du willst ja nicht testen gehen, nach 300 Kilometern platzt der Motor und der ganze Laden steht", stellt er klar. "Toyota hat für uns fantastische Arbeit geleistet, und diese Qualität benötigen wir auch in Zukunft. Sonst verschwenden wir nur Zeit und Geld." Schließlich wäre Pirelli rein theoretisch gar nicht dazu verpflichtet, die Reifen permanent weiterzuentwickeln und zu testen.

Aber: "2014 kommen gravierende Regeländerungen auf uns zu. Wie sollen wir das testen und simulieren?", fragt Hembery. "Wir sind mit unseren Simulationen schon sehr weit, aber die Formel 1 ist ein Sport auf sehr hohem Niveau - da würde man gewisse Dinge gern verifizieren. Die Teams wären auch nicht glücklich darüber, vor Melbourne nur ein paar Kilometer mit den neuen Autos auf dem Buckel zu haben. Wir sind in einer ähnlichen Situation."


Pirelli hielt kürzlich eine Medienveranstaltung in Abu Dhabi ab, bei der unter anderem Witali Petrow ein paar Runden in einem Formel-1-Doppelsitzer drehte. Doch daraus konnte kein Nutzen gezogen werden. Abu Dhabi wäre auch bei weitem nicht die einzige Teststrecke, auf der Pirelli ohne die Teams fahren würde: "Ich denke, für das Programm kämen Spa, Monza, Barcelona in Frage", verrät Hembery gegenüber 'Motorsport-Total.com'.

"Jerez ist sehr gut, um an den Mischungen zu arbeiten. Wenn die Streckentemperatur 35 oder 40 Grad beträgt, findet man dafür ideale Bedingungen vor", so der Brite. "Abu Dhabi war gut, um im Winter bei hohen Temperaturen zu testen. Es ist aber nicht die anspruchsvollste Strecke, um zum Beispiel die Widerstandsfähigkeit von Gummimischungen zu evaluieren. Dafür sind Barcelona oder Jerez besser geeignet."

Kein Vorteil für das helfende Team?

Den Vorwurf, dass ein Pirelli-Testträger eines bestimmten Teams eben jenes Team bevorzugen würde, hält Hembery übrigens für Unsinn. Denn Pirelli würde das Auto ohnehin am liebsten mit einer eigenen Crew einsetzen, um ungestört arbeiten zu können, und das Risiko eines Informationslecks in Richtung des Auto-Anbieters wäre dementsprechend gering. Auch bei der Datenakquise könnte kaum jemand reinschnuppern.

Witali Petrow

Witali Petrow war Stargast bei einem Pirelli-Medienevent in Abu Dhabi Zoom

"Die Datenakquise ist ohnehin unser eigenes Equipment und nicht teamspezifisch. Es ist erforderlich, dass wir das Auto selbst einsetzen - es sind schließlich auch unsere Informationen", sagt Hembery zum Thema Geheimhaltung. "Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass irgendjemand einen Vorteil haben würde, denn sie wissen ja nicht, für welche Richtung wir uns entscheiden, wenn wir 30 verschiedene Varianten ausprobieren."

Testfahrer hat Pirelli derzeit keinen. Hembery kündigt an, ohne Namen zu nennen: "Der Fahrer wird unabhängig sein, denn den würden wir wieder selbst engagieren. Aber wir müssen langsam mit der Arbeit für nächstes Jahr beginnen und brauchen Tests, um diese Prototypen validieren zu können. Wir arbeiten schon jetzt im Simulator, aber diese Arbeit ist nur dann vollständig, wenn man sie auf der Strecke validieren kann."

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