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Pirelli macht Stress: Formel-1-Verbleib entscheidet sich heute

Warum Pirelli mit Ausstieg droht, wenn die Formel-1-Kommission am Montag dem Testplan für das neue Reglement nicht zustimmt, und was die Italiener vorhaben

(Motorsport-Total.com) - Heute entscheidet sich die Formel-1-Zukunft von Pirelli. Die Italiener drohen mit Ausstieg, sollten die von ihnen gestellten Testforderungen für die neuen 2017er-Reifen am Montag nicht von der Formel-1-Kommission durchgewunken werden. Der Grund: Laut Motorsportchef Paul Hembery bleibt nicht mehr genug Zeit, um die Herausforderung zu bewältigen.

Kimi Räikkönen, Pirelli

Pirelli droht mit Ausstieg, wenn am Montag nicht alles klar ist Zoom

"Wir haben schon April, und es wird grundlegende Änderungen an den Autos, neue Reifenmaße und eine neue Reifencharakteristik geben", erklärt der Brite, warum man die Ausstiegskarte spielt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Wünsche Pirellis erfüllen wird, ist aber groß, denn die Teams, FIA und FOM sind sich grundsätzlich einig.

"Ich denke, dass wir jetzt wissen, was wir tun werden", erklärte Hembery am Schanghai-Wochenende. "Wir hoffen, dass alles Anfang nächste Woche abgeschlossen wird." Bereits kurz nach dem Bahrain-Wochenende konfrontierte Pirelli die FIA mit einem möglichen Ausstieg, sollte der Testplan nicht sofort in das Reglement aufgenommen worden. FIA-Rennleiter Charlie Whiting reiste daraufhin sogar in das Firmenhauptquartier in Mailand, um Hembery & Co. zu beruhigen.

Wie der Testplan aussieht

Doch was genau fordert Pirelli eigentlich? Der Reifenhersteller will zuerst die veränderten Reifenmischungen für das neue Aerodynamik-Reglement mit mehr Abtrieb an Autos der Jahrgänge 2012 bis 2014 testen.

"Diese Tests würden wir bezahlen", sagt Hembery gegenüber 'Sky Sports F1'. Wichtiger sind aber die Tests mit sogenannten Hybridautos - dabei handelt es sich um 2015er-Boliden, die so umgerüstet werden, dass sie wie im neuen Reglement vorgesehen 25 Prozent mehr Abtrieb liefern. An den Hybridautos sollen erstmals die breiteren Reifen zum Einsatz kommen.

"Es gibt fünf Teams, die Interesse bekundet haben, diese Autos zu liefern", erklärt Hembery. Dabei handelt es sich um die Rennställe Mercedes, Ferrari, Red Bull, Williams und McLaren. "Wir würden alle fünf nutzen", stellt er klar. Wegen der großen Entwicklungslast sind 25 Auto-Tage geplant.

Fünf Teams würden spezielle Testautos für 2017 bauen

Die Kosten für die Entwicklung der Hybridautos - sie sollen sogar mit Schürzen ausgerüstet werden, um die Abtriebswerte zu erreichen - müssen die Teams selbst stemmen. "Es ist eine ganz schöne Aufgabe, es kann sich lohnen", glaubt Williams-Technikchef Pat Symonds. "Das ist nicht alles vergebene Liebesmühe."


Fotostrecke: Schwarzes Gold: Alle Reifenhersteller der F1

Wie das 2015er-Auto für Pirelli verändert werden soll: "Vorne müssten wir einiges unternehmen. Bei dem Heck ist die Arbeit schnell getan. Und wir arbeiten ja ohnehin daran."

Doch werden diese fünf Rennställe dann in Hinblick auf das neue Reglement einen riesigen Vorteil haben? "Es wird viele Informationen geben, die an alle Teams verteilt werden, auch wenn sie nicht selbst testen", winkt Hembery ab. "Außerdem gibt es die Wintertests." Erst dann sollen die endgültigen 2017er-Reifen ausgepackt werden.

Entwicklung für 2017: Überholmanöver im Vordergrund

Paul Hembery

Paul Hembery fordert für bessere Reifen eine Gegenleistung Zoom

Auch wenn nach wie vor Diskussionen über das Reglement für das kommende Jahr stattfinden, weil Mercedes, Ferrari und Williams weniger Überholmanöver befürchten, verlässt sich Hembery auf die angedachten Abtriebswerte: "Das Aerodynamik-Reglement wurde bereits von der Formel-1-Kommission durchgewunken, wir haben also klare Indikatoren, wie die Belastungen aussehen werden."

Vor allem die Piloten fordern Reifen, mit denen man mehr an das Limit gehen kann und mit denen Überholmanöver leichter möglich sind. "Mit besseren Reifen, besserem Grip und einer besseren Kontrolle über den Abbau könnten wir besseren mechanischen Grip finden und auch zum Beispiel anderen Autos besser folgen", glaubt Red-Bull-Pilot Daniil Kwjat. "Das würde auch zu besserem Racing führen."

Hembery glaubt, dass er die Wünsche befriedigen kann, wenn Pirelli ausreichend Testmöglichkeiten erhält: "Wir glauben, dass unser Paket eine Hilfe sein wird. Wir arbeiten an Reifen, die weniger temperaturempfindlich sind. Die Reifen werden dann nicht mehr so einfach überhitzen. Dieses größere Temperaturfenster sollte es erleichtern, in der Dirty Air zu fahren und somit die Überholmöglichkeiten verbessern."

Neue Maße, neue Herausforderungen

Auch an den drei Reifenmischungen pro Rennen, die die bisherigen drei Saisonrennen sehr belebt haben, will Pirelli festhalten. Ein Festhalten an den bisherigen Maßen ist aber undenkbar. "Die Reifen mit den aktuellen Abmessungen erreichen langsam ihr Limit", erklärt Hembery. Das liegt vor allem daran, dass die neuen Autos schwerer werden sollen.

Durch die größeren Pneus entsteht nun auch ein neues Problem: Bei Regen müssen sie noch mehr Wasser verdrängen, wodurch die Aquaplaning-Gefahr steigt. "Das bedarf noch viel Arbeit", weiß Hembery, denn selbst die aktuellen Pirelli-Regenreifen waren in den vergangenen Jahren immer wieder heftiger Kritik ausgesetzt.

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