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Reifen: Pirelli kündigt für 2017 "ganz andere Philosophie" an

Reifenhersteller Pirelli wird in der Formel-1-Saison 2017 radikal veränderte Pneus anbieten - Aktuell sucht man noch immer noch einem geeigneten Testfahrzeug

(Motorsport-Total.com) - Hat das Reifenschonen in der Formel-1-Saison 2017 ein Ende? Zumindest verdichten sich die Anzeichen, dass Pirelli im kommenden Jahr Reifen an den Start bringen wird, die ein deutlich aggressiveres Pushen als bisher erlauben. "Nächstes Jahr wird es eine ganz andere Geschichte. Wir bewegen uns weg von den temperaturempfindlichen Mischungen", kündigt Pirellis Motorsportchef Paul Hembery an. Damit würde der italienische Reifenhersteller dem Wunsch vieler Piloten nachkommen.

Pirelli-Reifen

Pirelli will für die Saison 2017 komplett veränderte Reifen an den Start bringen Zoom

Hembery verspricht für 2017 "viel weniger Abbau durch Temperaturempfindlichkeit" und erklärt: "Das wird eine ganz andere Philosophie und Herangehensweise sein - auch bei der Struktur. Bei den aktuellen Reifen bedeutet mehr Abtrieb nicht automatisch eine bessere Performance, aber man könnte durch ein Neudesign mehr aus ihnen herausholen. Wir sind aber ziemlich beschränkt, was die Testmöglichkeiten angeht."

"Unser Ziel ist es, das Arbeitsfenster des Reifens für nächstes Jahr zu vergrößern", so Hembery. Allerdings fischt Pirelli momentan in vielerlei Hinsicht noch etwas im Trüben. Die neuen Regeln für 2017 existieren bisher lediglich auf dem Papier, und dementsprechend konnte Pirelli bisher auch noch keine Testfahrten für die kommende Saison absolvieren - und langsam drängt die Zeit.

Die Suche nach dem Testauto

Das größte Problem: Es gibt noch immer kein Testauto, das Pirelli verwenden kann, um die benötigten Daten zu sammeln. Zwar habe man die "Garantie" der FIA für eine Lösung, doch momentan müssen sich die Italiener noch in Geduld üben. "Wir wollen im Juni testen. Und mit einem Hybrid-Fahrzeug wollen wir spätestens im August beginnen. Wir wollen die ersten Reifen im November nach dem Grand Prix von Abu Dhabi bereitstellen", erklärt Hembery.

Momentan seien "mehrere Lösungen" im Gespräch. Ein altes V8-Auto sei dabei "ideal", ein umgebautes GP2-Auto hingegen nicht. "Ein GP2-Auto wird nicht das Performancelevel bieten, das wir haben wollen", erklärt Hembery. Ohnehin soll es sich dabei nur um ein Übergangsfahrzeug handeln, denn spätestens im September möchte Pirelli mit einem Hybrid-Auto testen.


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Allerdings sind auch hier noch viele Fragen offen. "Wir brauchen natürlich eine Lösung, durch die niemand einen Vorteil gewinnt. Da müssen die Teams eine Lösung finden", erklärt Hembery. Somit müsste das Testauto eigentlich von einem unabhängigen Hersteller gebaut werden. Die Alternative wäre, dass sich die Teams gemeinsam auf eine andere Lösung verständigen, die alle akzeptieren.

Insgesamt möchte Pirelli in diesem Jahr zwölf Tage testen. "Wir haben uns das zusichern lassen", verspricht Hembery und erklärt: "Zwölf Tage, hoffentlich zwei Autos, maximal drei Autos. Dann können wir ordentlich testen. Im Idealfall könnten wir schon mit einem V8-Auto der früheren Generation etwas konzeptionelle Arbeit verrichten, denn wir verändern alle Mischungs- und Konstruktionskonzepte, ehe wir auf eine Mischung aus einem aktuellen Auto und dem 2017er-Auto wechseln würden."

Teams testen die Reifen bereits

Für die Teams stellt Pirelli zum jetzigen Zeitpunkt bereits Windkanalreifen zur Verfügung. Hembery erklärt: "Die sind physisch gesehen bereits verfügbar. Wir klären noch ein paar Vertragsdetails mit der FIA ab, dann sind die Teams dran, und außerdem muss das endgültige Reglement abgesegnet werden. Das Aerodynamik-Paket wurde ja scheinbar schon von der Formel-1-Kommission durchgewunken."

Den ersten echten Test für alle Teams soll es dann nach dem Saisonfinale 2016 in Abu Dhabi geben. "Ob die Teams für einen Test nach dem Saisonfinale bei einem aktuellen Auto die Aufhängungen anpassen, liegt an ihnen. Ich weiß nicht, ob sie direkt nach Saisonende ein 2017er-Hybrid-Auto fertig haben werden. Wir konzentrieren uns aber auf den Zeitplan, der von uns verlangt wurde", so Hembery.


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"Zuerst werden die Teams sicher im Simulator mit den neuen Reifen arbeiten - wir werden den Teams, die über einen Simulator verfügen, einige Modelle zur Verfügung stellen, damit sie eine Ahnung von den Auswirkungen erhalten. Ich bin sicher, dass einige größere Teams bereits Reifenmodelle mit den neuen Maßen simulieren", so Hembery. Das ist allerdings für die kleineren Teams ein Nachteil.

"Wir können es allen Teams anbieten, aber nicht alle haben einen entsprechenden Simulator", erklärt Hembery. Dementsprechend werden diese Teams die Reifen dann wohl erst in Abu Dhabi erstmals testen können. Bis dahin ist es allerdings ohnehin noch ein langer Weg. Im Juni stehen nun erst einmal die ersten Pirelli-Tests auf dem Plan - falls man bis dahin ein entsprechendes Auto gefunden hat.