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  • 30.11.2023 09:25

  • von Kevin Hermann, Co-Autor: Matt Kew

Pat Fry: In zwei bis vier Jahren muss Williams wieder ein Top-3-Team sein

Technikchef Pat Fry hat ambitionierte Ziele mit dem Williams-Team: Kommt mit neuer Infrastruktur durch CapEx-Aufstockung jetzt die große Aufholjagd?

(Motorsport-Total.com) - Mit Platz sieben in der Konstrukteurswertung hat Williams 2023 seine beste Formel-1-Saison seit 2017 hingelegt, als man mit Felipe Massa und Lance Stroll Gesamt-Fünfter mit 83 Punkten wurde. In der abgelaufenen Saison konnte man 28 Punkte ergattern, wovon 27 allein Alexander Albon beisteuerte.

Titel-Bild zur News: Pat Fry

Williams-Technikchef Pat Fry an der Strecke Zoom

Von den glorreichen Zeiten der 80er- und 90er-Jahre ist man jedoch immer noch weit entfernt, doch das soll nicht mehr lange so bleiben, wenn es nach Williams-Technikchef Pat Fry geht, der im Juli vom Alpine-Team Richtung Grove abgewandert ist. Der Brite war zuvor auch schon bei McLaren und Ferrari beschäftigt.

"Das ultimative Ziel ist es, um die Meisterschaft mitzuspielen", sagt er. "In zwei bis vier Jahren müssen wir in den Kampf eingreifen und unter die ersten drei kommen. Das ist eine schwierige Aufgabe, wenn man von dort ausgeht, wo wir jetzt stehen. Aber ich denke, es ist alles möglich."

CapEx-Erhöhung: Wird die Infrastruktur jetzt verbessert?

Ein Problem, was Williams in den letzten Jahren zurückgehalten hat, ist die veraltete Infrastruktur in der Hauptzentrale in Grove. Teamchef James Vowles, der den Posten 2023 von Jost Capito übernommen hat, setzte sich im Hintergrund verstärkt dafür ein, den Kostendeckel für Investitionsmaßnahmen anzuheben, was während des Rennwochenendes in Katar abgesegnet wurde.

Durften die Teams zunächst nur mit Investitionsausgaben von 45 Millionen Dollar für die Saisons 2021, 2022, 2023 und 2024 planen - der Kostendeckel gilt hier nicht wie die normale Budgetobergrenze für eine Saison, sondern für einen fortwährenden Zeitraum -, wurde der Betrag für vier schlechtesten Teams der Konstrukteurswertung um 20 Millionen Dollar erhöht. (Die genauen Zahlen für alle Teams gibt es hier.)

"Wir können jetzt investieren, vielleicht nicht die 100 Millionen Dollar, die ich mir erhofft hatte, aber es ist ein guter Schritt in die richtige Richtung", sagte Vowles in Katar, dem es wichtig ist, dass die Topteams weniger ausgeben dürfen als die hinteren Teams: "Am Ende profitieren wir alle mehr, was bis zu einem gewissen Grad mit den Anlagen im Einklang steht."

Regeländerung 2026 eine Chance für Williams?

In Kombination mit dem neuen technischen Reglement für die Saison 2026 könnte sich für Williams eine gute Gelegenheit bieten, den derzeitigen Rückstand aufzuholen. "Ich denke, alle Regeländerungen sind immer eine Chance", sagt Technikchef Fry. "Bis zu einem gewissen Grad haben die größeren Teams immer bessere Werkzeuge, um diese Dinge zu analysieren, als wir es haben."

"Wir müssen also die Werkzeuge aufbauen und entwickeln, die wir brauchen, um herauszufinden, welche Spezifikation das Auto für 2026 hat. Ich meine, wir haben eine Menge Arbeit vor uns, aber es ist sicherlich die erste Chance, die unser Spiel verändert. Wir müssen also darauf hinarbeiten."

Blickt man auf die Daten der vergangenen drei Saisons, so ist eine klare Verbesserung der Leistung im Jahr 2023 zu erkennen. Haben bei der Rennpace im Jahr 2021 noch durchschnittlich 2,04 Sekunden pro Runde auf das schnellste Auto - Mercedes - gefehlt und 2022 2,03 Sekunden auf Red Bull, waren es 2023 nur noch 1,51 Sekunden pro Runde im Schnitt auf die Bullen.

Albon über Fry: "Zeit wird es zeigen"

Die Personalie Pat Fry ist für die zukünftige Entwicklung von Williams dabei entscheidend. Teamchef James Vowles hat sich bei der Wahl eines neuen Technikchefs mehr als ein halbes Jahr Zeit gelassen, um sicherzugehen, die langfristig beste Entscheidung für das Team zu treffen. Wie schlägt sich der neue starke Mann an der Technikspitze von Williams bisher?

"Die Zeit wird es zeigen", sagt Williams-Fahrer Alexander Albon. "Da er gerade erst zum Team gestoßen ist, denke ich, dass er sich sehr schnell einarbeitet. Ich habe das Gefühl, dass er auch die Bereiche versteht, in denen wir uns verbessern müssen, und er wird dem Team als Ratgeber und Mentor zur Seite stehen."


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"Ich freue mich also sehr, ihn an Bord zu haben. Und ich denke, wir haben dieses Jahr eine Menge geopfert, um uns auf das nächstjährige Auto zu konzentrieren", betont er. "Das kann eigentlich nur etwas Gutes sein. Wir haben das Nötigste getan, um P7 zu erreichen."

"Und jetzt richten wir unseren Blick auf das nächste Jahr. Mit Pat an Bord wird es für James das erste richtige Jahr sein, in dem er bei der Entwicklung des Autos eine echte Führungsrolle übernimmt. Wir werden also sehen."

Fry: Für mich zählt nur das Gewinnen

Aus seiner Zeit bei McLaren hat Fry von Ron Dennis hat Fry eine entscheidende Lektion für das Leben gelernt, die er auch bei Williams verkörpern will: "Ich habe mit Ron zusammengearbeitet und dort galt: 'Der Zweite ist der erste Verlierer.'"

"Und ich habe fünf Jahre lang bei Ferrari gearbeitet, wo man nur Siege und sonst nichts feiert. In dieser Hinsicht bin ich irgendwie befleckt. Wir müssen diesen Ort also wieder zu einem Siegerteam aufbauen."