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Pascal Wehrlein: Der Formel-1-Traum geht weiter

Der deutsche Manor-Pilot erinnert sich an seine Anfänge als Kind - Was Michael Schumacher damit zu tun hat und weshalb er Rio Haryanto die Daumen drückt

(Motorsport-Total.com) - Vier Rennen alt ist die Formel-1-Karriere von Pascal Wehrlein. Vier Zielankünfte, null Punkte und ein 2:2-Unentschieden im Qualifying-Duell gegen Manor-Teamkollege Rio Haryanto lautet die erste Zwischenbilanz des vierten deutschen Fahrers in dieser Saison in der Königsklasse. "Es läuft besser als erwartet", fällt der 21-Jährige ein kurzes Fazit und gibt sich kämpferisch: "Wir können uns mit den anderen messen. Jetzt will ich mehr. Wir müssen Gas geben."

Pascal Wehrlein

Pascal Wehrlein darf mit seinen ersten vier Formel-1-Rennen zufrieden sein Zoom

Seit vier Rennen lebt der Rookie seinen Traum von der bekanntesten Klasse des Motorsports. Und er vermittelt den Eindruck, wirklich in der Formel 1 angekommen zu sein: "Ich kannte die ersten vier Strecken nicht, aber so schwierig ist es nicht. Du hast drei Freie Trainings und etwas Zeit auf der Bahn - und so lernst du sie kennen." Ist der Formel-1-Traum also schon Normalität für ihn? "Nein, es ist etwas Besonderes. Aber wenn du beim Team oder an der Strecke bist, hast du so viel zu tun, dass du nicht mehr darüber nachdenkst."

Dennoch erinnert sich Wehrlein natürlich noch daran, wie sein großer Traum als kleiner Junge begann. "Ich war fünf oder sechs Jahre alt und wir fuhren nach Hockenheim. Ich sagte meinen Eltern, dass ich einmal Formel-1-Fahrer werden wollte. Dann hat es lange gedauert, bis wir zum ersten Mal Kart fahren waren." 2008 erkannte die ADAC Stiftung Sport sein Talent und wählte den damals 14-Jährigen bei einer Sichtung in Wackersdorf in ihren Förderkader. In der Jury damals: Rekord-Weltmeister Michael Schumacher!

Häkkinen-Fan Wehrlein trifft Michael Schumacher

"Wenn man noch in diesen Klassen unterwegs ist und so jemanden trifft, dann ist es unglaublich." Pascal Wehrlein über die erste Begegnung mit Schumacher

Wehrlein blickt zurück: "Es waren 15 Jungs, zwei haben die Förderung bekommen. Ich war einer von denen, die er auswählte. Wir haben natürlich ein bisschen miteinander gesprochen und es war damals etwas Besonderes für mich." Obwohl der Teenager nie ein ausgewiesener Schumacher-Fan war - und als Kind eher McLaren-Mercedes und Doppel-Champion Mika Häkkinen die Daumen drückte. "Ich war 14 Jahre alt und habe Michael zum ersten Mal getroffen. Danach bin ich für sein Kartteam gefahren. Wenn man noch in diesen Klassen unterwegs ist und so jemanden trifft, dann ist es unglaublich."

An die Anfangsjahre des großen Talents erinnert sich auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff: "Ich traf ihn, als er 14 Jahre alt und ein winzig kleiner Junge war, der die deutsche Kartszene dominierte. Im Formel Masters erkannte ich, wie gut er auf Anhieb war und das sah ich auch in der Formel 3. Da haben wir entschieden, ihn als jüngsten Fahrer aller Zeiten in die DTM zu holen." Der Rest ist bekannt: 2015 wurde Wehrlein als jüngster Fahrer überhaupt DTM-Gesamtsieger, im Winter hievte ihn Mercedes in die Formel 1 und "parkt" ihn dort vorerst beim Manor-Team.

Mercedes will sehen, wie er sich im Feuer schlägt

Dort warten einige Herausforderungen auf den Youngster: Er soll lernen, sich entwickeln und gleichzeitig als Teamleader die Hinterbänkler-Truppe ans Mittelfeld der Königsklasse heranführen. Ganz schön viele Aufgaben für einen Rookie, wie auch Manor-Sportdirektor Dave Ryan weiß: "Mercedes will sehen, wie er sich im Feuer schlägt. Er ist ganz klar ein Mercedes-Zögling. Sie haben viel Zeit in ihn investiert." Bisher mache Wehrlein seine Sache außerordentlich gut, so Ryan. "Er ist schnell, hat tolle erste Rennrunden, hält sich aus Schwierigkeiten heraus und geht gut mit Rückschlägen um."

Lob gibt es nach den ersten vier Rennen der Saison auch von Mercedes-Boss Wolff: "Es ist nicht einfach, in so jungen Jahren schon die Nummer eins in einem Team zu sein. Er macht das, was wir von ihm erhofft haben", so der Mercedes-Boss - schickt aber auch hinterher: "Natürlich ist er noch immer sehr grün hinter den Ohren." In den kommenden Monaten soll sich Wehrlein nun konsequent weiterentwickeln und mehr Erfahrungen sammeln. Gegenwind bekommt er dabei - etwas überraschend - von seinem Teamkollegen Rio Haryanto, der ihm das Leben schwerer macht, als von vielen erwartet.

"Pascal ist etwas schneller als Rio, aber nicht viel. Es ist gut, wenn er kämpfen muss", meint Wolff. Wehrlein selbst ist von der Stärke Haryantos nicht überrascht: "Ich habe von Anfang an gesagt, dass er nicht so schlecht ist, wenn er vergangenes Jahr Vierter in der GP2 war. Er hat dort Rennen gewonnen - und somit zum Beispiel Stoffel Vandoorne, der bei ART ein deutlich besseres Auto hatte, in manchen Rennen geschlagen. Das muss man erst malschaffen", lobt der Deutsche seinen indonesischen Kollegen.

Rio Haryanto als ernsthafte Konkurrenz: "Wusste, dass er gut ist"

Offen räumt er ein, dass er sich von Haryanto sogar einiges abschaue - schließlich war der die vergangenen Jahre im Formelsport aktiv, während Wehrlein überwiegend DTM-Rennen fuhr. "Gerade mit den Reifen kann ich extrem viel lernen. Man merkt, dass er mit den Pirellis Erfahrung hat, das macht wirklich viel aus." Und noch in einem Punkt hat der Indonesier die Nase vorn: Während er auf fast eine halbe Million Twitter-Follower kommt, folgen dem Deutschen aktuell erst rund 21.000 Menschen auf der Plattform.


Fotos: Pascal Wehrlein, Großer Preis von Russland


Hinter Haryanto steht natürlich eine riesige Fangemeinde aus Indonesien, wie auch Wehrlein anerkennend bestätigt: "Ich finde es gut, wenn das Land hinter einem steht. Jeder Fahrer wünscht sich das." Wie berichtet benötigt der GP2-Vierte von 2015 aktuell eine Spendenaktion seiner Landsleute, um die Saison bei Manor zu Ende fahren zu können. Die viertgrößte Bevölkerung der Welt (fast 250 Millionen Menschen) kann mittels SMS spenden. Pro Mitteilung fließen 32 Cent, insgesamt benötigt Haryanto 15 Millionen Euro, um die Saison zu finanzieren.

"Ich persönlich - und das meine ich ernst - hoffe, dass er das Jahr zu Ende fahren kann", drückt Wehrlein seinem Teamrivalen die Daumen. Auch der 21-Jährige erhält - zumindest moralische - Unterstützung aus einem Inselstaat. Wehrleins Mutter stammt aus Mauritius. "Dort bis ich schon gut bekannt, es kommen viele Interviewanfragen von dort. Es ist nicht so extrem wie bei Rio in Indonesien, aber das Interesse ist auf jeden Fall da". Hier und dort wird es noch wachsen, falls sich Wehrlein in der Formel 1 weiter so gut schlägt.