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Panis' Horrorunfall 1997: "Hatte Angst vor bleibender Behinderung"

Der Horrorcrash in Montreal 1997 stoppte Olivier Panis' Aufstieg: Wie er das Drama, bei dem er sich beide Beine brach, erlebte und und wie riskant das Comeback war

(Motorsport-Total.com) - Der 15. Juni 1997 teilt Olivier Panis' Karriere in zwei Hälften: Vor seinem Montreal-Crash war der Prost-Pilot ein künftiger Topstar, der in der WM sogar auf dem tollen dritten Rang lag, danach fuhr er nie mehr auf das Podest. Doch was geschah wirklich in der über 200 km/h schnellen Kurve 5 in Runde 51 auf dem Circuit Gilles Villeneuve?

Olivier Panis

Olivier Panis bei der ersten Pressekonferenz nach dem Montreal-Crash Zoom

"Ich erinnere mich sehr gut an den Unfall, und es macht mir nichts aus, darüber zu sprechen", sagt Panis im Interview für eine Spezialausgabe des Podcasts 'Starting Grid', den wir in Kooperation mit unseren Kollegen von 'meinsportpodcast.de' produzieren. "Der rechte Querlenker war gebrochen", verweist er auf einen Defekt der Hinterradaufhängung im schnellen Rechtsknick.

"Ich geriet ins Schleudern, in der dafür schlimmsten Kurve in Montreal, wo du voll auf dem Gas stehst. Als ich in die Barriere einschlug, spürte ich, wie das Monocoque brach. Ich spürte sofort, dass die Beine gebrochen waren."

Warum Panis mit gebrochenen Beinen ausstieg

Dennoch blieb Panis nicht im Prost-Cockpit sitzen: "Ich stieg noch selbst aus dem Auto und setzte mich an den Cockpitrand. Weil ich besorgt war, dass mir eine Behinderung bleiben könnte. Ich wollte sehen, dass ich meinen ganzen Körper bewegen kann. Als ich sah, dass ich alles bewegen kann, wartete ich auf die Rettung."

Olivier Panis

Der Unfallauslöser ist unklar: War es eine Startkollision oder ein leichter Mauerkuss? Zoom

Panis lag hinter dem Auto neben den Leitplanken, als Formel-1-Arzt Sid Watkins und sein Kollege Gary Hartstein an der Unfallstelle eintrafen. Das Rennen war längst durch eine Safety-Car-Phase neutralisiert worden.

Als Watkins von der Lage ein Bild machte, wurde ihm die Wucht des Anpralls bewusst. "Das Chassis war im vorderen Bereich des Cockpits gebrochen, wo er die Beinfrakturen erlitt", erklärte der bereits verstorbene Formel-1-Arzt in seinem Buch 'Beyond the Limit'. "Es war ein Wunder, dass er so davonkam."

Panis riskierte seine Karriere

Denn auch die Operation am Sonntagabend im Sacre-Coeur-Krankenhaus in Montreal war kompliziert. "Ich hatte mir beide Beine gebrochen. Der rechte Bruch war schlimmer, der musste zweimal operiert werden, um alles wieder zu fixieren."

Laut Watkins sei auch das "Gewebe beträchtlich beschädigt" gewesen, "wodurch das Bein geschwollen war. Er brauchte also eine Fasziotomie, um die Schwellung der Muskeln abzubauen und zu verhindern, dass sie durch den Druck absterben." Dabei wird die Haut aufgeschnitten, um eine Entlastung herbeizuführen.

Die Operation gelang, und die Knochen wurden mit Schrauben fixiert. "Ich hatte ein Jahr lang in beiden Beinen Schrauben, bin aber trotzdem Rennen damit gefahren", verweist er auf sein Comeback nach sieben Rennen Zwangspause. "Sie haben mir gesagt: 'Wenn du mit den Schrauben noch einen Unfall hast, ist es vorbei mit der Formel 1 für dich.' Zum Glück ist kein zweiter Unfall passiert. Mein Leben hat sich danach ein bisschen verändert, weil ich sehr schnell fit werden musste. Nach drei Monaten Pause war ich wieder da, mit Schrauben. Ich hatte Spaß - und war ganz gut."

Warum Panis Anfang 1997 so stark war

Olivier Panis

Nach Montreal konnte Panis nicht mehr an seine Glanzleistungen anschließen Zoom

Tatsächlich holte Panis auf dem Nürburgring als Sechster gleich einen WM-Punkt. Dennoch war die Saison für den Prost-Piloten, der in den ersten Rennen der Saison zwei Podestplätze erkämpft hatte und in Argentinien sogar aus eigener Kraft in Führung lag, gelaufen: Mehr als der neunte WM-Rang war nicht mehr möglich.

Dennoch blickt der inzwischen 52-Jährige, der 1996 sensationell in Monaco seinen einzige Grand-Prix-Sieg feierte, ohne Verbitterung auf die Ära zurück: "Ich habe die Zeit damals einfach genossen. 1997 hatte ich in jedem Rennen das Material, um den Sieg oder das Podium zu kämpfen. Das Auto war einfach toll. Der Mugen-Honda war richtig gut. Und wir waren das erste Team, das zu Bridgestone gewechselt ist. Und die haben richtig gute Arbeit geleistet. Das war meine beste Zeit in der Formel 1." Danach habe man "ein paar Schwierigkeiten bei Prost" gehabt, erklärt Panis.

Das komplette Interview mit Olivier Panis, das faszinierende Einblicke in die Hintergründe der Formel 1 in den 1990er- und 2000er-Jahren ermöglicht, gibt's als Podcast nachzuhören. Zum Beispiel in unserem Audioplayer oder via iTunes, auch im kostenlosen Podcast-Abo.

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