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Nur ein kurzer elektronischer Ausflug für Lewis Hamilton

Nur ein Jahr war Lewis Hamilton in der Formel 1 mit elektronischen Fahrhilfen unterwegs, nun muss sich der Brite wieder umstellen

(Motorsport-Total.com) - Wenn der Junior Fahrrad fahren lernt, dann schraubt der Vater zunächst Stützräder an. Im nächsten Schritt gibt der Vater Anfahrhilfe und stabilisiert das Fahrrad mit der Hand und einer sportlichen Laufeinlage am Sattel. Und wenn der Sprössling ausreichend geübt hat, fühlt er sich ganz ohne fremde Hilfe auf seinem Fahrrad wie der König des Fahrradwegs.

Lewis Hamilton

Hamilton hat die Kontrolle des Autos ab 2008 wieder vermehrt selbst in der Hand

Im Motorsport scheint der Grundsatz "mehr Erfahrung gleich weniger Hilfe" nur bedingt zu gelten. Hier lernen die Junioren teilweise mit der ganz alten Schule, also samt H-Getriebe, Kuppeln und Zwischengas geben. Traktionskontrolle, ABS und ESP sind undenkbar.#w1#

Ausgerechnet in der "Königsklasse des Motorsports" wurden den besten Rennfahrern der Welt bisher quasi Stützräder montiert. Geschaltet wird am Lenkrad (vor nicht allzu langer Zeit zwischenzeitlich sogar vollautomatisch), Zwischengas gibt die Elektronik automatisch und die Traktionskontrolle verhindert ein Durchdrehen der Räder und den einen oder anderen Dreher.

Die besten Fahrer der Welt hatten also Fahrhilfen an Bord, die es nicht einmal in Einstiegsformeln gibt. Der Anspruch, die technologisch fortschrittlichste Rennserie der Welt zu sein, wurde hier sportlich zum Fluch. Kein Wunder, dass heute ein Nachwuchsfahrer nach dem anderen einen Test im Formel-1-Auto absolviert und mit Leistungssprüngen von rund 600 PS locker umgeht.

Lewis Hamilton stieg von der GP2 in die Formel 1 um. Auch dort gibt es keine Traktionskontrolle. Nun kehrt der Brite quasi zu seinen Wurzeln zurück, denn ab kommender Saison wird es in der Formel 1 mit der Einführung der Standard-Elektronik auch keine Traktionskontrolle mehr geben.

"Das wird interessant sein", so der 22-Jährige im Interview mit der 'Daily Mail'. "In ein paar Wochen werde ich zum ersten Mal ein Formel-1-Auto ohne Traktionskontrolle fahren. Aber bis zu dieser Saison bin ich die ganze Zeit ohne gefahren, auch mit meinem GP2-Auto fuhr ich ohne Traktionskontrolle, ich habe die Technik also drauf."

Ein Formel-1-Fahrer war bisher in der Lage, am Kurvenausgang voll auf das Gas zu treten - die Elektronik entschied aufgrund des Zustands der Reifen, der Strecke und der daraus resultierenden Haftung, wie viel Kraft vom Motor an die Antriebsachse gelangt, um die Leistung mit der optimalen Menge an Schlupf auf die Straße zu bringen.

Jetzt ist der Fahrer wieder gezwungen, dosiert mit dem Gaspedal umzugehen. Er muss abschätzen, wie stark er das Gaspedal durchtreten darf, ohne dass die Räder durchdrehen. Und er muss blitzschnell realisieren, wenn er zu wenig oder zu viel Gas gibt und die Stellung des Gaspedals flott korrigieren.

Der McLaren-Mercedes-Pilot geht davon aus, dass den erfahreneren Formel-1-Fahrern der Umstieg schwerer fallen wird als ihm, der nur ein Jahr mit Traktionskontrolle unterwegs war: "Ich musste eine neue Technik lernen, die Traktionskontrolle maximieren und sie zu meinem Vorteil nutzen. Beim Beschleunigen erfordert das einen anderen Fahrstil."

Das Fahren mit der Traktionskontrolle bezeichnet Hamilton als "gute Erfahrung", aber gleichzeitig ist er "froh", dass diese nun abgeschafft werden wird: "Das wird es definitiv interessant machen, denn das wird es sehr schwierig machen, mit diesen Reifen hauszuhalten."

Denn wer zu sehr auf das Gas tritt, wird die Hinterreifen durch Durchdrehen stärker verschleißen. Wer mit dem Gaspedal gefühlvoll umgeht, "der kann mit den Reifen während eines Rennens besser haushalten", weiß Hamilton. "Und ich bin mir sicher, dass es Leute geben wird, die wirkliche Probleme haben und sich drehen werden."

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