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Niki Lauda: "Sergio Marchionne ist einer der besten Manager"

Ferrari-Präsident Sergio Marchionne beeindruckt derzeit mit klaren Worten und anderen Führungsqualitäten und wird damit zum Sinnbild der Traditionsmarke

(Motorsport-Total.com) - Die "Uhr tickt", zehn Jahre ohne Titel wären eine "Tragödie" und ein "System von Probieren und Versagen ist unnötig". Nüchtern betrachtet tritt Ferrari-Präsident Sergio Marchionne alles andere als sympathisch auf. Das muss als respektable Führungspersönlichkeit aber auch nicht. Seit der Übernahme des Präsidentenpostend des Scuderia hat sich der FIAT-Chrysler-Chef jedenfalls bereits den Respekt verschafft, den es bei der ganz eigenen Philosophie des Traditionsteams braucht. Jetzt weitet er seinen Machtberiech sogar noch weiter aus.

Sergio Marchionne

Ist Sergio Marchionne der vorantreibende Präsident den Ferrari braucht? Zoom

"Er weiß was er tut", gesteht ihm auch Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzender Niki Lauda gegenüber 'Sky' zu. "Er hat einen riesigen Konzern, Fiat Chrysler und auch Ferrari, gut im Griff. Er ist einer der besten Automobil-Manager, die es heute gibt. Jetzt sind sie an die Börse gegangen, da muss er sich noch mehr verantworten und Druck machen, weil er Ferrari natürlich dort sehen will, wo sie einmal waren. Er hat den Erzfeind Mercedes gegen sich, die auch nicht blöd sind. Deswegen fordert er sein Team so hart auf: 'Wir müssen Mercedes schlagen'."

Alles neu macht der Marchionne - so könnte man die Umstrukturierung im Team seit dem Präsidentenwechsel im Oktober 2014 umschreiben. Mit dem Nachfolger von Luca di Montezemolo, der auf seine eigene Art Charakterkopf des Traditionsteam war, hat sich viel verändert. Maurizio Arrivabene war der dritte Teamchef innerhalb von nicht einmal einem Jahr. In einer Entlassungswelle verließen Ende 2014 unter anderen Chefingenieur Pat Fry und Chefdesigner Nikolas Tombazis das Team. Und die "Neue" Scuderia mit Sebastian Vettel als Galionsfigur schaffte es nach zwei Jahren ohne Titelchance immerhin wieder zum ersten Favoritenverfolger.


Fotostrecke: Fotostrecke: Alle Ferrari-Rennleiter in der Formel 1 seit 1950

"In Italien gibt es nur himmelhoch jauchzend oder Weinen, dazwischen gibt es nicht, dafür sind die Italiener berühmt", weiß Lauda, der 1975 und 1977 mit Ferrari Weltmeister wurde, aus eigener Erfahrung. "Das heißt: Wenn sie gewinnen ist die ganze Nation hinter ihnen, wenn sie verlieren kriegen sie derartig einen auf dem Deckel, dass es eigentlich unerträglich ist. Der Druck auf Ferrari, da kann ich nur aus meiner Zeit reden, ist unglaublich groß. Das da Fiat dahintersteht und Marchionne unbedingt gewinnen will kommt alles dazu. Das ist aber ganz normal und das müssen Sebastian und Kimi aushalten."

Und das tun sie. Einen Räikkönen bringt ohnehin nichts aus der Fassung und Vettel schien den Ferrari-Geist schon in sich zu tragen, bevor er überhaupt den ersten Fuß nach Maranello setzte. Kritik an den Fahrern wurde jedenfalls nicht laut - auch nicht am Team. Der Präsident fordert halt nur Siege und den Titel. Subtiles Druck machen muss zum Portfolio eines Ferrari-Führers gehören.

"Er hat ja recht", sagt Vettel. "Gewisse Dinge brauchen einfach Zeit, das gehört auch dazu. Als wir zueinander gefunden haben war uns bewusst, dass das kein einfaches Unterfangen wird. Aber es gibt einen ganz starken Glauben daran, dass man es schaffen kann."

"Ich kenne ihn eigentlich anders", plaudert der viermalige Weltmeister über sein Verhältnis zu Marchionne. "Ich bekomme immer nur gesagt: 'Dein Chef sagt...'. Bei mir hört sich das anders an. Ich kenne ihn als sehr realistisch, sehr umgänglich und auch sehr ehrgeizig. Das, was er in den Interviews sagt, sagt er auch zu uns. Aber es hört sich vielleicht ein bisschen anders an. Ich glaube, ihm bedeutet das Ganze einfach unheimlich viel. Er ist ein Rennsportfan und möchte auch dabei sein, wenn Ferrari praktisch wieder aufersteht."

Maurizio Arrivabene, Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen

Gute Arbeitsatmosphäre? Bei Ferrari demonstriert man Einigkeit Zoom

Marchionne ist 63 Jahre alt und italienisch-kanadischer Abstammung. Er war es, der Chrysler saniert hat und für die Ehe mit FIAT vorbereitete. Und neben seiner Formel-1-Verpflichtungen ist er nun auch offiziell zum Geschäftsführer der Sportwagenmarke Ferrari geworden. Die Aufgaben übernimmt er von bisherigen CEO Amadeo Felisa, der nach 26 Jahren im Dienste des Automobil-Herstellers zurücktritt. Der Personalwechsel soll bereits für ein leichtes Börsenhoch gesorgt haben.

Und Marchionnes Umtriebigkeit zahlt sich aus. Auf der von 'La Rebubblica' herausgegebenen Liste Italiens bestbezahltester Manager steht er mit 54,5 Million Euro Einkommen im Jahr 2015. Für eine saubere Bilanz 2016 würde ihm neben unternehmerischen Erfolg auch ein Titel in der Formel 1 zugutekommen.

Diese Mission gestaltet sich bislang jedoch eher schwierig. Ferrari kann nach vier Rennen der Saison lediglich nachgesagt werden, die Lücke zu Mercedes weiter geschlossen zu haben. Zuverlässigkeitssorgen und Ausfall-Pech lassen aber noch kein beurteilendes Gesamtbild zu.


Fotostrecke: GP Russland, Highlights 2016

"Mir wäre lieber gewesen, der Kwjat hätte nicht so zugeschlagen, dann hätte man genau beurteilen können, wie schnell das Motorupdate bei Sebastian wirklich ist und wie weit er jetzt wirklich Mercedes näher gekommen ist", sagt Lauda nach dem Russland-Grand-Prix. "Das können wir jetzt leider nicht beurteilen. Die Logik vor dem Rennen war für mich, dass Mercedes drei, vier Zehntel schneller war, das haben wir auch im Rennen bewiesen gegen Kimi. Aber der hat nicht den neuen Motor drin."

Fakt ist: Ferrari ist zum ernstzunehmenden Herausforderer der dominanten Silberpfeile geworden - und zum respektierten Gegner, wie Lauda anhand des Verhaltens von Teamchef Arrivabene in Sotschi beurteilt: "Er hat uns gratuliert logischerweise. Er ist wirklich ein fairer Sportsmann, muss man sagen. Aber ich habe ihm gleichzeitig gebeichtet, dass wir Glück gehabt haben mit Lewis durch den Wasserverlust, sonst wäre er vielleicht einen Platz weiter vorne gewesen. Aber wir haben ein gutes Verhältnis zu Ferrari und das würde ich umgekehrt genauso machen."

Und letztlich braucht es nicht nur einen fähigen Präsidenten mit flammenden Motivationsreden, sondern vor allem Fähige Fahrer, die auf der Strecke abliefern. "Als Rennfahrer weiß man immer selbst am besten Bescheid ob man gut gearbeitet hat oder weniger gut, ob man Mist gebaut hat oder nicht", sagt Vettel. "Da braucht es keinen, der einen darauf hinweist - ob das jetzt der Renningenieur, der Kollege oder der Chef ist."

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