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Neue Mischungen und Sommertests: Der Pirelli-Plan für 2017

Pirelli möchte schon bald mit den Arbeiten für die neuen Reifen 2017 beginnen: Wir erklären euch den Testplan für die neue Saison und was der Hersteller vorhat

(Motorsport-Total.com) - Pirelli hat bis zum Saisonstart 2017 ein wahres Mammutprogramm zu absolvieren. Neben der üblichen Versorgung der Formel-1-Teams zu allen Rennen, müssen bereits die Reifen für die kommende Saison entwickelt werden. Allerdings ist dies für Pirelli keine einfache Evolution, bei der man vielleicht hier und da mal ein paar Kniffe anwendet, stattdessen müssen völlig neue Konstruktionen her, da die Reifen deutlich breiter werden sollen.

Pirelli-Auto 2017

Pirelli hat bereits gezeigt, wie die Zukunft der Formel 1 aussehen wird Zoom

Aus diesem Grund werden den Italienern auch modifizierte 2015er-Boliden von Ferrari, Mercedes und Red Bull zur Verfügung gestellt, an denen die Reifen getestet werden können. Zwar besitzt Pirelli Testmöglichkeiten mit Boliden von 2013, doch auf diesen können nur die Pneus der aktuellen Größe geschnallt werden. Solange die drei Teams die notwendigen Modifizierungen nicht gemacht haben, kann Pirelli auch keine Tests durchführen.

Doch die Zeit drängt. Zum einen wollen die Teams parallel eigentlich ihr eigenes Auto für 2017 entwickeln, zum anderen muss Pirelli aber mit seiner Testarbeit beginnen. Im August möchte man mit den ersten Testfahrten starten. Das Problem ist allerdings, dass die Teams dann in eine vierwöchige Pause gehen, von denen zwei Wochen lang nicht gearbeitet werden darf. "Es gibt dort die Sommerpause, und es wäre wichtig, wenn wir davor bereits ein oder zwei Sessions fahren könnten", merkt Pireli-Manager Mario Isola an.

Anfang Januar muss alles fertig sein

Danach wolle man die Testarbeit im September fortsetzen, um bis Ende November oder Anfang Dezember die Konstruktionen und Mischungen zu definieren. Einen größeren Spielraum besitzt der Reifenhersteller ohnehin nicht, denn sollten die offiziellen Testfahrten für die Formel-1-Saison 2017 wieder Ende Februar stattfinden, müsste man Anfang Januar mit der Produktion der neuen Walzen beginnen.


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"Wir müssen auch wissen, wie der Kalender aussieht", sagt Isola weiter. "Wenn wir mit Australien beginnen, müssen wir nämlich zeitgleich auch die Reifen für das Rennen produzieren, weil es lange dauert, sie bis dahin zu bringen." Denn Pirelli nimmt üblicherweise den Seeweg. 14 Wochen vor dem eigentlichen Grand Prix müssen die Teams bei Übersee-Rennen bereits bei Pirelli hinterlegen, welche Mischungen sie für das Wochenende mitnehmen möchten - schwierig, wenn die Teams bis dahin überhaupt keine Eindrücke von den breiteren Pneus bekommen haben.

Einen Einblick gibt es lediglich in die Daten, die die Italiener mit den Boliden von Ferrari, Mercedes und Red Bull gewonnen haben. Aus Fairnessgründen werden diese übrigens an alle Teams weitergegeben. Wie Pirelli bekanntgegeben hat, wird es auch in der Saison 2017 wieder das von dieser Saison bekannte System mit den fünf Trockenmischungen geben, aus denen die Teams wählen können: Hard, Medium, Soft, Supersoft und Ultrasoft.

Neue Intermediates und Regenreifen

Doch natürlich muss der Reifenhersteller auf die neuen Dimensionen reagieren und die Mischungen im Grunde völlig neu entwickeln, weswegen Referenzen aus der aktuellen Saison weniger Wert haben dürften. "Wir müssen fünf neue Mischungen sowie einen neuen Intermediate und neuen Regenreifen entwickeln. Es gibt viel zu tun", merkt Isola an und spricht dabei vor allem die beiden weiteren Mischungen an, die es zu optimieren gilt.

"Regenreifen und Intermediate sind nicht einfach zu designen, wenn die Reifen 400 Millimeter breit sind", erklärt er. Denn die Veränderungen zu 2016 werden eklatant sein. Durch die größere Auflagefläche der Reifen muss man Aquaplaning im Auge behalten, und auch die Performance auf abtrocknender Strecke ist komplett anders. Das Szenario testen wird man wohl in Le Castellet, denn der Circuit Paul Ricard verfügt über ein eigenes Bewässerungssystem. Ansonsten möchte Pirelli auf diversen anderen Strecken testen, unter anderem natürlich in Barcelona.

Doch auch die Trockenreifen sollen sich abseits der Dimensionen anders verhalten als 2016. Pirelli reagiert damit auf die Kritik der Fahrer und Fans, die meinen, dass man auf den aktuellen Pneus nicht pushen könnte, weil diese dann so schnell kaputtgehen, weswegen es die Fahrer eher ruhig angehen lassen. "Sie wollen Reifen, die langsamer abbauen und nicht so schnell überhitzen. Die Fahrer wollen pushen, und wir wollen sie glücklich machen", betont Isola.