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Motorenreglement 2017: "Ja" zum Hybrid, "Jein" zu 1.000 PS

Mercedes-Sportchef Wolff schlägt eine erhöhte Benzindurchflussmenge für das Erreichen der magischen Zahl vor - Honda befürwortet die Pläne - Kein V8-Comeback

(Motorsport-Total.com) - Alle Jahre wieder: Während die Rennaction auf der Strecke zu wünschen übrig lässt, sitzen die Mächtigen der Formel 1 hinter verschlossenen Türen beisammen und beratschlagen darüber, wie die Königsklasse des Motorsports attraktiver werden könnte. So geschah es auch am Freitag am Rande des Bahrain-Grand-Prix. Zampano Bernie Ecclestone und die Teambosse beratschlagten darüber, was ab der Saison 2017 zur Verbesserung der Show beitragen könnte. Hauptthema: Die 1.000-PS-Motoren.

Marcus Ericsson, Sergio Perez

Die Formel 1 will mit neuen Regeln die Kurve bekommen Zoom

Die Super-Triebwerke sind seit geraumer Zeit ein Schlagwort, konkrete Pläne gibt es aber nicht. Ecclestone regte an, die alten V8-Motoren wieder hervorzukramen und aufzubohren. Christian Horner sagt 'Sky Sports F1' jedoch, dass eine gehörige Portion Populismus dabei gewesen sein könnte. "Bernie ist darauf aus, einen Ausweg zu finden", meint der Red-Bull-Teamchef. "Er bringt kontroverse Vorschläge, um für einen Wandel zu sorgen." Dabei hatte er 2014 noch selbst auf die V8-Renaissance gepocht.

Ein logischer Gegner des V8-Vorhabens ist Honda: Schließlich waren die Japaner zum Ende der Ära nicht mehr in der Beletage aktiv und haben keine entwickelten Motoren in der Lagerhalle. Sportchef Yasuhisa Arai bekennt sich zum eigentlichen Ziel: "Natürlich wären 1.000 PS gut für die Formel 1! Jeder will gute Rennen und spannenden Wettbewerb", sagt er, misst der Zylinderzahl aber nur untergeordneten Wert bei: "Ich weiß nicht, ob es so viel damit zu tun hat, ob es nun V6- oder V8-Motoren gibt."

Wolffs Vorschlag: Antriebe behalten, Benzindurchfluss erhöhen

Toto Wolff, mit Mercedes der große Gewinner der Hybridnovelle, findet wenig Gefallen an der Recycling-Idee. "Alle Antriebshersteller sind sich einig, dass die aktuelle Struktur mitsamt der Hybridsysteme erhalten bleiben sollte", lässt der Sportchef keinen Zweifel offen und glaubt an ein gemeinsames Ziel: "Das ist die Richtung, in die wir gehen wollen. Das aktuell der Status in den Gesprächen mit Renault, Ferrari, Honda und Mercedes." Es fragt sich, was die Alternativen auf dem Weg zu 1.000 PS sind.


Großer Preis von Bahrain

Alles beim Alten belassen, meint Wolff. Er rechnet damit, dass die Entwicklung bis 2017 ohnehin an der 900-PS-Marke kratzt, zweifelt jedoch daran, dass in diesen Größenordnungen ein paar Pferdchen mehr noch den Unterschied machen. Erledigt wäre das aber im Handumdrehen, meint der Österreicher: "Es gibt einen ganz einfachen Weg. Ich muss nur den Benzindurchfluss erhöhen. Wenn man das um zehn oder 20 Kilogramm pro Stunde anhebt, landen wir bei über 1.000 PS", weiß Wolff.

Doch das bringt Probleme: Zentrale Bauteile der Motoren müssten neu gestaltet werden, womit die Zuverlässigkeit wieder ein größeres Thema als ohnehin schon wäre - was wiederum eine Menge an Entwicklungskosten bedeutet. Hinzu kommt, dass der "grüne" und imagefördernde Anstrich der Königsklasse mit erhöhtem Benzinverbrauch genau wie die Glaubwürdigkeit der Szene angekratzt wäre. Das wiederum hätte Auswirkungen auf die Zahlungsmoral von Sponsoren und die Geduld von Unternehmensvorständen.

Red Bull drängt erneut auf Kostensenkung

Zurück zum Benzindurchfluss, mit dessen Veränderung Wolff nach eigener Aussage trotz des als sparsam geltenden Mercedes-Aggregats "kein Problem" hat. Positiver Nebeneffekt: Der Sound wäre deutlich lauter. Immerhin scheint es normativ einen Konsens zu geben. Das allgemeine Ziel lautet, die Autos "spektakulärer und schneller" zu machen, formuliert Wolff gegenüber 'Formula1.com', womit auch andere Bauteile interessant werden: "Die Änderungen an den Antriebssträngen werden kleiner sein als die an den Chassis."

"Wir müssen bei Kostensenkungen mit Augenmaß agieren." Toto Wolff

Großes Problem - insbesondere mit Blick auf die finanzielle Schieflage kleinerer Teams - sind die Kosten. Horner macht sich für Einsparungen stark: "Das Problem sind die Ausgaben für die Antriebsstränge. Von den Topteams bis zu Feldende erleben wir Mannschaften, die am Limit sind. Wir müssen die Kosten deutlich senken", fordert er. Anders Wolff: "Wir sollten bei den Aktionen zur Kostensenkung mit Augenmaß agieren." Er befürchtet, dass immer mehr Einheitsbauteile vorgeschrieben werden.

Auch die zentrale Produktion von Drittanbietern, wie sie schon jetzt bei der Einheitselektronik von einer McLaren-Tochter übernommen wird, oder dem Einfrieren der Entwicklung lauerten Gefahren. Trotzdem will Wolff kompromissbereit sein und nicht nur den eigenen Vorteil absichern, denn für eine Änderung der Regeln zum Jahr 2017 genügt die einfache Mehrheit in der Formel-1-Kommission. "Als Hardliner, der alles blockiert, wirst du einfach überstimmt", weiß der Österreicher und zeigt sich zuversichtlich: "Ich glaube nicht, dass die Formel 1 ein grundsätzliches Problem hat. Man muss sich quasi selbst neu erfinden - darum geht es."

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