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  • 26.06.2011 · 10:46

  • von Christian Sylt & Caroline Reid

Motoren-Abrüstung: Rennstrecken drohen mit F1-Rückzug

Fast alle Formel-1-Strecken drohen mit einem Formel-1-Rückzug, sollte der Sport tatsächlich ab 2014 auf V6-Turbomotoren abrüsten

(Motorsport-Total.com) - Die Zukunft der Formel 1 hängt im Moment an einer am Montag fallenden, entscheidenden Abstimmung über die Einführung neuer Motoren im Jahr 2014 ab. Sollten die vorgeschlagenen neuen Regeln abgesegnet werden, drohen 17 Formel-1-Strecken, darunter Monaco und Silverstone, damit, den Sport zu verlassen und stattdessen zum amerikanischen Rivalen IndyCar zu wechseln.

Bernie Ecclestone und Ron Walker

Ecclestone und Walker machen in der Motorenfrage gemeinsame Sache

Die Veränderungen beinhalten eine Reduktion der Drehzahl um 33 Prozent auf 12.000 Umdrehungen pro Minute, womit man die Motoren umweltfreundlicher gestalten möchte. Ron Walker, der Vertreter der Rennstrecken, ist der Meinung, "dass dies unsere Kundenbasis ruinieren würde", da die Formel 1 nicht mehr länger der Gipfel des Motorsports wäre.

Mit der Ausnahme von zwei Strecken, China und Korea, haben alle Kurse dem Automobilweltverband FIA mitgeteilt, dass sie zur Austragung von IndyCar-Rennen wechseln werden, sollten die neuen Motoren eingeführt werden. Die Strecken teilten am Mittwoch ihre Drohung der FIA bei einem Treffen der Formel-1-Kommission mit, welche die Regeln des Sports festlegt.

Die Attraktivität der Formel 1 für die Zuschauer ist für die Strecken entscheidend, denn ihre Haupteinnahmequelle aus dem Sport stammt aus dem Verkauf der Tickets. Nach Angaben des Fachmagazins 'Formula Money' betrugen diese im vergangenen Jahr durchschnittlich 24,6 Millionen Dollar (17,3 Millionen Euro) je Strecke. Die Einnahmen aus den TV-Rechten der Formel 1, der Hospitality und dem Sponsoring fließen direkt zu Delta Topco, dem Inhaber der kommerziellen Rechte des Sports, welche wiederum mehrheitlich im Besitz der Private-Equity-Gesellschaft CVC ist.

Walker, der Vorsitzende des Großen Preis von Australien, erklärt, dass die neuen Motoren mindestens 18.000 Umdrehungen pro Minute leisten müssen und ihr Sound jenen der aktuellen Motoren entsprechen müsse, ansonsten "wird die Mehrheit der Strecken einen Vertrag mit Indy unterzeichnen. Indy würde ihre rechte Hand reichen, um in all diese Länder zu kommen".

"Wir würden die IndyCar starten lassen, weil es sehr schwierig ist, aus einem Abstand von rund 100 Metern einen IndyCar von einem Formel 1 zu unterscheiden, und die Zuschauer würden das immer noch lieben. Ich kann zu 100 Prozent versichern, dass wir keine Formel-1-Autos einsetzen würden."

"Die Strecken haben mir ihre Vollmachten erteilt, dagegen zu stimmen, und zwar auf der Basis, dass nicht eines der betreffenden Länder eine CO2-Politik betreibt", erklärt Walker. Der Australier führt weiter an, dass die Strecken eine Untersuchung durchgeführt haben, welche zeigt, dass der Klang der kleineren Motoren "so schlecht wäre, wie eine scheppernde Konservendose, und dass dies nicht das ist, was man mit dem Inhaber der kommerziellen Rechte schriftlich vereinbart hat".

Dies könnte es den Strecken erlauben, ihre Formel-1-Verträge zu brechen. Um dies jedoch zu verhindern hat Walker alle Mitglieder der Formel-1-Kommission angeschrieben, um zu fordern, dass das neue Motorenreglement "sicher stellen muss, dass die Formel 1 im Hinblick auf die Hochtechnik und ihrem Reiz der Gipfel des Motorsports bleiben muss".

Die Formel-1-Teams scheinen sich jedoch auf die Veränderungen geeinigt zu haben. Am Freitag erklärte Mercedes-Teamchef Ross Brawn, dass "alle Automobilhersteller, welche im Moment in der Formel 1 Motoren bereitstellen, eine Vereinbarung unterzeichnet haben, wonach man diesen Motor in Zukunft unterstützen wird". Dies könnte die Strecken aus dem Formel-1-Kalender zwingen.

"Wir geben 1 Milliarde Dollar (700 Millionen Euro) im Jahr für diese Schau aus. Die meisten von uns verlieren Geld, weil dies von den Regierungen unterstützt wird, und wir werden uns unsere Kundenbasis nicht zerstören lassen", so Walker. "Ich habe ihnen gesagt, dass die Strecken keine Formel 1 veranstalten würden. Sie können ihre eigenen Strecken bauen, denn wir werden sie nicht austragen. Der Sound ist Teil der Marke."

"Für Jean Todt (FIA-Präsident; Anm. d. Red.) ist es sehr schön zu sagen, dass wir der Welt zeigen, dass wir grün werden, aber sie werden die komplette Schau ruinieren", so Walker, der ergänzt, dass die Formel-1-Kunden "kommen, um einen großen Motor zu sehen, der 18.000 Umdrehungen in der Minute leistet".

Nach Aussage von Walker unterstützte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone die Ansichten der Strecken vollständig. Zuvor hatte er gesagt, dass die neue Formel mit kleineren Motoren "nicht die Formel 1 ist. Das klingt alles andere als nach der Formel 1". Er erklärte, dass der Sound der Formel 1 für die Sponsoren besonders wichtig ist, und dass dies für viele Leute jener Teil ihres Besuchs eines Formel-1 Rennens ist, an das sie sich besonders gut erinnern.

Walker warnt, dass der Wechsel der Motoren lediglich der Anfang ist: "Todt hat mir in Australien gesagt, dass die nächste Sache ist, dass sie einen Hybrid-Motor haben werden. Und ich fragte 'Was ist mit dem Klang?', worauf er erwiderte, dass sie einen Lautsprecher in das Heck der Autos einbauen werden. Großer Gott!"

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