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Mercedes nicht an Binotto interessiert: "Zu viel Porzellan zerschlagen"

Toto Wolff gibt zu, dass ihn ein Angebot von Ferrari womöglich gereizt hätte, und erklärt, ob Mattia Binotto ein Kandidat für eine Mercedes-Rolle ist oder nicht

(Motorsport-Total.com) - Mattia Binotto ist nach seiner Kündigung bei Ferrari derzeit arbeitslos, wird aber nicht zu Mercedes wechseln. Das hat Mercedes-Teamchef Toto Wolff jetzt dezidiert ausgeschlossen. Auf die Frage, ob der in der Schweiz geborene Italiener ein Kandidat auf einen hochrangigen Job bei den Silberpfeilen sei, antwortet Wolff: "Nein. Dafür wurde zwischen uns in den vergangenen Jahren zu viel Porzellan zerschlagen, als dass das möglich wäre."

Mattia Binotto, Toto Wolff

Mattia Binotto und Toto Wolff waren in der Vergangenheit nicht die besten Freunde Zoom

Binotto war zuletzt bei seinem Arbeitgeber Ferrari, so hört man das aus Maranello, ziemlich isoliert. Und das, obwohl auf seiner Habenseite steht, dass er die Scuderia technisch auf Vordermann gebracht hat. Seit 2013 als Chef der Motorenabteilung, ab 2016 als Technischer Direktor für Chassis und Motor, ab 2019 als Teamchef.

Der Ferrari-Motor galt unter seiner Verantwortung als einer der besten im Feld, und 2022 war selbst das Chassis aerodynamisch eins der besten in der Formel 1. Demgegenüber standen allerdings zahlreiche Pleiten, Pech und Pannen auf operativer Seite, sodass der Ferrari-Vorsitzende John Elkann begonnen hat, einen Nachfolger zu suchen.

Vor allem das technische Wissen, das Binotto mitbringt, macht ihn zu einem attraktiven Kandidaten für andere Teams. Doch einem Wechsel zu Mercedes steht das angeknackste Verhältnis zu Wolff im Weg. Der sagt im Formel-1-Podcast 'Beyond the Grid': "Mattia und ich hatten über all die Jahre unsere schwierigen Zeiten. Das ist kein Geheimnis."

Kein Platz für Binotto bei Mercedes

2022 habe sich das Verhältnis zwar gebessert, räumt Wolff ein: "Wir kamen viel besser miteinander aus." Doch dass die beiden gemeinsam bei Mercedes tätig sind, gilt nach wie vor als undenkbar. Zumal Mercedes mit Mike Elliott auf Chassis- und mit Hywel Thomas auf Motorenseite Führungspersonal hat, das nach wie vor Wolffs Vertrauen genießt.

Der Österreicher räumt ein, dass Binotto bei Ferrari wahrscheinlich einen der schwierigsten Jobs der Formel 1 hatte: "Es war immer klar, dass er unter enormem Druck steht. Als Teamchef bei Ferrari hast du besser gute Kündigungsbedingungen vereinbart. Jetzt ist das Unausweichliche passiert. Aber er hat sich länger gehalten, als ich dachte."

"Du repräsentierst Ferrari und das ganze Land. Sie schreiben dich rauf und sie schreiben dich runter. Mit gnadenloser Brutalität. Teamchef von Ferrari zu sein, als Italiener, ist wahrscheinlich mit das Schwierigste, was es gibt. Als Fremdsprachiger liest du ja die Zeitungen nicht. Aber als Italiener stehst du voll in der Schusslinie", sagt Wolff.

Italienische Sprache ist offenbar ein Kriterium

Als Binottos Nachfolger in Maranello wird derzeit Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur gehandelt. Davor stand Elkann auch mit anderen Kandidaten wie Andreas Seidl von McLaren und, gerüchteweise, Christian Horner von Red Bull in Kontakt. Elkann wünscht sich aber im besten Fall, heißt es, dass sein neuer Teamchef Italienisch spricht.

Für Wolff ist Binottos frei gewordener Job "der aufregendste in Italien", und er ist überzeugt: "Es muss italienisches Managementtalente geben, auch in anderen Branchen, die die Power und die Intelligenz haben, um so ein Team zu führen. Irgendwie ist da aber nie jemand aufgetaucht, was ich bis heute nicht verstehe."

Interessantes Detail: Wolff spricht selbst fließend Italienisch. "Die Italiener sagen, dass ich gut Italienisch spreche, weil sie freundlich zu mir sind. Aber ich bin mir nicht sicher, ob man fließend dazu sagen kann", relativiert er. Und ein ernsthafter Kandidat auf den Binotto-Job wäre er so oder so nicht.

Denn anders als Vasseur oder Seidl, die bei ihren Teams angestellt sind, ist Wolff bei Mercedes neben seinem operativen Job auch Anteilseigner. Ihm gehört ein Drittel des deutsch-britischen Formel-1-Teams, gemeinsam mit seinen Partnern Mercedes und Ineos. Gleichwohl er zugibt, dass ein Ferrari-Job für jeden, der in der Formel 1 arbeitet, attraktiv wäre.

Wolff: Ferrari-Job wäre spannend gewesen

"Jeder, der sagt, er wäre nicht interessiert daran, Teamchef von Ferrari zu sein, sagt nicht die Wahrheit", räumt Wolff ein. "Ich muss mich bis heute zwicken, dass mir Daimler die Chance gegeben hat, als Anteilseigner einzusteigen, worauf ich sehr stolz bin. Aber wenn Ferrari um die Ecke gekommen wäre und mir so eine Position angeboten hätte, wäre es das Gleiche gewesen."

Wohin es Binotto jetzt verschlagen wird, das wird die Zukunft zeigen. Wolff "kann nicht für andere Teams sprechen", würde sich aber nicht wundern, sollte der Ex-Ferrari-Teamchef bald woanders auftauchen: "Mattia versteht die Formel 1 durch und durch. Vielleicht findet er eine Rolle in einem Team. Es gibt viele da draußen, die mögliche Ziele sein könnten."

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