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Lewis Hamilton: "Ich werde junge Fahrer sicher nie schlechtreden"

Lewis Hamilton philosophiert in der Eifel nach seinem 91. Rennsieg über die Frage, wer der Größte aller Zeiten ist - Seinen Kritikern richtet er eine klare Botschaft aus

(Motorsport-Total.com) - Wer ist der beste Formel-1-Pilot aller Zeiten? Diese Frage drängt sich nach dem Grand Prix der Eifel besonders auf, da Lewis Hamilton mit Rekordchampion Michael Schumacher bei der Anzahl der Rennsiege gleichziehen konnte. Der Brite selbst findet, dass man ihn nicht mit anderen Fahrern vergleichen könne. Außerdem richtet er ehemaligen Rennfahrern aus, dass man seine Nachfolger nicht andauernd kritisieren müsse.

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton will die nächste Fahrer-Generation ermutigen Zoom

"In allen Sportarten wird immer sehr viel darüber geredet, wer der Beste ist - in der Gegenwart und der Vergangenheit. Es ist aber fast unmöglich, die Sportler zu vergleichen, denn die Zeiten ändern sich, wir als Menschen ändern uns", findet Hamilton darauf nach seinem 91. Sieg angesprochen.

Der Brite würde einen Vergleich nur gelten lassen, wenn jeder Pilot, der von Beobachtern oder Fans gerne als "der Beste" bezeichnet wird, auch in derselben Saison im gleichen Auto gegen ihn antreten würde. Die Diskussion führt für ihn andernfalls zu keinem Ziel.

Hamilton: Der Weg ist wichtiger als das Ziel

"Es wird dauernd nur darüber gesprochen, wer der Beste ist und wer nicht. Das ist mir aber nicht wichtig. Mir ist der Weg wichtig. Ich bin stolz darauf, was ich erreicht habe und wie ich es bis hierhin geschafft habe. Ich habe definitiv Fehler gemacht, aber so ist das im Leben. Wir alle machen Fehler."

Hamilton gibt zwar selbst zu, dass es etwas "sehr besonderes" sei, als der Pilot mit den meisten Rennsiegen in die Geschichte einzugehen. Ihm geht es aber vielmehr um die Reise dorthin. "Es geht darum, was wir auf dieser Reise gemacht haben, die Hürden, die wir überwinden mussten."

Außerdem gehe jeder einen anderen Weg, auf seine eigene Art und Weise. "Ich denke, man sollte niemanden dafür kritisieren, wie er etwas macht. Ich werde sehr oft kritisiert von vielen Leuten, besonders von ehemaligen Piloten", merkt er an. Zuletzt äußerte etwa Jackie Stewart Kritik am Briten.


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Hamiltons Erfolge würden auf einem "unfairen Vorteil" basieren, so die Ansicht des Schotten. Auch Bernie Ecclestone stimmte in diesen Tenor ein. Für den ehemaligen Formel-1-Zampano seien Hamiltons Erfolge nicht mit jenen von Schumacher vergleichbar.

Der sechsfache Weltmeister richtet seinen Vorgängern aus: "Sie haben immer noch sehr starre Vorstellungen. Ich weiß nicht warum. Vielleicht kommen sie eines Tages darüber hinweg. Ich habe sehr viel Respekt vor der Vergangenheit und den Legenden, auch vor jenen, die weiterhin negativ über mich sprechen."

Der Mercedes-Pilot erkennt die Leistungen von Stewart und Co. an, das sei eine andere Zeit gewesen. "Es war unfassbar schwierig für sie damals und sie bleiben jene Legenden, die sie schon damals waren." Hamilton hat daraus noch etwas anderes gelernt: Er will nicht in das gleiche Muster verfallen, wenn er den Helm an den Nagel hängt.

"Muss mich nicht mit anderen vergleichen"

"In 20 Jahren, oder wann auch immer, wenn ich zurückblicke, dann verspreche ich, werde ich keinen jungen Fahrer schlechtreden, der gerade Erfolge feiert. Als älterer Pilot haben wir, denke ich, die Aufgabe, sie zu ermutigen." Ob Max Verstappen oder ein anderer Fahrer - viele werden Hamiltons Rekorde brechen wollen.

Das ist dem Briten bewusst. Und er will die junge Generation gar dazu ermutigen. "Es wird [nach mir] andere Fahrer geben, ob das Max sein wird oder jemand anderer, der die Rekorde, die ich aufstelle, jagen wird. Ich kann ihm nicht wünschen oder hoffen, dass er sie nicht bricht. Das wäre die falsche Herangehensweise."

Vielmehr hofft Hamilton, dass seine Nachfolger ihr Potenzial voll ausschöpfen und ihr Bestes geben. "Wenn das bedeutet, dass sie den Rekord knacken, dann wäre das großartig." Diese Ansicht hätte sich der heute 35-Jährige auch von seinen Vorgängern gewünscht.


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Er streitet auch nicht ab, dass Siege großartig sind. Aber: "Es ist wichtiger, was man außerhalb des Autos macht. Dort kann man etwas bewegen." Unter anderem wird man mit jenen Handlungen und Taten auch mitbestimmen, wie man in Zukunft erinnert wird.

Hamilton betont, dass er selbst nicht als der Größte aller Zeiten erinnert werden will. Er möchte viel mehr als jemand in die Geschichte eingehen, der sich als "guter Mensch mit den besten Absichten" um die Welt gekümmert hat. "Das ist alles."

Warum wehrt er sich gegen die Bezeichnung "GOAT" ("Greated Of All Time")? "Mir ist es nicht sehr wichtig, dass ich als der Beste oder Größte in Erinnerung bleibe. Ich habe großen Respekt vor allen Fahrern der Vergangenheit. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich mit ihnen vergleichen muss, weil ich anders bin."

"Wir alle lieben Racing & teilen diese Leidenschaft"

All jenen, die ihm Steine auf seinen Lebensweg gelegt haben, richtet er außerdem aus: "Ich erinnere mich sehr genau daran, dass sie mich beschimpft haben mit schrecklichen Ausdrücken. Ich erinnere mich an Lehrer, die mich stoppen wollten und die mir im Weg standen. Aber ich hege keine Negativität ihnen gegenüber."

Ob ehemalige Konkurrenten im Kartsport oder Klassenkameraden in Stevenage, Hamilton hofft, dass seine ehemaligen Wegbegleiter dennoch stolz sind, Teil seines Lebens gewesen zu sein. "Ich hoffe auch, dass die ehemaligen Fahrer und jene, die es nicht geschafft haben, das sehen und sie auf ihre Art und Weise erfolgreich sind. Schließlich haben wir alle eines gemeinsam, wir lieben Racing und wir alle teilen diese Leidenschaft miteinander."

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