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Nicht der Beste: Hamiltons Vorteil bei Mercedes "fast unfair", findet Stewart

Auch seine vielen Siege, Titel und Rekorde bringen Lewis Hamilton nicht auf das Niveau von Manuel Fangio und Jim Clark, findet Dreifach-Champion Jackie Stewart

(Motorsport-Total.com) - Auch wenn Lewis Hamilton in dieser Formel-1-Saison 2020 die größten Rekorde von Michael Schumacher - 91 Grand-Prix-Siege und sieben WM-Titel - brechen beziehungsweise egalisieren kann, ist Rennsportlegende Jackie Stewart nicht gewillt, den Briten zu den ganz Großen des Sports zu zählen.

Lewis Hamilton, Jackie Stewart

Jackie Stewart erkennt Hamiltons Erfolge an, sieht aber nicht als Größten aller Zeiten Zoom

"Juan Manuel Fangio ist in meinen Augen der größte Fahrer, der je gelebt hat", sagt Stewart im Podcast 'In The Fast Lane', "mit Jim Clark als zweitgrößtem Fahrer, noch vor (Ayrton) Senna (Anm. d. R.). Diese Leute fuhren manchmal nur sechs bis acht oder neun Rennen pro Jahr in der Formel 1. Sie fuhren Sportwagen, GT-Autos und so weiter."

Hamilton hingegen trete nur in einer einzigen Kategorie an, seine Erfolge würden durch längere Saisons begünstigt: "In der Weltmeisterschaft jetzt fährt Lewis Hamilton oder einer der anderen Titelanwärter 22 Rennen - nur in der Formel 1. Nicht in Tourenwagen, nicht in GT-Autos, nicht in IndyCars, nicht in Can-Am-Autos..."

"Dem Rest des Feldes gegenüber fast unfair"

Der damit einhergehende Druck sei heutzutage viel lockerer, meint Stewart. Hinzu komme, dass Hamilton durch die Dominanz von Mercedes in den vergangenen Saisons einen "fast unfairen" Vorteil genieße. "Lewis fährt extrem gut, macht keine Fehler. Ich schmälere in keiner Weise seine Fähigkeiten. Aber es ist nicht dasselbe", so Stewart.

Wieder zieht er den Vergleich zu Fangio: "Er fuhr auf eine Art und Weise, es war ganz außergewöhnlich - er würde Ferrari wählen, und dann würde er denken, naja, Maserati nächstes Jahr könnte gut sein. Also hat er nie mehr als einen Jahresvertrag unterzeichnet. Und dann fuhr er für Mercedes-Benz und gewann mit ihnen zwei Weltmeisterschaften, weil sie zu dieser Zeit die besten Autos der Welt hatten."

Hamilton wiederum habe damals "eine sehr gute Entscheidung" getroffen, McLaren zu verlassen und zu Mercedes zu gehen. "Ich ziehe meinen Hut vor ihm, weil er diese Entscheidung getroffen hat", sagt Stewart. Aber ehrlich gesagt, das Auto und der Motor sind jetzt so überlegen, dass es dem Rest des Feldes gegenüber fast unfair ist."

Stewart findet: Hamilton "nicht so gut wie Fangio"

"Man muss vor Mercedes-Benz, Toto Wolff und Niki Lauda den Hut ziehen, weil sie ein verdammt gutes Team aufgestellt haben, weil sie die besten Ingenieure ausgewählt und das beste Geld bekommen haben, das die meisten anderen Teams - abgesehen von Red Bull - nicht bekommen konnten", erklärt der Dreifach-Champion weiter.


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Damit gehe aber eben auch einher, dass es "nicht ganz derselbe Respekt" sei, den man dann aufbringt, wenn es ein Fahrer mit weniger als dem besten Auto schaffen kann. "Und genau da gab es manchmal einen Unterschied zwischen den sehr, sehr großartigen Fahrern und denen, die sehr erfolgreich waren."

Deshalb ist Hamilton aus seiner Sicht "nicht so gut wie Fangio", hält Stewart fest - und weiß, dass nicht alle dieser Meinung sind. "Viele Leute würden daran etwas auszusetzen haben. Aber ich schaue Autorennen, seit ich ein kleiner Junge war. Mein Bruder war Rennfahrer, ich fuhr mit ihm zu Rennen und sah Ascari und Nuvolari und Caracciola und solche Leute. Ich sah einige der besten Rennfahrer der Welt."

Echte Spitzenfahrer nur schwer zu identifizieren

"Zu sagen, Lewis sei der Größte aller Zeiten, wäre für mich schwer zu rechtfertigen", sagt der 81-Jährige, "allein schon wegen der Strahlkraft dessen, was die anderen Fahrer taten." Ohnehin empfindet er es als schwierig, angesichts der modernen Natur der Formel 1 die wirklich großen Fahrer unserer Zeit zu identifizieren.

"Ich glaube, ich hatte Glück, in meinem Zeitfenster zu fahren", so Stewart. "Wir hatten Jim Clark und Graham Hill und Jochen Rindt, meinen Teamkollegen Francois Cevert und ein paar andere, die wir wirklich zu den besten Rennfahrern zählen. Chris Amon, Jack Brabham. Das waren Top-Rennfahrer, wirklich top."

"Heute ist es nicht mehr so, dass man diese Leute an der Spitze unserer Profession identifizieren könnte", findet der Brite und ergänzt: "Das Tolle an meinem Zeitalter war der Ford Cosworth. Jeder hatte einen Ford Cosworth, außer Ferrari. Es gab gleiche Wettbewerbsbedingungen, die es heute einfach nicht mehr gibt."

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