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Lewis Hamilton: Froh, dass jetzt wieder James Allison am Ruder ist

In einem Interview mit ausgewählten Medien spricht Lewis Hamilton ausführlich darüber, was ihn bei Mercedes frustriert hat und warum es jetzt wieder besser ist

(Motorsport-Total.com) - Es war gleich beim ersten Test im Februar in Bahrain, dass Lewis Hamilton realisierte, dass er und Mercedes auch 2023 keinen Blumentopf gewinnen würden. Zwar beendete er die drei Tage an zweiter Position, eine Sekunde vor Titelverteidiger Max Verstappen; doch Testergebnisse können trügerisch sein, mit einer Menge Variablen, die die Rundenzeiten verzerren und nicht vergleichbar machen.

Titel-Bild zur News: James Allison und Lewis Hamilton

Lewis Hamilton ist froh, dass James Allison wieder die Verantwortung übernommen hat Zoom

Hamilton raunzte öffentlich drüber, dass er nicht verstehen kann, warum das halbe Feld die erfolgreiche Aerodynamik-Philosophie von Red Bull kopiert und damit Fortschritte macht, siehe Aston Martin - seine Mercedes-Ingenieure aber offenbar nicht zugehört haben, als er forderte, den gleichen Weg zu gehen.

Mercedes hatte das sogenannte "Zero-Pod"-Konzept 2022 eigentlich schon beerdigt, doch dann gewann George Russell in Brasilien, und plötzlich sah das 2023er-Auto wieder genauso aus. Darüber runzelten nicht nur viele Fans die Stirn, sondern auch Hamilton. Er konnte nicht verstehen, warum die Ingenieure, geführt von Technikchef Mike Elliott, seinen Input verworfen hatten.

"Ich erinnere mich dran, dass wir immer noch Bouncing hatten", sagt Hamilton über die Wintertests. "Ich erinnere mich dran, dass das Gefühl genau das Gleiche war, und es war definitiv kein gutes Gefühl."

"Ich hatte wirklich große Hoffnungen. Du trainierst über den Winter ja mit der Einstellung, dass es besser werden könnte. Wenn du siehst, wie alle in der Fabrik arbeiten, dann bekommst du das Gefühl, dass es in die richtige Richtung gehen könnte", sagt er.

Der Moment, als Hamilton das Auto sah ...

Dann kommt es im Februar irgendwann zu dem Punkt, an dem die Fahrer eine E-Mail bekommen, mit der sie 3D-Renderings und Fotos des neuen Autos runterladen können. Normalerweise ein Anlass, bei dem ein optimistischer Ruck durch das Team geht.

Hamilton räumt ein, er sei dabei 2023 im Vergleich zum Februar 2022 schon "etwas zurückhaltender" gewesen, denn 2022 hatten ihm alle vorgeschwärmt, dass das "Zero-Pod-Car" so "erstaunlich und so einmalig" sein würde, dass niemand sonst es haben würde. Was ja auch stimmte: Niemand sonst hatte so ein Auto gebaut.

Daher war Hamilton ein Jahr später schon ein bisschen skeptischer, "als ich ihnen da so zuhörte, und ich dachte mir: 'Naja, warten wir mal ab.' Und dann hatte das Auto all diese Probleme. Da wusste ich schon, dass es ein langes Jahr werden würde."

Was ist seit dem Herbst 2022 bei Mercedes passiert?

Tatsache ist: Mercedes hatte das technische Konzept 2022 eigentlich schon für beerdigt erklärt. Über den Winter wurde es dann doch beibehalten. Hamilton empfand das als Enttäuschung, fühlte sich übergangen. Technisch verantwortlich war Mike Elliott als Technischer Direktor. Und der ist inzwischen nicht mehr bei Mercedes. Ende Oktober verkündete das Team die Trennung.

Einvernehmlich, wie es offiziell heißt, und nicht wegen Hamiltons Aussagen, die Ingenieure hätten ihm nicht zugehört. Eine Story, die im Paddock der Formel 1 keiner so recht glauben mag. Aber auch Hamilton unterstreicht: "Mir ist wichtig, dass die Menschen wissen, dass ich mit Mikes Abgang nichts zu tun hatte."

"Ich kenne Mike schon von damals, als er noch bei McLaren war. Ich hatte eine tolle Beziehung zu ihm. Ich habe ihn bewundert, weil er so smart ist und ich so viel von ihm lernen konnte. Ganz egal, was ich auch über das Auto wissen wollte: Er hatte auf alles eine Antwort, obwohl das für jemanden in seiner Position nicht so leicht ist."

Hamilton betont: "Oft werden Dinge solchen Personen zugeschrieben, aber letztendlich ist es immer das Kollektiv. Es müssen alle Puzzleteile zusammenpassen, es geht nie nur um eine Person. Aber leider gibt es da draußen Leute, die denken, dass es der Fehler einer einzelnen Person war. Das ist es nie."

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Lewis Hamilton Fanartikel

Das hat übrigens auch nie jemand behauptet. Dass Elliott als Technischer Direktor und später Chief Technical Officer (CTO) aber in der technischen Gesamtverantwortung stand und letztendlich für die Fehlleistung einer ganzen Ingenieursgruppe die Verantwortung übernehmen musste, ist die Story, die man sich im Paddock erzählt.

Wie Hamilton zu den Spekulationen über Elliott beiträgt

Und dazu trägt auch Hamilton selbst (womöglich ungewollt) bei, wenn er erzählt, dass man zwei Jahre lang keinen Fixstern im Team gehabt habe und dieser jetzt wieder zurück sei. Zur Erinnerung: Im April 2021 übernahm Elliott für genau zwei Jahre die Rolle des Technischen Direktors von James Allison, ehe ihm dieser Job im April 2023 wieder weggenommen und er zum CTO gemacht wurde.

"Ich glaube, dass wir jetzt wieder einen Fixstern haben. Zwei Jahre lang hatten wir keinen", sagt Hamilton. Er spricht auch vage von "Entscheidungen, die in eine Sackgasse geführt haben", und erklärt, wie Mercedes aufgrund der Budgetgrenze nicht einfach alles über den Haufen werfen und neu bauen konnte.

Red Bull habe, in einer Analogie gesprochen, seit Bahrain 2022 die ganze Zeit einen Ziegelstein auf den anderen gesetzt, und die Mauer sei dabei immer größer und stabiler geworden. Mercedes hingegen stand vor einer Wand, die man einreißen und neu aufbauen musste.

Hamilton erzählt: "Wir hatten am letztjährigen Auto eigentlich viel Anpressdruck, aber wir hatten Bouncing und musste eine Tonne Anpressdruck wegnehmen und dann langsam wieder hinzufügen. Aber jedes Mal, wenn wir Anpressdruck hinzufügen wollten, wurde es wieder schlimmer. Also konnten wir uns lange Zeit nicht verbessern."

Immerhin glaubt Hamilton, dass Mercedes die Irrphase in der technischen Entwicklung jetzt hinter sich gelassen hat: "Wir verstehen das Auto viel besser. Wir haben im Hintergrund großartige Werkzeuge entwickelt." Daher sagt er, mit der ernüchternden Erfahrung der vergangenen beiden Jahre: "Ich hoffe. Aber ich halte nicht gerade den Atem an vor Aufregung."

Wie Hamilton die Elliott-Zeit verteufelt und von Allison schwärmt

Und auch wenn Hamilton explizit betont, dass Elliott mit all dem nichts zu tun habe, so ist doch auffällig, wie negativ er über die zwei Jahre spricht, die Elliott verantwortet hat, und wie er gleichzeitig in den höchsten Tönen von Allison schwärmt, der Elliott im April 2023 wieder abgelöst hat, um für 2024 zu retten, was zu retten ist.

"James", sagt Hamilton, "hat diese Führermentalität, mehr als jeder andere Ingenieur, den ich je getroffen habe. Er stellt sich mit dem Schwert vor seine Gruppe und ruft: 'Los, laufen wir gemeinsam ins Feuer!' Und ich glaube, er impft seinen Leuten enormes Selbstvertrauen ein. Er spricht so eloquent und er hält quasi jede Woche eine Ansprache vor dem Team."

"Sogar wenn ich vor dem Team etwas sagen muss, überlege ich mir, wie er das machen würde, weil er das so gut kann. Er schreibt tolle E-Mails. Sagt jedem, wie es ist und was wir zu tun haben, und energetisiert das ganze Team. Ich freue mich wirklich drüber, dass er zurück ist [...] und dass er den nötigen Antrieb für den Job wieder gefunden hat", sagt Hamilton.


Brisante Story: Wollte Hamilton wirklich zu Red Bull?

Lewis Hamilton, das berichtet die Daily Mail vor dem Grand Prix von Abu Dhabi, wollte 2023 zu Red Bull wechseln. Aber Hamilton bestreitet das. Weitere Formel-1-Videos

Auf der anderen Seite beschreibt Hamilton die Situation, als noch Elliott Technischer Direktor war, so: Es sei viel geredet worden ("big talks"), aber "niemand wusste genau, was das Problem war, und niemand hatte eine Lösung parat". Jetzt habe man wieder "viel bessere Meetings" als früher, und die Stimmung sei insgesamt optimistischer.

Hamilton: "Ja, es hat frustrierende Momente gegeben"

Nach den Wintertests, räumt Hamilton ein, habe es "Frust" gegeben, "weil ich um gewisse Änderungen gebeten hatte, und die wurden ganz eindeutig nicht erledigt. Also, ja, es hat frustrierende Momente gegeben. Aber so ist das halt, wenn du an etwas arbeitest."

"Uns fällt das ja alles nicht in den Schoß. Das kann manchmal schon frustrierend sein. Aber dann musst du deine Energie in die Arbeit kanalisieren. Es gibt nichts, was du unternehmen kannst, außer hart daran zu arbeiten, die Situation zu verbessern. Zum Glück habe ich da viel Erfahrung aus meinem Leben. Daher ist mir das ganz gut gelungen."

"Dieses Jahr war es so, dass die Fundamentaldaten gut waren, also dachten wir, wir müssen so weitermachen. Aber dem war nicht so. Das hat mich im Februar so frustriert, weil sie nicht geändert hatten, worum ich gebeten hatte", sagt Hamilton - und hofft, dass man jetzt wieder mehr auf ihn hört, wenn er etwas zu sagen hat ...

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