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Leclerc wähnte sich auf Podiumskurs: Dachte, Verstappen sei ausgeschieden!

Charles Leclerc war überzeugt davon, in Suzuka aufs Podium zu fahren, bis er nach dem Rennen das Ergebnis sah und sein Name nur auf Platz 4 aufschien

(Motorsport-Total.com) - Charles Leclerc war beim Grand Prix von Japan in Suzuka bis in die letzte Runde hinein felsenfest davon überzeugt, aufs Podium zu fahren. "Dann habe ich auf die Tafel geschaut und gesehen, dass ich Vierter bin", erinnert er sich. Der Ferrari-Pilot hatte auf einer Videowall einen Red Bull gesehen, als der an die Box geschoben wurde. "Ich dachte, Max sei nicht mehr im Rennen." Dabei war das Sergio Perez und nicht Verstappen!

Titel-Bild zur News: Charles Leclerc, Carlos Sainz

Charles Leclerc stellte während des Rennens in der Schikane seinen Fahrstil um Zoom

Leclerc fuhr letztendlich als Vierter über die Ziellinie, 44,0 Sekunden hinter Sieger Verstappen und 7,5 Sekunden hinter Oscar Piastri. "Die McLarens waren heute wirklich stark", sagt er. "Ihre Pace war besser als unsere. Sie hatten in dieser Saison auch nicht immer den besten Reifenverschleiß. Aber ich bin mit dem Ergebnis trotzdem zufrieden."

Letztendlich fuhr Leclerc ein einsames Rennen. Am Start kam er zwar nicht gut von der Linie weg, konnte aber den vierten Platz halten. Am Boxenfunk fragte er: "Was ist am Start passiert, habe ich was falsch gemacht?" Doch sein Renningenieur Xavier Marcos Padros beruhigte ihn: "Wir hatten weniger Grip als erwartet. Die Prozedur war in Ordnung."

Schikane: Wie Leclerc seinen Fahrstil umgestellt hat

Danach zogen vorn Verstappen und die McLarens weg, und Leclerc fuhr sein eigenes Rennen. Irgendwann hörte er am Boxenfunk: "Wir müssen den Ausgang Kurve 17 verbessern. Dort verlieren wir jede Runde eine Zehntel." Etwas später hieß es: "Kurve 16/17 war letzte Runde besser. Wir brauchen aber noch mehr. Wir müssen am Ausgang Kurve 16 etwas opfern, um Kurve 17 besser hinzubekommen."

Kurve 16/17, das ist die Schikane vor Start und Ziel. Und im ersten Rennabschnitt gab's dort immer das gleiche Muster: Leclerc bremste etwas später, aber dafür härter als sein Teamkollege Carlos Sainz, und musste dafür mitten in der Schikane die Bremse nochmal antippen. Später im Rennen passte sich Leclerc an. "Du machst jetzt einen guten Job in Kurve 16/17", lobte ihn Marcos Padros.

Und noch ein weiteres Muster zog sich das ganze Rennen durch: Ferrari war zwar auf den Geraden schneller als McLaren, in den schnellen Kurven aber deutlich langsamer. Allein in den S-Kurven verlor Leclerc in den meisten Runden des Rennens rund vier Zehntelsekunden auf Lando Norris. "Der erste Sektor ist im Vergleich zu McLaren unsere größte Schwäche", weiß er.

Leclerc: In Katar können wir wieder Nummer 2 sein

Leclerc sieht das aber nicht nur negativ: "Ein Wochenende wie dieses ist gut für uns, weil es genau das bestätigt, was wir in den letzten paar Rennen dazugelernt haben. Das ist eine Charakteristik, die werden wir bis zum Saisonende nicht mehr ändern können. Auf solchen Strecken ist McLaren einfach stark. Aber in Katar hoffe ich, dass wir wieder das zweitstärkste Team sein werden."

Auch Teamchef Frederic Vasseur weiß genau: "Wir waren im Qualifying ein paar Hundertstel langsamer als McLaren. Dadurch hatten sie im Rennen niemanden vor sich und waren ein bisschen schneller als wir. Das ganze Wochenende. Auf solchen Strecken müssen wir wahrscheinlich noch einen kleinen Schritt machen."

Konstrukteurs-WM: Ferrari knabbert am Vorsprung von Mercedes

Doch auf McLaren hat Ferrari nach 16 von 22 Grands Prix der Formel-1-Saison 2023 113 Punkte Vorsprung. Der Gegner im Kampf um Platz 2 heißt Mercedes. Auf Hamilton/Russell haben Leclerc/Sainz in Suzuka vier Punkte gutgemacht. Trotzdem fehlen noch 16 Punkte, um Mercedes zu überholen.

Der Trend spricht für Ferrari. Seit der Sommerpause hat die Scuderia schon 36 Punkte aufgeholt, also durchschnittlich neun pro Rennwochenende. Wenn es Ferrari gelingt, diesen Trend beizubehalten, zieht man schon beim Grand Prix der USA in Austin an Mercedes vorbei. Aber das ist Stand heute nur theoretische Mathematik.


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Leclerc: Mercedes hatte eine "interessante" Strategie

Leclerc lief gegen Rennende in Suzuka auf Russell auf, der sich an einer Einstoppstrategie versucht hatte. Mit den um zehn Runden frischeren Reifen hatte er leichtes Spiel. "Ich musste aggressiv sein, um George schnell zu überholen. Danach musste ich nur noch die Reifen managen, und das haben wir gut gemacht", analysiert Leclerc.

Mercedes habe Ferrari "am Ende unter Druck gesetzt. Sie haben ihre Autos gesplittet. Eine interessante Strategie. Sie sind vor allem im Rennen stark. Im Qualifying sind sie manchmal nicht so konstant. Es wird ein interessanter Kampf, denn wir sind manchmal nicht so konstant im Rennen, sie sind manchmal nicht so konstant im Qualifying", sagt Leclerc.

Doch Ferraris Aufwärtstrend ist unübersehbar. Nach Sainz' Sieg in Singapur hat das Team jetzt auch auf einer ganz anderen Strecke bewiesen, dass man zumindest auf Augenhöhe mit Mercedes ist. Leclerc sagt: "Ich habe ein Gefühl, dass wir dieses Wochenende ein paar Dinge gelernt haben, mit denen wir für den Rest der Saison die Oberhand behalten sollten."