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Kubica erneuert Kritik: BMW hat 2008 einzige Titelchance weggeworfen

Robert Kubica glaubt bis heute, er hätte 2008 möglicherweise Weltmeister werden können, wenn BMW damals mehr in die Entwicklung des Autos gesteckt hätte

(Motorsport-Total.com) - "Ich bedauere es bis heute", sagt Robert Kubica, als es im Interview mit 'GP Racing' um die Formel-1-Saison 2008 geht. Zwar war es mit dem einzigen Sieg seiner Formel-1-Karriere, WM-Platz vier und der zwischenzeitlichen WM-Führung die erfolgreichste Saison in Kubicas Zeit in der Königsklasse. Doch dem verpassten WM-Titel trauert der Pole bis heute nach.

Nick Heidfeld, Mario Theissen, Robert Kubica, David Coulthard

Hat BMW nach dem Sieg in Kanada nicht mehr genug Gas gegeben? Zoom

Bereits in der Vergangenheit kritisierte er BMW dafür, damals nicht genug riskiert und nicht alle Energie in den Titelkampf gesteckt zu haben. "Ich habe noch exakt die gleiche Sichtweise wie vor zwölf Jahren", erneut Kubica seine Kritik nun. Er habe schon damals das Gefühl gehabt, dass es "unsere einzige Chance" auf den WM-Titel sein könnte.

"Ich habe mir damals gedacht, dass wir unsere Chancen nutzen müssen. Denn man weiß im Leben nie, wann man noch einmal eine zweite Chance bekommt", so Kubica, der mit dieser Meinung auch nicht alleine dastehe. Er verrät: "Zehn Jahre später habe ich einige der Mechaniker getroffen, die damals dabei waren, [...] und sie haben exakt die gleiche Sichtweise."

"Sie bedauern es, weil wir letztendlich keine weitere Chance mehr bekommen haben", so Kubica. Das Auto für die Saison 2009 sei anschließend "eine große Enttäuschung" gewesen. "Leider ist genau das passiert, vor dem ich Angst hatte", ärgert sich Kubica. Denn nach der enttäuschenden Saison 2009 zog sich BMW komplett aus der Formel 1 zurück.

Ziel für 2008 war nur ein Rennsieg

Eine Chance wie 2008 gab es nie wieder. "Wir hatten [2008] nicht das schnellste Auto, das ist Fakt. Und normalerweise gewinnt das schnellste Auto die Meisterschaft", weiß Kubica. Trotzdem führte er die WM nach dem siebten Rennen in Kanada an. "Ferrari und McLaren waren auf manchen Strecken stärker als andere, aber sie hatten technische Probleme und machten Fehler", erinnert er sich.

Der spätere Weltmeister Lewis Hamilton verpasste beispielsweise in den ersten acht Saisonrennen dreimal die Punkte und Vizechampion Felipe Massa startete mit zwei Ausfällen ins Jahr. "So ging ich in der Meisterschaft in Führung und konnte lange [um den Titel] kämpfen, obwohl wir nicht das schnellste Auto hatten", erinnert sich Kubica zurück.


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Bis zum vorletzten Rennen in China hatte Kubica damals zumindest noch rechnerische Chancen auf den Titel. Umso unverständlicher ist es für ihn, dass BMW damals einige Updates zurückgehalten habe. "Noch ärgerlicher war, dass wir einige Teile am 2008er-Auto testeten, die viel mehr Performance brachten. Aber die haben wir für 2009 aufgehoben", berichtet er.

"Letztendlich kann man nie wissen, ob wir [den Titel] gewonnen hätten oder nicht", gesteht Kubica. Er hätte sich aber gewünscht, dass BMW zumindest härter gepusht hätte. "Damals ging es einfach darum, die Ziele zu erreichen. Und ich erinnere mich, dass wir damals [für die Saison 2008] das Ziel hatten, ein Rennen zu gewinnen", so Kubica. Das schaffte man bereits in Kanada.

Fokus zu früh auf 2009 gelegt?

"[BMW-Motorsportdirektor] Mario Theissen sagte, es sei unser Ziel, aus eigener Kraft ein Rennen zu gewinnen. [...] Dann fragte jemand, ob es unser Ziel sei, um die Meisterschaft zu kämpfen. Er verneinte das", verrät Kubica und erklärt: "[Nach Kanada] hat ein weiteres Ziel gefehlt. 2009 war ein weiteres Ziel, aber die Meisterschaft 2008 ging noch fünf oder sechs Monate."

"Ich erinnere mich an Fuji, wo ich mich als Sechster qualifizierte und Nick [Heidfeld] als 16. Unsere Performance war im Nirgendwo. Trotzdem führte ich in einer Runde und wurde Zweiter. Wenn wir die Teile verwendet hätten, die wir drei Monate zuvor getestet hatten, bin ich mir sicher, dass ich dieses Rennen gewonnen hätte", nennt Kubica ein Beispiel.


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Statt sich auf den Titelkampf zu konzentrieren, habe BMW bereits einen großen Fokus auf die Saison 2009 und die damals großen Regeländerungen gelegt. "Für BMW war 2009 ein sehr wichtiges Jahr", erklärt Kubica, der den Grund dafür damals noch nicht gekannt habe. Später habe er aber realisiert, warum man so viele Ressourcen bereits auf 2009 verlagert habe.

"Ich denke, dass jemand wusste, dass die Gefahr bestand, dass BMW aussteigen könnte, wenn wir [2009] nicht konkurrenzfähig sind", so Kubica. Er selbst habe das damals aber noch nicht geahnt. Rückblickend sieht er daher ein, dass es "vielleicht die richtige Entscheidung war", wegen der umfangreichen Regeländerungen früh auf die Saison 2009 zu setzen.

Hätte man den Ausstieg abwenden können?

"Sie waren begeistert von der KERS-Technologie. Wir waren vielleicht das erste Team, dass das KERS-Auto testete", erinnert er sich zurück. Trotzdem geriet die Saison 2009 zum Debakel und BMW verabschiedete sich Ende des Jahres aus der Königsklasse. "Im August haben wir erfahren, dass BMW sich entschieden hatten, aus der Formel 1 auszusteigen", verrät Kubica.

Nach dem Rennen in Ungarn habe er sich vom Team noch ganz normal in die Sommerpause verabschiedet. "Zwei oder drei Tage später bekam ich einen Anruf und man sagte mir, dass BMW morgen seinen Ausstieg aus der Formel 1 verkünden werde. Das war für alle ein Schock. Ich glaube, dass ich noch einen Vertrag für mindestens ein weiteres Jahr hatte", so Kubica.


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"Wenn wir 2009 konkurrenzfähiger gewesen wären, dann wäre es für BMW vermutlich schwieriger gewesen, aufzuhören", glaubt er. Doch das passierte ebenso wenig wie der WM-Titel 2008. "Ich bedauere es bis heute, aber ich weiß auch, dass ich Glück hatte, in dieser Position zu sein. Denn es gibt viele talentierte Piloten, die nie diese Chance hatten", erklärt Kubica.

Übrigens gibt es auch Gegenstimmen zu Kubicas These, BMW habe Ende der Saison 2008 zu wenig investiert. Der damalige Motorsportdirektor Mario Theissen erklärte jüngst im Podcast 'Starting Grid', er sehe "diese Vernachlässigung nicht", und Kubicas damaliger Teamkollege Nick Heidfeld sagte gegenüber 'Beyond The Grid', BMW habe damals "überhaupt nicht" nachgelassen, räumte aber ein: "Sie haben auch nicht mehr Gas gegeben."

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