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Keine Luftnummer: Cleveres Sauber-Team

Das Sauber-Team verrät, wie man es geschafft hat, so schnell zu reagieren und schon jetzt ein System zum Abriss des Luftstroms auf den Heckflügel hat

(Motorsport-Total.com) - Als erstes Team probierte Sauber am Freitagmorgen in Melbourne eine Lösung aus, mit der man die Idee des Heckflügel-Tracks von McLaren-Mercedes nachahmen möchte. Dabei hat das Schweizer Team die Lösung des britischen Konkurrenten nicht identisch umgesetzt, sondern eine alternative Variante gewählt. Nur so war man überhaupt in der Lage, so schnell zu reagieren.

Kamui Kobayashi

Auch das Sauber-Team arbeitet fieberhaft an einer Reduktion des Luftwiderstands

Teamchef Peter Sauber erklärt, dass man nichts von McLaren-Mercedes abgekupfert hat: "Das wäre in der Kürze der Zeit gar nicht möglich gewesen. Das ist unser eigenes System, und wenn es vom Prinzip her Ähnlichkeiten mit dem von McLaren aufweist, kann es nur heißen, dass wir zur gleichen Zeit die gleiche Idee hatten", wird der Schweizer von 'auto motor und sport' zitiert.#w1#

Der Lufteinlass ist bei Sauber nicht vor dem Cockpit der Piloten platziert, sondern auf dem linken Seitenkasten. Die Luft strömt durch den linken Seitenkasten und wird vor den Heckflügel geleitet. Dort funktioniert das System dann so wie jenes von McLaren. Der Luftstrom wird durch die gezielt platzierte Luft zum Abreißen gebracht, sodass sich der Luftwiderstand des Autos reduziert und die Höchstgeschwindigkeit auf den Geraden zunimmt.

Die Luft wird nicht nur an anderer Stelle eingelassen, sie entweicht auch an einer anderen Position als dies bei McLaren der Fall ist. Beim britischen Rennstall ist der Schlitz im oberen Element des Heckflügels integriert, bei Sauber tief im unteren.

Hinzu kommt, dass Sauber die Idee von McLaren-Mercedes nicht kopiert haben kann, da man bereits seit "geraumer Zeit" an einer entsprechenden Lösung arbeitet, um die Strömung am Heckflügel bei Bedarf abreißen zu lassen, wie Willy Rampf erklärt: "Ich bin mir sicher, dass alle Teams in diese Richtung arbeiten. Vielleicht haben wir das Thema etwas weiter vorangetrieben, was erklärt, dass wir jetzt bereits eine Lösung haben."

Wie der Bayer verrät, wollte man zunächst ein automatisches System entwickeln, da man sich nicht vorstellen konnte, dass es der Automobilweltverband FIA gestattet, dass der Fahrer auf das System Einfluss nehmen kann. Als man jedoch in Bahrain die McLaren-Lösung absegnete, modifizierte Sauber kurzerhand das eigene System.

Da beweglich Aerodynamik-Teile in der Formel 1 verboten sind, hatte der Rennstall aus Hinwil eine Lösung entwickelt, bei der der Staudruck im Rohr automatisch kontrolliert, wie groß der Druck der Luft im Kanal ist, welcher in das Flügelelemente führt.

Dieses System hatte den Nachteil, dass der Übergang fließend ist, während nun der Fahrer quasi wie ein Schalter entscheiden kann, ob er den Anpressdruck reduzieren möchte oder nicht. Der Fahrer kann so schon Ausgangs einer Kurve das System aktivieren, während ein automatisierte System eine bestimmte Geschwindigkeit erfordert hätte.


Fotos: Sauber, Großer Preis von Australien


Der Rennstall von Peter Sauber konnte das System im Windkanal nicht testen, da dort nur noch Geschwindigkeiten von maximal 180 km/h zulässig sind. Somit war es dem Team zu riskant, das System schon beim ersten Rennen in Bahrain einzusetzen. Nun hat man nach der Freigabe der FIA das System mit einer Fahrer-Steuerung kombiniert. Pedro de la Rosa und Kamui Kobayashi können entscheiden, ob sie ihr Knie oder ihre Hand nutzen, um das System zu aktivieren.

Die anderen Teams kämpfen derzeit damit, die Idee irgendwie umzusetzen. Denn die Chassis sind seit diesem Jahr homologiert, dürfen also nicht verändert werden. Es ist somit nicht möglich, ein Loch in sie zu bohren.

Sauber hat das Problem gelöst, indem man eines der Löcher nutzt, das für den Kabelbaum verwendet wird. Dieses war groß genug, um einen Luftschlauch unter zu bekommen. Der Einlass vorne ist am Seitenkasten montiert, und dieser wird vom Reglement nicht als Chassis betrachtet.

In Melbourne wird das System jedoch im Verlauf des weiteren Wochenendes nicht mehr zum Einsatz kommen. Die Ingenieure konnten nicht ausreichend Daten sammeln, und so musste wieder auf dem konventionellen Heckflügel umgerüstet werden. Kommendes Wochenende in Malaysia kommt das System jedoch zumindest im Freien Training wieder zum Einsatz.

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