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Jacques Villeneuve: Gilles war Held, aber kein Vater

Ex-Formel-1-Weltmeister Jacques Villeneuve über sein gespaltenes Verhältnis zu seinem Vater Gilles: "Irgendetwas lief falsch" - Familienleben nicht vorhanden

(Motorsport-Total.com) - In der Formel 1 tauchen immer wieder Sprösslinge berühmter Rennfahrerfamilien auf. Aktuell mischen Nico Rosberg (Mercedes), Carlos Sainz jun. (Toro Rosso) und Max Verstappen die Grand-Prix-Szene auf. Oftmals wird den Nachwuchspiloten mit berühmten Vätern unterstellt, nur wegen des bekannten Nachnamens einen Aufstieg im Motorsport geschafft zu haben. Dass dies nicht immer der Fall ist, wird am Beispiel von Jacques Villeneuve deutlich.

Jacques Villeneuve

Jacques Villeneuve hatte am Ende wenig Kontakt zu seinem Vater Gilles Zoom

Der Vater des Formel-1-Weltmeisters von 1997, Gilles Villeneuve, gilt als große Legende. Der Kanadier galt als Draufgänger und als kommender Champion, bis ihn ein Unfall in seinem Ferrari in Zolder 1982 das Leben kostete. "Er war mein Held. Aber irgendetwas lief auch falsch", meint Jacques Villeneuve im Interview mit 'CNN'. Als der talentierte Vater in Belgien starb, war sein Sohn gerade einmal elf Jahre alt. Er habe seiner Mutter sofort ansehen können, was passiert war, als der schreckliche Anruf bei der Familie einging.

Zwei Wochen lang trauert der Sohn um seinen Vater, dann holt ihn die Gegenwart ein. Als Elfjähriger rückt er in die Rolle des "Mannes im Haus" - er kümmert sich so gut es geht um seine Mutter und Schwester. An dieser Aufgabe wächst der junge Nachwuchspilot. Es härtet ihn ab, macht ihn bereit für spätere Aufgaben in seinem Beruf. "Auf traurige Art und Weise war es also gut für mich, dass mein Vater gestorben ist", meint der 44-jährige Hobbymusiker aus Kanada.

Das Fehlen des Vaters wird überspielt - mit größerer Leichtigkeit als jemals erwartet. "Ich hatte ihn damals schon etwa zwei Jahre lang nicht mehr zu Gesicht bekommen. In dieser Zeit war er faktisch kein Vater", beschreibt Jacques Villeneuve die damalige Situation in der Familie. "Ich lebte eineinhalb Jahre lang auch nicht zuhause, sondern in den Bergen bei Freunden, weil ich dort auch zur Schule ging." Der Formel-1-Champion von 1997 wuchs in der Schweiz auf, ging dort in ein Internat.

"Es herrschte damals kein Familienleben mehr bei uns, er verschwand jeweils für zwei Monate. Und wenn er zurückkehrte, war er auch nicht wirklich da, denn er kam nach Hause, um auf seinem Boot zu spielen", sagt Jacques Villeneuve, der heute selbst Vater von drei Söhnen ist. Von einer intensiven Förderung der Rennfahrerkarriere könne überhaupt keine Rede sein. "Es war jene Generation, in der die Töchter sehr viel beliebter waren als die Söhne, alles war also irgendwie eigenartig."