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Hülkenberg: "Konzentration auf 2013 sollte uns helfen"

Nico Hülkenberg erklärt, warum er immer noch auf die Trendwende bei Sauber hofft, wie er den Transferpoker für 2014 anlegt und wie er die finanzielle Lage einschätzt

(Motorsport-Total.com) - Nico Hülkenberg hat turbulente Tage hinter sich: Das Sauber-Team wurde von russischen Investoren gerettet, die 2014 den 18-jährigen Sergei Sirotkin im Cockpit sehen wollen. Der talentierte Emmericher hat die Hoffnung auf einen versöhnlichen Saisonabschluss noch nicht aufgegeben, zumal sein Rennstall neue Teile in Ungarn hat, seine Zukunft ist aber ungewiss. Im Tischgespräch vor dem Hungaroring-Wochenende spricht er über die aktuelle finanzielle Lage bei Sauber und über seine Herangehensweise, was den Transferpoker für 2014 angeht.

Nico Hülkenberg

Hülkenberg und das Sauber-Team haben die Saison 2013 noch nicht abgeschrieben Zoom

Frage: "Nico, sind die Updates, die ihr beim Young-Driver-Test ausprobiert habt, ein großer Unterschied?"
Nico Hülkenberg: "Man merkt es auf jeden Fall. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wir haben ein neues Heck, einen neuen Unterboden und ein paar Kleinigkeiten. Es ist denke ich ein Schritt nach vorne für uns, inwiefern es uns jetzt nach vorne spülen wird, ist aber ungewiss. Nicht nur hier, sondern an den nächsten Rennwochenenden."

Frage: "Verwendet ihr die Updates an beiden Autos?"
Hülkenberg: "Ja."

Frage: "Ist dieses Wochenende die letzte Gelegenheit, mit den Updates den Weg zurück zu finden?"
Hülkenberg: "Es ist nicht die letzte Chance. Ende August und Anfang September geht es weiter. Ich glaube nicht, dass das Team dieses Auto aufgegeben hat. Wir arbeiten immer noch daran und bringen Updates."

Frage: "Warum soll es jetzt besser werden?"
Hülkenberg: "Wir arbeiten immer noch am diesjährigen Auto. Ich glaube, dass wir bis nach der Sommerpause am aktuellen Auto arbeiten werden, um mehr Performance zu finden. Andere Teams konzentrieren sich bereits zur Gänze auf 2014, wir haben noch nicht aufgegeben. Das ist einer der Gründe, vielleicht auch die neuen Reifen, aber das werden wir erst sehen."


Fotos: Großer Preis von Ungarn


Frage: "Wie schwierig ist die Lage für dich als Fahrer, zumal du ja bei deiner Vertragsunterzeichnung ein stärkeres Auto erwartet hast?"
Hülkenberg: "Ja, es läuft nicht wie erwartet. Aber es ist wie es ist - eine neue Erfahrung und Herausforderung, den Kopf nicht hängen zu lassen. Ich habe einen Wechsel gemacht, der im Nachhinein nicht so gut aussieht, aber jetzt muss ich eben mein Bestes geben. Ich denke darüber also nicht so viel nach und versuche einfach, das Beste aus mir, Team und Auto herauszuholen."

Frage: "Die Paydriver-Debatte ist seit den Gerüchten um den 18-jährigen Sirotkin bei Sauber aufgeflammt. Kannst du aus deiner Sicht beschreiben, wie schwierig es ist, ohne großen Sponsor ein Cockpit zu kriegen?"
Hülkenberg: "Beschreiben kann ich das glaube ich gar nicht richtig. Ich habe diese Erfahrung gemacht, aber wie schwer das ist, weiß ich nicht. Ich sitze jetzt hier in meinem Sattel. Wie fest man in dem Sattel drinsitzt, weiß man nie ganz genau, aber ich denke, dass ich ordentliche Arbeit mache und das auch von meinem Team honoriert wird."

Frage: "Wirkt sich der Plan mit Sirotkin auf deine Zukunftspläne aus?"
Hülkenberg: "Nein, das glaube ich nicht."

"Man kann sich in diesem Geschäft nie hundertprozentig sicher sein." Nico Hülkenberg

Frage: "Bist du selbstbewusster, was deine Zukunft angeht, als nach deiner Debütsaison bei Williams?"
Hülkenberg: "Bei Williams war mir die Lage lange nicht bewusst - erst gegen Ende der Saison. Ich bin zuversichtlich, fühle mich wohl in meiner Haut. Man kann sich in diesem Geschäft nie hundertprozentig sicher sein, aber ich glaube, dass meine Arbeit ordentlich genug ist, damit es von den Leuten wahrgenommen wird."

Frage: "Freut es dich, dass einige sagen, dass McLaren dich statt Perez hätte nehmen sollen?"
Hülkenberg: "Nicht wirklich. Die Entscheidung wurde anders getroffen. Diese Meinungen zu hören, ist schön, aber das ändert meine Lage nicht."

Frage: "Wie ist das für euch Fahrer, dass man auf einen Sponsor angewiesen ist?"
Hülkenberg: "Es ist nicht der richtige Gedanke dahinter. Es handelt sich um die 'Königsklasse' des Motorsports, und wenn dann Fahrer aus anderen Gründen hereinkommen, dann ist das nicht der Hauptgedanke, aber es ist nichts Neues. Jetzt vielleicht ein bisschen mehr als in der Vergangenheit. Man muss damit klarkommen, aber darüber zerbreche ich mir nicht jeden Tag den Kopf."

Frage: "Inwiefern bist du in die Pläne mit den russischen Partnern eingeweiht?"
Hülkenberg: "In die ganzen Details bin ich nicht eingeweiht."

Frage: "Ändert das was für dich?"
Hülkenberg: "Nein."

Frage: "Wie wichtig ist es für das Team und für dich, dass es neue Investoren gibt?"
Hülkenberg: "Es ist sehr wichtig, denn neue und frische finanzielle Unterstützung und eine gute Partnerschaft ist in der Formel 1 immer gut. Das sind definitiv sehr gute Neuigkeiten, die das Team einen Schritt vorwärts bringen sollen."

Frage: "Glaubst du, dass gehalten wird, was man versprochen hat?"
Hülkenberg: "Ich war an diesem Deal nicht beteiligt, ich kenne nicht alle Details. Das muss man das Management oder Monisha fragen. Mir wurde jedenfalls gesagt, dass alles passt."

Frage: "Man misst sich ja mit dem Teamkollegen. Wie ist dein Eindruck von Esteban Gutierrez?"
Hülkenberg: "Esteban musste in den ersten vier Rennen seine Erfahrungen machen, sich die Hörner abstoßen. Er hat ein bisschen Lehrgeld zahlen müssen. Das haben wir alle gemacht - ich auch in meinem ersten Jahr. Man muss erstmal viel lernen, aber ich glaube, er macht eine sehr gute Entwicklung durch und sieht manchmal auf dem Papier schlechter aus als er es wirklich ist. Ich sehe ja alle Daten und sehe, dass er ordentliche Arbeit leistet. Er lernt."

"Vielleicht bringt ein starker Teamkollege noch etwas Extraspeed." Nico Hülkenberg

Frage: "Will man nicht gefordert werden? Ist es nicht etwas anderes, wenn der Teamkollege immer auf Augenhöhe oder manchmal schneller ist?"
Hülkenberg: "Jein. Auch wenn man eine Sekunde schneller ist als der Teamkollege, geht man in Q2 raus und quetscht alles raus. Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es schon so, wenn man weiß, wir sind auf Augenhöhe, ich muss alles richtig machen. Vielleicht bringt das noch etwas Extraspeed. Schwer zu sagen - da kann man lange darüber diskutieren."

Frage: "Welche drei Faktoren haben bei dir für die Cockpitwahl 2014 Priorität?"
Hülkenberg: "Performance - und dann muss natürlich das Gesamtbild stimmen. Aber die Performance steht ganz vorne. Details wie die Laufzeit und die Perspektiven kommen danach."

Frage: "Nächstes Jahr kommt ein neues Reglement. Daher wird es schwer, so zu schlussfolgern wie in den vergangenen Jahren. Wie machst du das?"
Hülkenberg: "Wie soll man das machen? Das ist schwierig. Wie soll man das messen? Es gibt nichts messbares, aber viele Spekulationen über Motoren und wer das beste Paket hat. Wissen wird man das erst Anfang oder Mitte nächsten Jahres."

Frage: "Welche Rolle spielt der Wohlfühlfaktor - ob man einen Draht hat zum Team?"
Hülkenberg: "Ist auch wichtig, aber nicht das entscheidende Detail."