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  • 07.12.2010 10:12

Horner enttäuscht über Webbers Verheimlichung

Red-Bull-Teamchef Christian Horner wusste nichts über die Schulterverletzung von Mark Webber - Steht die Zukunft des Australiers bei Red Bull auf dem Spiel?

(Motorsport-Total.com/SID) - Mark Webbers Zukunft als Teamkollege von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel bei Red Bull ist seit Anfang dieser Woche äußerst fraglich. Teamchef Christian Horner wertet die Tatsache, dass der Australier die letzten vier Rennen der Saison mit einem Haarriss im Schulterknochen fuhr und diese Verletzung konsequent verschwieg, als eklatanten Vertrauensbruch.

Christian Horner und Mark Webber

Mark Webber hat seinen Chef über die Verletzungg nicht informiert Zoom

"Es hat Marks Leistung nicht sichtbar beeinträchtigt, aber es wäre trotzdem schön gewesen, wenn wir davon gewusst hätten", sagt Horner im Gespräch mit dem 'Daily Telegraph': "Es ist extrem enttäuschend und frustrierend, dass er uns nicht informiert hat." Nur sein eigener Physiotherapeut Roger Clearly und FIA-Arzt Gary Hartstein wussten, dass Webber beim Mountainbikefahren in seiner australischen Heimat kurz vor dem Rennen im Oktober in Suzuka schwer gestürzt war.

"Ich war mit einem guten Freund auf Tour, als der plötzlich genau vor meiner Nase wegrutschte. Ich konnte nicht mehr ausweichen und bin über den Lenker geflogen", schreibt der 34-Jährige in seinem kürzlich erschienenen Buch "Up Front". Er habe dabei einen feinen Riss "tief im Knochen" erlitten: "Nicht schlimm, aber sehr schmerzhaft."

Unterstützung bekommt Webber von den ehemaligen Formel-1-Fahrern Christian Danner und Hans-Joachim Stuck. "Natürlich ist er seinem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet, aber so schlimm kann die Verletzung nicht gewesen sein", sagt VW-Motorsportberater Stuck. Stuck findet "das, was Mark gemacht hat, absolut heldenhaft. Mit diesem Handicap zu fahren und trotzdem eine solch gute Leistung zu zeigen, davor ziehe ich meinen Hut."

Möglicherweise sei sein Schweigen ein gewisser Selbstschutz gewesen, "um seine Position innerhalb des Teams nicht zu schwächen. Er hat aus seiner Sicht sicher alles Mögliche getan, um Weltmeister zu werden."
Danner findet Webbers Verhalten ebenfalls nicht schlimm: "Wenn
die FIA davon wusste, dann hat er überhaupt nichts falsch gemacht. Es kann aber nicht so dramatisch gewesen sein, sonst wäre er nicht so gut gefahren. Seine Leistung ist damit sicherlich umso höher einzuschätzen."

¿pbvin|512|3343||0|1pb¿In den letzten vier Rennen der Saison hatte Webber seinen Vorsprung in der WM-Wertung nach und nach verloren, am Ende belegte er hinter Vettel und Ferrari-Star Fernando Alonso nur den dritten Platz. Zudem wirkte der Australier in dieser Phase gehetzt, nervös und dünnhäutig, dennoch bezweifelt Horner, dass ihn die Verletzung entscheidend behindert hat: "Ich denke nicht, dass ihn das die WM gekostet hat."

Webber war im November 2008 schon einmal beim Mountainbikefahren verunglückt, damals erfasste ihn im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung auf Tasmanien ein Auto. Der 34-Jährige fiel anschließend mit einem Beinbruch für die Wintertests der Formel 1 aus. "Die Fahrer sind vertraglich verpflichtet, sich fitzuhalten, auf ihre Gesundheit zu achten und sich nicht in Gefahr zu begeben", sagt Horner: "Wir müssen vielleicht mal darüber nachdenken, ob Radfahren für Mark das Richtige ist."

Oder ob überhaupt Red Bull noch das richtige Team für den Australier ist, schließlich hat Webber sich im Laufe der Saison nicht nur Freunde gemacht. "Nicht schlecht für einen Nummer-2-Fahrer", funkte er mit beißendem Sarkasmus in die Box, nachdem er beim britischen Grand Prix im Juli in Silverstone die Ziellinie als Sieger überquert hatte. Stinksauer war er, als Horner vor dem Qualifying entschieden hatte, Teile seines Autos an das von Sebastian Vettel zu montieren.

Laut dachte Webber damals über seinen Abschied von Red Bull nach, den könnte er nun - absichtlich oder unabsichtlich - forciert haben. Dass Webber auch 2011 in einem wettbewerbsfähigen Auto sitzen wird, davon ist unter anderem sein Entdecker Paul Stoddart fest überzeugt.

Der ehemalige Besitzer des Minardi-Teams, der Webber 2002 aus der Formel 3000 in die Königsklasse geholt hatte, sieht seinen früheren Schützling im kommenden Jahr sogar als aussichtsreichen Titelanwärter. In welchem Auto? "Auf jeden Fall nicht in einem Hinterbänkler-Team", sagt Stoddart: "Mark wird niemals weiterfahren, nur um das Starterfeld zu füllen. Dafür ist er einfach zu gut."

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