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  • 26.07.2014 · 09:05

  • von Dieter Rencken & Timo Pape

Hembery wünscht sich mehr Nachhaltigkeit im Rennkalender

Die Formel 1 ist, was ihre Austragungsorte anbelangt, manchmal wie ein Fähnchen im Wind - Aus strategischen Gründen wünscht sich Pirelli mehr Kontinuität

(Motorsport-Total.com) - Zahlreiche Austragungsort haben in den vergangenen Jahren ihren Weg in den Rennkalender der Formel 1 gefunden, einige sind bereits wieder von der Bildfläche verschwunden. Erst kürzlich wurde die Rückkehr nach Mexiko im kommenden Jahr verkündet, ein Jahr später will Bernie Ecclestone ein Straßenrennen in Aserbaidschan ausrichten lassen. Beispielsweise die Rückkehr eines Indien-Grand-Prix rückt damit in weite Ferne.

Paul Hembery, Bernie Ecclestone

Paul Hembery findet, als Sportart müsse man sich von Politikern lenken lassen Zoom

Für Pirellis Formel-1-Strategie ist die Schnelllebigkeit der Branche keine gute Eigenschaft. "Es ist hart", bestätigt Motorsportchef Paul Hembery: "Natürlich gibt es manche Standorte, die für uns wichtig sind. Wir wären gern in Indien geblieben. Wir freuen uns aber, dass es einen Event in den USA gibt, und dass wir auch noch nach Mexiko gehen. Es gibt einige positive Meldungen in dieser Richtung, aber manchmal lässt die Nachhaltigkeit mancher Events auch zu wünschen übrig."

Aus strategischen Gründen wäre ein langfristiger Standort enorm wichtig für den Reifenhersteller: "Wenn du länger irgendwo bist, kannst du viel kontinuierlicher mit den Fans arbeiten. Generell wollen wir natürlich in Ländern sein, wo viele das Rennen sehen." Dazu sei es von großem Vorteil, wenn man die Rennen zu den Fans bringt, statt umgekehrt: "Persönlich glaube ich, dass du in die Städte hineinmusst, um den Kontakt mit den Fans zu suchen."

Stadtrennen bringen strategische Vorteile

Diese Erfahrung habe er in Singapur gemacht, als er zum ersten Mal zu einem Formel-1-Rennen dort war, erinnert sich der Brite. "Die Leute kamen (verkehrsbedingt; Anm. d. Red.) nicht mehr zur Arbeit, die Zeitungen berichteten seitenweise über die ganze Thematik. Das war einfach mitten ins Gesicht. Rennen in den Stadtzentren sind schwierig und teuer, aber so gehst du sicher, dass die Öffentlichkeit es mitbekommt."

"Vielleicht sollten wir noch genauer darauf schauen, inwiefern diese neuen Austragungsorte auch nachhaltig sind." Paul Hembery

Zwar gebe es Ausnahmen wie Austin, wo man sich besondere Mühe gibt, die Zuschauer aus der Stadt herauszuholen, "aber vielleicht sollten wir noch genauer darauf schauen, inwiefern diese neuen Austragungsorte auch nachhaltig sind. Es hilft keinem, für wenige Jahre da zu sein und dann wieder zu verschwinden. Du musst etwas aufbauen und hinterfragen, warum die Leute etwas vielleicht nicht so annehmen", so Hembery.

Neue Rennen wie etwa das in Baku 2016 bringen stets ihre eigenen Herausforderungen mit sich, erklärt der Pirelli-Sportchef: "Natürlich ist das irgendwie ein Schritt ins Ungewisse. Die Organisation ist eine echte Herausforderung - allein die Einreiseerlaubnis zu bekommen. Du importierst viele Dinge für kurze Zeit, das gibt es so normalerweise nicht. Es geht in erster Linie um Logistik." Demnach sei Pirelli nicht generell gegen eine große Anzahl Rennen, nur bringe sie zum Teil personelle Probleme mit sich: "Man muss sich in manchen Bereichen doppelt aufstellen. Aber auch damit kann man leben."

Eine Prestigefrage

"Viele Länder wollen einen speziellen Sportevent aus Prestigegründen haben. Sie wollen jemand sein in der Welt." Paul Hembery

Der Grund, warum Aserbaidschan den Grand Prix unbedingt haben will, liegt für Hembery auf dem Tisch: "Viele Länder wollen einen speziellen Sportevent aus Prestigegründen haben. Sie wollen jemand sein in der Welt." Zwischen Baku und beispielsweise Singapur gebe es somit eigentlich keinen Unterschied: "Die wollten ebenso einen internationalen Event, und die Formel 1 hat ihnen diesen Schub an Präsenz und Beachtung gegeben. Ich denke, so etwas ist unausweichlich; du hast in diesen Situationen immer einen Mix aus Business und Politik."

Gewisse Länder bringen darüber hinaus immer wieder kritische Diskussionen um Ethik und Achtung der Menschenrechte mit sich. Für Hembery ein Thema, auf das es keine perfekte Antwort gibt. "Als Sportart musst du, glaube ich, dahinter stehen, was die echten Politiker sagen. Du musst dich von den Politikern führen lassen. Deshalb steht die FIA auch immer in Kontakt mit den Regierungen, um zu erfahren, ob es richtig ist, in manche Länder oder zu manchen Events zu reisen."

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