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  • 28.02.2003 · 16:44

Großer Preis von Australien: BMW-Williams-Vorschau

Ralf Schumacher, Juan-Pablo Montoya, Sam Michael und Dr. Mario Theissen blicken auf das erste Rennen der neuen Saison

(Motorsport-Total.com) - Mit Hochspannung wird der Start der Formel-1-Weltmeisterschaft 2003 beim Großen Preis von Australien in Melbourne am 9. März erwartet. Diesmal geht es um mehr als die übliche Neugier auf ein Feld neuer Rennwagen in der Königklasse. Es geht vor allem um die Fragen: Wie wirken sich die veränderten Regularien aus, und wer kommt am besten mit ihnen zurecht? Selten waren die Kräfteverhältnisse vor einem Saisonauftakt so schwer einzuschätzen.

Barrichello und Ralf Schumacher

Mit einem Knall "flog" Ralf Schumacher in Melbourne in die Saison 2002

Das BMW-Williams-Team bringt in dem FW25 ein fundamental neues Chassis an den Start, das kaum noch etwas mit seinen Vorgängermodellen gemein hat. Der ebenfalls komplett neu entwickelte Motor von BMW, der P83, absolvierte am 18. September 2002 seine erste Testfahrt. Seit der Fahrzeugvorstellung am 31. Januar 2003 wurde das Gesamtpaket einem straffen Testprogramm unterzogen. Im BMWWilliams-Team herrscht überwiegend verhaltener Optimismus. Erst der 9. März wird die Frage der Konkurrenzfähigkeit beantworten können.

Juan-Pablo Montoya: "Ich gehe durchaus mit großer Zuversicht in die neue Saison. Wir haben im Winter intensiv getestet, und ich glaube, dass wir mit unseren Vorbereitungen einen guten Stand erreicht haben. Dennoch: Was auch immer die einzelnen Teams in den vergangenen Monaten geleistet haben, eine Standortbestimmung hat man immer erst nach dem ersten Grand-Prix-Wochenende. Zudem bringen diesmal die neuen Regeln einige Unsicherheit ins Spiel. Mir gefällt die Idee des Einzelzeitfahrens."

"Im vergangenen Jahr wurde ich in Melbourne Zweiter, und diese Erinnerung gibt mir ein gutes Gefühl für die Rückkehr nach Australien. Natürlich wäre es toll, das letztjährige Resultat noch zu übertreffen. Aber vor allem habe ich mir vorgenommen, mich 2003 kontinuierlich über die Saison zu verbessern, damit wir unsere Ergebnisse Rennen für Rennen bis zum Saisonende steigern können."

"Der Kurs im Albert Park ist einzigartig, mit keinem anderen im Kalender zu vergleichen. Die Rennstrecke unterscheidet sich sehr stark von jenen, auf denen wir im Winter getestet haben. Australien ist ein großartiges Land und ein sehr schöner Ort für den Saisonauftakt. Ich kann es kaum noch abwarten."

Ralf Schumacher: "Ich glaube, es war vor einem Saisonauftakt noch nie so schwer, eine Einschätzung abzugeben. Auf Grund der Regeländerungen glaube ich, dass deren Auswirkungen mehr Bedeutung zukommt als der Frage 'Wer hat das schnellste Auto?'. Ich möchte mich da jedenfalls nicht festlegen. Was ich aber weiß, ist, dass wir seit der Präsentation sehr, sehr hart an unserem Auto gearbeitet haben, damit es so konkurrenzfähig wie möglich ist. Wir sind auf dem richtigen Weg, trotzdem werden wir aber noch einige Zeit brauchen, um das Auto komplett in den Griff zu kriegen."

"Auf jeden Fall freue ich mich, dass die Saison endlich wieder losgeht. Und ich freue mich ganz besonders auf Australien und auf Melbourne, weil ich mich für die paar Tage dort sehr, sehr wohl fühlen werde."

Chefingenieur Sam Michael: "Australien wird für uns alle aufregend, vor allem natürlich vor dem Hintergrund der Regeländerungen. Sie sind eine Herausforderung. Wenn man dazu die übliche Spannung addiert, die in jedem Team herrscht, kurz bevor sich herausstellt, wie gut der eigene Job während der Wintermonate wirklich war, wird der erste Grand Prix sicher nicht langweilig."

"Melbourne ist ein Stadtkurs mit geringem Grip-Niveau. Er bietet vor allem langsame und mittelschnelle Kurven, aber es gibt auch zwei Hochgeschwindigkeitspassagen, die bei der Fahrzeugabstimmung berücksichtigt werden müssen."

"Maximaler Abtrieb ist gefragt, zusammen mit einem Setup, das gute Traktion sichert. Weil wir nun im Rennen die gleiche Abstimmung wie im Qualifying fahren müssen, stehen uns schwierige Entscheidungen bevor, in welche Richtung wir arbeiten. Ein anderer entscheidender Faktor ist im Albert Park von Melbourne eine gute Motorleistung, um mit steilen Flügeleinstellungen fahren zu können."

"Michelin hat im Winter bei der Entwicklung von Trocken- und Regenreifen ausgezeichnete Arbeit geleistet. Gemäß der neuen Regeln dürfen die Reifenhersteller ab sofort nur noch eine Spezifikation von Regenreifen bereitstellen, bisher waren es drei."

BMW-Motorsportdirektor Dr. Mario Theissen: "Mit dem frühen Einsatz des BMW P83 auf dem Prüfstand und im Fahrbetrieb haben wir uns die Voraussetzungen für ein sehr intensives Wintertestprogramm geschaffen. Der BMW P83 ist ein völlig neu entwickelter Motor, der in den Kriterien Leistung, Gewicht und Schwerpunktlage erneut die Benchmark in der Formel 1 sein sollte."

"Derzeit konzentrieren wir uns auf die Zuverlässigkeit des Motors. Die Frage der Standfestigkeit hat durch die Regeländerungen eine neue Dimension bekommen: In Melbourne müssen erstmals dieselben Motoren eine Renndistanz durchstehen, die zuvor im Qualifying enorm beansprucht worden sind. Das ist eine extreme Anforderung, deren Auswirkungen noch schwer kalkulierbar sind. Aufgrund der kurzfristigen Einführung dieser Regel sind wir gerade erst dabei, auf dem Prüfstand und im Fahrbetrieb entsprechende Erfahrungen unter diesen Rahmenbedingungen zu sammeln."