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  • 29.07.2012 · 21:44

  • von Stefan Ziegler

Grosjean & Räikkönen: "Das war schon knallhart"

Streiten sich zwei Stallgefährten, dann graust es dem Teamchef: Romain Grosjean und Kimi Räikkönen lieferten sich in Ungarn ein klasse Duell

(Motorsport-Total.com) - Es ist der Albtraum eines jeden Teamchefs: Seine beiden Piloten kommen sich auf der Strecke zu nahe und tragen einen direkten Zweikampf aus. Und das, obwohl beide noch intakte Chancen auf den Sieg, mindestens aber auf einen Podestplatz haben. In einem solchen Augenblick sind gute Nerven gefragt. Oder eine gesunde Portion Vertrauen in die fahrende Belegschaft, wie bei Eric Boullier.

Kimi Räikkönen, Romain Grosjean

Romain Grosjean (li.) und Kimi Räikkönen im Paarflug - und ohne Sachschäden

Der französische Teamchef von Lotus musste beim Großen Preis von Ungarn nämlich mitansehen, wie Kimi Räikkönen aus der Boxengasse herausschoss und just neben Stallgefährte Romain Grosjean auf die Strecke zurückkehrte. Da war eine enge Kiste vorprogrammiert - und die beiden Lotus-Piloten schenkten sich in der ersten Kurve nichts. Zu einer teaminternen Kollision kam es jedoch nicht.

Räikkönen war nämlich darauf vorbereitet. "Das Team hatte mir gesagt, dass es sehr eng werden würde", meint der Finne. Er habe die Situation durch einen kleinen Fehler beim Betätigen des Limiters aber noch selbst verschärft. "Ich war vielleicht erst fünf Meter nach der Linie wieder voll am Gas. Ich dachte, ich hätte da keine gute Arbeit geleistet. Zum Glück reichte die Lücke aus", sagt Räikkönen.

Die normale Härte zwischen Teamkollegen

In der ersten Kurve hielt der Ex-Champion an der Innenlinie fest und seinen Teamkollegen sicher auf Distanz. Das war der Schlüssel zu Platz zwei. "Wir waren nebeneinander, doch ich konnte meinen Platz sehr leicht verteidigen", meint Räikkönen. Ob Grosjean das ähnlich sieht? Immerhin rauschte der junge Franzose auf der Außenbahn über den Randstein hinweg, weil innen Räikkönen fuhr.

"Es war sehr eng." Romain Grosjean

"Es war sehr eng", erklärt Grosjean auf Nachfrage. "Kimi tat, was er tun musste, um mich am Überholen zu hindern. Ich rutschte ein bisschen weit raus und bekam ein paar Gummikörnchen auf meine Reifen. Damit hatte ich Probleme, mich wieder zu fangen. Das war es auch schon", berichtet der Lotus-Fahrer und merkt an: "So etwas kommt einfach vor." Vorwürfe macht er Räikkönen nicht.


Fotos: Lotus, Großer Preis von Ungarn


Das wäre auch vollkommen fehl am Platze, meint 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer. "Die beiden haben schon gewusst, was sie machen. Und man hat ja gesehen, dass sie nachgegeben haben. Das Duell war aber schon knallhart, Rad an Rad", sagt der frühere Formel-1-Pilot und muss schmunzeln, wenn er daran denkt, wie Lotus auf diesen teaminternen Kampf hingearbeitet hatte.

Lotus lässt die Fahrer gewähren

"Man hat ja anschließend noch die Funksprüche der beiden Ingenieure gehört, die ihre Fahrer angefeuert haben. Sie sagten zu Kimi, dass er an der Boxenausfahrt KERS betätigen solle. Zu Grosjean sagten sie, dass sie gerade gegen Kimi kämpften. Die Ingenieure haben sie richtig heiß gemacht", erklärt Surer. Und damit habe sich die Teamleitung von Lotus genau richtig verhalten.

"Unsere Fahrer wissen, dass sie gegeneinander fahren." Eric Boullier

Sie habe es die Piloten auf der Strecke ausmachen lassen und keine Stallregie ausgegeben. "Das würde ja demotivierend wirken", meint Surer. "Und du kannst nicht einen Fahrer, der um die WM fährt, einfach zurückpfeifen. Du musst ihm die Chance lassen", sagt der TV-Experte im Hinblick auf den aktuellen WM-Fünften Räikkönen. Teamchef Boullier wollte ohnehin nicht ins Geschehen eingreifen.

An teamtaktisches Verhalten habe man am Kommandostand gar nicht gedacht. "Unsere Fahrer wissen, dass sie gegeneinander fahren. Kimi gegen Romain und umgekehrt. Das ist gut für das Klima im Team", hält der Franzose fest. "Romain hat natürlich versucht, seine Position zu halten, aber Kimi hat es geschafft." Räikkönen habe halt das bessere Ende erwischt. "Und es war ziemlich aufregend."

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