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GP Emilia Romagna: Fragen & Antworten zum F1-Rennen in Imola 2021

Wie Charles Leclerc seine Chance auf den Sieg verschenkt hat, wie Lewis Hamilton die Situation in der ersten Kurve sieht, wie Toto Wolff George Russell zurechtweist

(Motorsport-Total.com) - Max Verstappen (Red Bull) hat den turbulenten Grand Prix der Emilia Romagna 2021 vor seinem großen WM-Rivalen Lewis Hamilton (Mercedes) gewonnen. In der Weltmeisterschaft behält Hamilton allerdings die Führung, weil er kurz vor Schluss noch die schnellste Runde im Rennen in Imola drehte und sich dafür einen Bonuspunkt abholte.

Lewis Hamilton, Max Verstappen, Lando Norris

Max Verstappen feierte in Imola einen letztendlich souveränen Sieg Zoom

Lando Norris (McLaren) wurde Dritter, gefolgt von Charles Leclerc und Carlos Sainz (beide Ferrari). Sebastian Vettel (Aston Martin) schied zwei Runden vor Schluss aus, wurde aber als 15. gewertet. Mick Schumacher (Haas) kam als 16. ins Ziel.

Für eine Schrecksekunde sorgten Valtteri Bottas (Mercedes) und George Russell (Williams), die nach einem schweren Crash ein Schlachtfeld an Wrackteilen auf der Strecke hinterließen. Der Grand Prix musste deswegen sogar unterbrochen werden.

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Wer war schuld an der Kollision Bottas-Russell?

Die beiden wurden sich in der Frage nicht einig. "Es war eindeutig sein Fehler", findet Bottas. Russell hatte ihn zuvor am Boxenfunk als "Idioten" bezeichnet und war zum gestrandeten Mercedes gestürmt. Als Russell Bottas auf den Helm klopfte, konterte der mit dem Stinkefinger.

Weil die TV-Aufnahmen des Crashs nicht eindeutig waren, gab's zunächst kein klares Urteil. 'RTL'-Experte Nico Hülkenberg lehnte sich mit seiner ersten Einschätzung noch mit am weitesten raus. Er sagte: "Ich finde, Valtteri wusste, dass Russell kommt. Und er wusste auch, wie eng es da ist bei 300. Da hätte er auch ein bisschen kulanter sein und dem Kollegen mehr Platz lassen können."

Zwar war es Russell, der die Kontrolle über das Auto verloren hat, weil er mit zwei Rädern auf die Wiese kam. Doch er fühlte sich von Bottas abgedrängt, im Zuge einer "taktischen Verteidigung". Das sei tabu, denn: "Es gibt ein Gentlemen's Agreement, sowas nicht zu tun. Im Trockenen, okay. Aber nicht im Nassen, bei solchen Bedingungen."

Bei seinem "Chef" Toto Wolff findet diese Argumentation allerdings kein Gehör: "Ich sage zu George immer: 'Wenn du gut fährst, kannst du Mercedes fahren. Sonst Renault-Clio-Cup.' Heute ist er näher am Renault-Clio-Cup", urteilt der Österreicher.

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Was sagt Lewis Hamilton über seinen "Vettel-Moment"?

Es sah frappierend wie Vettels Abflug in Hockenheim 2018 aus, als der siebenmalige Weltmeister beim Überrunden in der Tosa-Kurve (ausgerechnet von Russell, der wenig später mit Bottas kollidierte) von der Strecke rutschte. Zunächst blockierten die Hinterräder; doch beim Versuch, das Heck mit einem kurzen Gasstoß schneller in die richtige Richtung zu bewegen, kam das Heck nicht wie erwartet - und Hamilton krachte stattdessen geradeaus in die Mauer.

Sein Riesenglück: In jenen Momenten, in denen Toto Wolff dem Herzinfarkt nahe gewesen sein muss, kam es etwas weiter hinten zum Crash zwischen Valtteri Bottas und George Russell. Während der Rennunterbrechung hatten die Mercedes-Mechaniker Gelegenheit, Hamiltons W12 zu reparieren. Nach dem Re-Start verbesserte er sich noch vom neunten auf den zweiten Platz.

"Das war nicht mein bester Tag. So ein Fehler ist mir schon lange nicht mehr passiert", gibt Hamilton zu. Bei feuchten Bedingungen gab's in der Tosa eigentlich nur eine Linie. Beim Überrunden musste er aber auf den nassen Teil der Strecke ausweichen. "Wahrscheinlich wollte ich einfach zu schnell an denen vorbei", räumt er ein.

"Da war der Sieg eigentlich weg", sagt Toto Wolff. Trotzdem habe Hamilton insgesamt eine "überdimensionale" Leistung geboten. Nicht nur wegen der Aufholjagd am Ende, sondern auch, weil er in der Startphase gehandicapt war, als er beim Überholmanöver von Verstappen in Kurve 1 abgedrängt wurde und die linke Frontflügel-Endplatte verloren hatte.

Das kostete laut Wolff 15 Punkte Anpressdruck und somit rund zwei Zehntelsekunden pro Runde.

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Wie bewerten Verstappen und Hamilton die Situation am Start?

"Er hat mich rausgedrückt", meinte Hamilton instinktiv am Boxenfunk. Nach Rennende gratulierte er Verstappen aber artig zur tollen Leistung und zeigte sich als fairer Verlierer. Bei der Pressekonferenz wurden die beiden nach der Situation gefragt. "Ich glaube nicht, dass wir uns berührt haben", sagt Verstappen. "Haben wir", hält Hamilton dagegen. Worauf Verstappen meint: "Dann muss ich mir erst das Video anschauen."


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Hamilton lässt sich nicht darauf ein, Verstappen einen konkreten Vorwurf zu machen. Allerdings lässt er zwischen den Zeilen durchblicken, dass er die Schuld nicht bei sich selbst sieht, wenn er sagt: "Ich war leicht vorne. Ich habe versucht, eine Berührung zu vermeiden, weil Max rüberkam. Dann berührten wir uns und ich musste in den Notausgang und über die Kerbs."

War Max Verstappens Sieg irgendwann in Gefahr?

Nach dem Start eigentlich nicht mehr. Gleich die erste Runde nach dem ersten Re-Start war eine echte Machtdemonstration, indem er 3,3 Sekunden Vorsprung auf Hamilton rausfuhr. Die gefährlichste Situation war wahrscheinlich, als er beim zweiten Re-Start nach der Rennunterbrechung von der Strecke abkam und der zu dem Zeitpunkt hinter ihm liegende Charles Leclerc eigentlich in Führung gehen hätte können.

Leclerc bremste aber ab - eine knifflige Situation, denn zuvor waren schon an Sergio Perez (Red Bull) während einer Safety-Car-Phase zwei Autos vorbeigefahren, die keine Strafe dafür kassierten, weil Perez neben der Strecke war. Ein Präzedenzfall, der vermuten lässt, dass Leclerc ungestraft die Führung übernehmen hätte können.

Stattdessen brachte ihn das Bremsmanöver aus dem Tritt und er verlor Platz zwei an Norris. Norris ist überzeugt: "Charles hätte in Führung gehen können. Wäre ich an seiner Stelle gewesen, wäre ich vorbeigegangen. Dann hätte er die Chance gehabt, das Rennen zu gewinnen. Das ist das Risiko [einer möglichen Strafe] wert."

Verstappen hatte in der brenzligen Situation übrigens versucht, "mit dem Gas meine Reifen aufzuwärmen. Zum Glück habe ich mich nicht gedreht", sagt er.

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Wie kam's zum Crash von Mick Schumacher hinter dem Safety-Car?

In Runde 4 war das Rennen erstmals durch das Safety-Car neutralisiert. Schumacher versuchte bei Start und Ziel, seine Reifen auf Temperatur zu bekommen, als er die Kontrolle über das Auto verlor. Nach Bahrain der zweite Anfängerfehler im zweiten Rennen.

Besonders bitter: Weil die Boxengasse während der Safety-Car-Phase geschlossen war, konnte er den kaputten Frontflügel nicht einmal sofort wechseln lassen. Am Ende wurde er mit zwei Runden Rückstand 16. von 17 gewerteten Fahrern.

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Warum ist Sebastian Vettel aus der Box gestartet?

"Ich glaube, heute war für uns nicht viel Positives dabei", seufzt der Aston-Martin-Pilot. Der Tag begann schon schiefzugehen, da war der Start noch nicht mal erfolgt. Bei den Vorstartrunden begannen die Hinterbremsen des AMR21 zu brennen. Das konnten die Mechaniker aber nicht rechtzeitig reparieren, sodass fünf Minuten vor dem Startsignal hinten noch keine Reifen montiert waren.

Für diesen Regelverstoß kassierte Vettel eine Stop-&-Go-Strafe (für deren späte Aktivierung er die FIA-Rennleitung kritisiert). Zwischendurch gab's vereinzelt positive Momente. Etwa als er die beiden Alpines überholte oder als er vorübergehend die schnellste Rennrunde innehatte. Die Idee, als Erster auf Trockenreifen zu wechseln, entpuppte sich hingegen als Fehlentscheidung.

Fazit: "Das Gefühl ist ein bisschen besser, aber im Moment sind es sehr wenige Runden, die ohne Probleme für uns laufen. Wir können uns noch steigern", sagt Vettel. "Uns passieren da noch zu viele kleine Fehler, auch mir. Da muss ein bisschen mehr Fluss rein."

Übrigens: Auch Vettels Teamkollege Lance Stroll hatte am Vorstart Probleme mit den Bremsen. Er kam aber ohne Strafe davon und beendete das Rennen an siebter Stelle.

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Was war mit Sergio Perez' Lenkrad los?

Der Mexikaner galt vom zweiten Startplatz aus als Geheimfavorit auf den Sieg, wurde diesem Status aber nicht gerecht. Vielleicht auch, weil sein Lenkrad ein merkwürdiges Eigenleben führte und sich manchmal von selbst bewegte, bis es beim Boxenstopp gewechselt werden konnte.

Vielleicht hatte es damit zu tun, dass Perez in der Piratella-Kurve hinter dem Safety-Car von der Strecke rutschte. Weil er jene zwei Autos, die dabei an ihm vorbeigegangen waren, wieder überholte, kassierte er später eine Stop-&-Go-Strafe.

Sein Rennen war damit aber noch immer nicht gelaufen. Nach der roten Flagge lag er vor Hamilton an vierter Stelle und nahm Kurs auf ein Podium, als er sich erneut drehte. Vom 14. konnte er sich zwar noch auf den zwölften Platz verbessern. Auf einen WM-Punkt fehlten aber eineinhalb Sekunden gegen die beiden Alpines.

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Hat die Stallorder bei McLaren funktioniert?

Norris erwischte keinen guten Start und lag zunächst hinter Daniel Ricciardo. In Runde 18 kämpften die beiden um Platz fünf. Nachdem sich Norris beschwerte, dass er viel schneller fahren kann, bat McLaren um einen Platztausch. Ricciardo spielte mit - und hatte nur zwei Runden später schon sechs Sekunden Rückstand auf Norris.

Der fightete in den Schlussrunden dann sogar gegen den von hinten aufholenden Hamilton um Platz zwei. Letztendlich wurde es P3. Hamilton kam vorbei, weil Norris' mit dem Knie die Kupplung berührte. "Mein Fehler", ärgert er sich. Aber weil er den im Finish überragend schnellen Mercedes so oder so nicht halten hätte können, "bin ich nicht enttäuscht".

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Wer sind die Enttäuschten des Rennens?

Carlos Sainz schien zunächst beim Ferrari-Heimspiel nicht in die Gänge zu kommen. "Wie viele Fehler passieren mir noch?", fluchte er am Boxenfunk nach einem Ausritt. "Du bist einfach zu schnell. Beruhig dich", funkte ihm sein Renningenieur. Das zeigte Wirkung. Sainz wurde letztendlich Fünfter, eineinhalb Sekunden hinter seinem Teamkollegen.

Nikita Masepin (Haas) lieferte erneut eine fehlerhafte Vorstellung ab. Nach dem Dreher am Ende fehlte ihm eine halbe Minute auf Schumacher, der ebenfalls nicht den besten Tag hatte. Für die Kollision mit Nicholas Latifi (Williams) zu Beginn konnte er aber nichts: "Dafür kann man Masepin nicht die Schuld geben. Der kann sich nicht in Luft auflösen", findet 'ORF'-Experte Alexander Wurz.

Dann wäre da noch AlphaTauri. Pierre Gasly galt nach überragenden Trainingsleistungen als Geheimtipp für ein Podium. Doch mit den Full-Wets war er seinen mehrheitlich auf Intermediates gestarteten Gegnern zu Beginn des Rennens hoffnungslos unterlegen. Dennoch wurde er Achter. Yuki Tsunoda kam als 13. ins Ziel. Er drehte sich beim Re-Start auf einer Top-10-Position.

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