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Glock: "Eine tolle Situation für mich"

Virgin-Pilot Timo Glock lässt sich von den anhaltenden Technikproblemen mit dem VR-01 nicht einschüchtern: "Es kommen auch bessere Zeiten"

(Motorsport-Total.com) - Timo Glock ist zwar auch im neuen Jahr in der Formel 1, aber dennoch in einer ganz anderen Welt. Der Hesse wechselte vom gigantisch großen Toyota-Werksrennstall zum neuen Team Virgin, wo man mit bescheidenden finanziellen Mitteln und ausschließlicher Entwicklung am Computer Erfolg haben will. Die ersten Testfahrten mit dem Virgin-Cosworth brachten viele technische Probleme mit der Hydraulik zutage. Doch Glock äußert sich im Interview mit 'Motorsport-Total.com' dennoch optimistisch.

Timo Glock

Timo Glock erwartet konstante Steigerungen mit dem Virgin-Cosworth

Frage: "Timo, vom Giganten Toyota zum neuen Team Virgin. Wie hast du den Sprung empfunden?"
Timo Glock: "Für mich persönlich hat sich eigentlich nicht viel verändert. Ich bin sehr glücklich bei Virgin. Wir hatten in den ersten Tests ein paar Probleme. Das ist aber für ein neues Team ganz normal. Ich bin einfach glücklich. Natürlich war der Wechsel von Toyota zu Virgin schon enorm, allein der Größe von Toyota wegen. Virgin ist viel keiner, aber das kann ja auch gute Seiten haben."#w1#

"Natürlich ist es bei Problemen, wie wir sie bei dem Jerez-Test hatten, immer besser, wenn du große Ressourcen hast. Dann kannst du solche Dinge schneller lösen. Aber es ist erst unser erstes Jahr in der Formel 1, entsprechend sind auch unsere Erwartungen."

Trulli und Glock als Entwickler bei Neulingen

Frage: "Bei gleich bis zu fünf Teams mit Cosworth-Motoren kommt es mehr auf das Auto und die Fahrer an. Meinst du, du kannst die anderen Cosworth-Autos schlagen?"
Glock: "Naja, mit Williams wird das wohl etwas schwierig. Es wird schon so sein, dass Williams zumindest in unserem ersten Jahr stärker ist. Unser Ziel in dieser Saison ist es, das beste der neuen Teams zu sein. Wenn wir zur Mitte oder zum Ende der Saison vor Williams sein könnten, dann wäre das sensationell. Aber ich denke, davon sind wir ein gutes Stück entfernt."

Frage: "Bei Toyota warst du neben dem erfahrenen Jarno Trulli. Bildlich gesprochen: Du warst dort ein kleines Rad in einem großen Getriebe, nun bei Virgin bist du ein großes Rad in einem kleinen Getriebe. Wie gehst du mit der besonderen Verantwortung als klare Nummer eins um?"
Glock: "Für mich ist das eine tolle Situation. Ich kann mich als Fahrer voll einbringen. Bei Toyota war Jarno mit all seiner Erfahrung vielleicht etwas im Vorteil. Hier bei Virgin bin ich zuhause. Ich kann das tun, was ich gerne mache, nämlich entwickeln."


Fotos: Timo Glock, Testfahrten in Jerez


"Der Job ändert sich kaum, denn ich habe mich auch in der Vergangenheit oft eingebracht. Auch in der GP2 habe ich so gearbeitet, in den vergangenen beiden Jahren in der Formel 1 ebenso. Für mich ist das toll. Ich kann direkt mit den Ingenieuren zusammenarbeiten, kann Entwicklungsarbeit leisten. Das ist aber ein langer und harter Weg. Jarno ist bei Lotus in einer ähnlichen Situation."

Frage: "Bringt dein Status im Team eine besondere Verantwortung mit sich?"
Glock: "Natürlich, aber ich sehe das als positiven Druck. Ich fühle mich in der aktuellen Situation aber sehr wohl, ich bin glücklich damit. Ich freue mich deshalb auf dieses Jahr, auf die Zukunft. Ich hoffe einfach, dass wir unsere Ziele erreichen werden."

Was macht das "Computerauto"?

Frage: "Als du nach deinem Suzuka-Crash im vergangenen Jahr ausgefallen bist, haben dich einige Leute schnell abgeschrieben. Hast du das auch gespürt?"
Glock: "Nein, denn ich hatte eine ganze Reihe von guten Möglichkeiten nach dem guten Rennen in Singapur. Ich habe mir keine Sorgen gemacht. Natürlich ist es nicht schön, wenn man die letzten beiden Rennen auslassen muss, aber ich hatte deswegen kein besonders komisches Gefühl, oder gar Angst."

Frage: "Bei Toyota hattet ihr zwei riesige Windkanäle, hier bei Virgin wird alles per CFD erledigt. Hattest du das Gefühl, dass du vielleicht ein Playstation-Fahrzeug bekommen würdest?"
Glock: "Ich weiß, was du meinst (lacht). Als ich erstmals in die Firma kam und deren komplett andere Herangehensweise beim Bau eines Formel-1-Autos sah, empfand ich das als sehr interessantes Projekt. Als ich dann beim Shakedown in Silverstone erstmals in diesem Auto saß, hatte ich im allerersten Moment ein seltsames Gefühl."

"Wenn der Computer falsch konfiguriert gewesen wäre, dann hätte der Wagen vielleicht bei 200 km/h abgehoben." Timo Glock

"Ich habe mich in dem Moment gefragt, wie es sich wohl anfühlen wird in einem Auto, das nie im Windkanal war und nur per CFD entstanden ist. Wenn der Computer falsch konfiguriert gewesen wäre, dann hätte der Wagen vielleicht bei 200 km/h abgehoben. Das war aber nicht der Fall. Das Gefühl war gut und das zeigt, dass der CFD-Weg funktioniert. Der Weg in der Entwicklung ist eben nur grundlegend anders."

Frage: "Du hast bei Sauber ein Gemisch von CFD und Windkanal erlebt, bei Toyota setzte man fast ausschließlich auf Windkanal, nun bei Virgin geht es nur per CFD. Wie machen sich diese Unterschiede bemerkbar?"
Glock: "Allein beim Fahren gar nicht. Ob ich nun in einem Auto sitze, das per CFD entwickelt wurde oder im Windkanal, macht keinen Unterschied. Wenn man mit CFD arbeitet, gehen gewisse Dinge einfach schneller. Ich weiß noch, dass wir bei Toyota neue Teile hatten, aber die Erprobung im Windkanal lange Zeit dauerte. Für den Windkanal musst du erst einmal ein Modell herstellen. Das alles geht per CFD viel schneller."

"Wir müssen den Leuten noch beweisen, dass man es allein per CFD bewerkstelligen kann. Bisher lief es gut. Wir haben schon neue Aerodynamikteile ans Auto gebaut, die sofort funktioniert haben. Das war schon sehr gut. Aber wenn erstmal die großen Entwicklungsschritte kommen, dann wird es richtig interessant."

Frage: "Du hast gegen deinen Teamkollegen Lucas 2007 um den GP2-Titel gekämpft. Wie ist euer Verhältnis?"
Glock: "Gut. Schon bei unserem ersten Treffen in Großbritannien, wo wir gemeinsam viel Arbeit im Simulator erledigt haben, war sofort eine gute Basis da. Er bringt aus seiner Zeit als Renault-Testfahrer einiges an Erfahrung mit. Wir werden bestimmt ein gutes Team bilden."

Perfekte Stimmung im Team

Frage: "Wie kommst du mit dem Rest des Teams zurecht?"
Glock: "Super. Wir haben sehr viel Spaß zusammen. Ich fühle mich in britischen Teams offenbar immer sofort wohl. Das war auch in der GP2 bei iSport mit Paul Jackson und seinen Jungs schon so. Ich bin glücklich bei Virgin. Wir haben gute und erfahrene Leute dabei. Sogar in schwierigen Zeiten wie zuletzt in Jerez leidet die Motivation überhaupt nicht. Alle geben immer Vollgas. Das ist toll."

"Da müssen wir durch. Es kommen ganz bestimmt bessere Zeiten." Timo Glock

Frage: "Es ist nicht mehr viel Zeit bis zum Saisonstart. Machen dir eure hartnäckigen Technikprobleme große Sorgen?"
Glock: "Nein. Mir war immer klar, dass in den Wintertests kaum alles glatt laufen wird. Natürlich wird das erste Rennen schwierig. Wir müssen häufiger mal auf Teile warten. Das ist aber der ganz normale Ablauf bei einem neuen Team. Natürlich sind alle auch mal frustriert, wenn man den eigenen Plan nicht einhalten kann. Aber da müssen wir durch. Es kommen ganz bestimmt bessere Zeiten."

Frage: "Im vergangenen Jahr hattest du Lexus als Dienstwagen. Was fährst du jetzt?"
Glock: "Im Moment noch einen relativen kleinen Toyota Auris, aber ich bekomme bald meinen neuen Dienstwagen. Es wird ein Nissan GT-R, darauf freue ich mich schon. Der müsste bald ausgeliefert werden. Der Wagen gehört meinem britischen Team, aber zum Glück haben sie keinen Rechtslenker für mich bestellt. Ich werde also in Deutschland auf den Straßen noch ganz gut zurecht kommen. Ich bleibe auf jeden Fall im Odenwald wohnen."

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